Unterstützen Sie die Tabula Rasa mit einer Spende, wir würden uns freuen: Schreiben Sie eine Mail an: dr.stefangross@web.de
| Erschienen in Ausgabe: No 41 (7/2009) | Letzte Änderung: 22. Juni '09 |
„Wir nahmen kein Blatt vor den Mund ... Wir verhöhnten einfach alles, nichts war uns heilig, wir spukten auf alles, und das war Dada!“ (George Grosz)
von Sophie Bartholome
Mit seiner Liebe zum
Grotesken, Makaberen und Dämonischen war der Künstler George Grosz einer
der Mitbegründer des Berliner Dadaismus. Die Aufgabe des Berlin-DADA bestand
darin, die etablierten künstlerischen Werte
und Sehgewohnheiten zu zerstören – Grosz Waffe hierfür war die Linie. Als
Satiriker und Karikaturist verlieh er der sozialen und physischen Realität der
20er Jahre ein Gesicht.
In einem
Nachtlokal sitzend, den Skizzenblock in der Hand und ein beobachtender Blick
eines Mannes aus einer Ecke – so
könnte man sich George Grosz zu seiner Lebzeit vorstellen. Er bevorzugte diese Lokalitäten, um mit größter
Lebensnähe zu zeichnen. Was ihn daran reizte, waren die Atmosphäre und die verschiedenen Menschentypen.
Hier konnte er das Wesen dieser analysieren und versuchen zu verstehen,
warum Menschen z.B. verschiedene Gemeinheiten sich gegenseitig antun. Denn seine Werke versuchen die Fragen nach
Moralvorstellungen und den menschlichen Beziehungen untereinander zu
beantworten.
Alkoholiker,
Landstreicher, Verrückte und Zirkusartisten – diese 'Außergewöhnlichkeiten'
zogen Grosz magisch an. Eine besondere
Stellung nimmt in den Arbeiten das Motiv des Clowns ein. Für ihn verkörperte jener die tragikomische Position,
welche der Künstler in der Gesellschaft einzunehmen hatte. Die
Beziehungen zwischen Kunst und Ideologie sollten Grosz sein Leben lang beschäftigen. Die hohen Ansprüche, welche der Kunst
zugeschrieben wurden, verachtete er. Scheinbar
war dies ebenso ein Antrieb, um am damaligen Geschehen DADA aktiv teilzunehmen.
Nach der Begegnung mit Wieland
Herzfelde wurden im Jahr 1916 in dessen Zeitung Neue Jugend einige
Arbeiten von Grosz veröffentlicht. Diese Zeitung sollte der Idee des Friedens
dienen. Beide verband die Ablehnung des
Militärs und der Hass gegenüber dem Krieg. Am 4. Januar 1917 wurde Grosz erneut in die Armee einberufen, jedoch nach 4
Monaten wieder entlassen. Aufgrund einer Krankheit wurde er für kriegsuntauglich erklärt. Diese Erlebnisse
schlugen sich in seinen Skizzenbüchern deutlich wieder. Im Frühjahr
steigerte sich sein Ruhm durch die Veröffentlichungen der Ersten
George-Grosz-Mappe und der Kleinen Grosz-Mappe. Ebenso wurde der
Malik-Verlag gegründet, welcher für die
Verbreitung seiner Arbeiten sehr von Vorteil war. Im Jahre 1919 trat er dem Berliner Dada-Club bei. In jener Zeit
entstehen dadaistische Collagen, welche er zusammen mit John Heartfield anfertigte. Es wurden Schrift,
Fotografie und Zeichnungen untereinander vermischt.
„Nehmen Sie DADA
ernst, es lohnt sich!“ - Ein wichtiger Meilenstein für den Dadaismus war die Erste Internationale Dada-Messe im Jahr 1920. John
Heartfield, Raoul Hausmann und George Grosz
waren die Organisatoren und trieben die Revolte Dada gegen die etablierten Kunstvorstellungen voran. Die Ausstellung bestand
aus Collagen, Vorträgen, Gedichten, Fotomontagen und alltäglichen
Gegenständen.
Mit vielen Aussprüchen, wie z.B. „Die Kunst
ist tot – Es lebe die neue Maschinenkunst“ oder „Dilettanten erhebt Euch
gegen die Kunst!“, waren die zwei Ausstellungsräume bestückt. Eine Militäruniform mit Schweinemaske hing in der Mitte
eines Raumes von der Decke. Der Hass gegenüber dem Militär stach
deutlich hervor. Weiterhin wurde bei jener Ausstellung Grosz Mappe Gott mit uns, welche sich gegen die Armee und den Kapitalismus richtete, von der
Polizei beschlagnahmt. Er wurde wegen
Beleidigung angeklagt und erhielt eine Geldstrafe. In seiner Autobiographie Ein kleines Ja und ein großes
Nein schrieb George Grosz reflektierend „Meine Kunst jedenfalls
sollte Gewehr sein und Säbel.“.
Im selben Jahr trat er ebenso mit Heartfield im politischen Kabarett Schall
und Rauch im Keller des Reinhardt-Theaters
auf. Aufgrund seines Beitritts in die Kommunistische Partei (1918) arbeitete er
in der folgenden Zeit für
kommunistische Periodika, wie z.B. Die Pleite, Der blutige Ernst, Der Knüppel
und die rote Fahne.
Um seinen amerikanischen Traum zu leben, siedelte
er 1933 nach New York über. Dort ließen seine antimilitärischen
Aktivitäten eher nach. Zu Anfang hatte er Schwierigkeiten sich als Künstler in Amerika zu etablieren, doch es folgten einige
Ausstellungen. Mit diesem Aufenthalt werden meist die Aquarelle der Stockmänner
in Verbindung gebracht. Grosz selbst meint: „Wenn auch mein amerikanischer Traum 'ne Seifenblase war, schön
geschillert hat 'se doch.“. Nach 26 Jahren kehrte er nach Berlin zurück
und verstarb kurz darauf am 6. Juli 1959 in Berlin.
George Grosz war ein nachdenklicher
Individualist und aktiver Dadaist. Trotz seiner pessimistischen
Grundeinstellung hat er bedeutende Werke im 20. Jahrhundert erschaffen.
>> Kommentar zu diesem Artikel schreiben. <<
Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte hier an.