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Erschienen in Ausgabe: No 41 (7/2009) Letzte Änderung: 22.06.09

Die DADArstellung des Individualisten George Grosz (1893-1959) – 50. Todestag –

„Wir nahmen kein Blatt vor den Mund ... Wir verhöhnten einfach alles, nichts war uns heilig, wir spukten auf alles, und das war Dada!“ (George Grosz)

von Sophie Bartholome

Mit seiner Liebe zum Grotesken, Makaberen und Dämonischen war der Künstler George Grosz einer der Mitbegründer des Berliner Dadaismus. Die Aufgabe des Berlin-DADA bestand darin, die etablierten künstlerischen Werte und Sehgewohnheiten zu zerstören – Grosz Waffe hierfür war die Linie. Als Satiriker und Karikaturist verlieh er der sozialen und physischen Realität der 20er Jahre ein Gesicht.
In einem Nachtlokal sitzend, den Skizzenblock in der Hand und ein beobachtender Blick eines Mannes aus einer Ecke – so könnte man sich George Grosz zu seiner Lebzeit vorstellen. Er bevorzugte diese Lokalitäten, um mit größter Lebensnähe zu zeichnen. Was ihn daran reizte, waren die Atmosphäre und die verschiedenen Menschentypen. Hier konnte er das Wesen dieser analysieren und versuchen zu verstehen, warum Menschen z.B. verschiedene Gemeinheiten sich gegenseitig antun. Denn seine Werke versuchen die Fragen nach Moralvorstellungen und den menschlichen Beziehungen untereinander zu beantworten.
Alkoholiker, Landstreicher, Verrückte und Zirkusartisten – diese 'Außergewöhnlichkeiten' zogen Grosz magisch an. Eine besondere Stellung nimmt in den Arbeiten das Motiv des Clowns ein. Für ihn verkörperte jener die tragikomische Position, welche der Künstler in der Gesellschaft einzunehmen hatte. Die Beziehungen zwischen Kunst und Ideologie sollten Grosz sein Leben lang beschäftigen. Die hohen Ansprüche, welche der Kunst zugeschrieben wurden, verachtete er. Scheinbar war dies ebenso ein Antrieb, um am damaligen Geschehen DADA aktiv teilzunehmen. Nach der Begegnung mit Wieland Herzfelde wurden im Jahr 1916 in dessen Zeitung Neue Jugend einige Arbeiten von Grosz veröffentlicht. Diese Zeitung sollte der Idee des Friedens dienen. Beide verband die Ablehnung des Militärs und der Hass gegenüber dem Krieg. Am 4. Januar 1917 wurde Grosz erneut in die Armee einberufen, jedoch nach 4 Monaten wieder entlassen. Aufgrund einer Krankheit wurde er für kriegsuntauglich erklärt. Diese Erlebnisse schlugen sich in seinen Skizzenbüchern deutlich wieder. Im Frühjahr steigerte sich sein Ruhm durch die Veröffentlichungen der Ersten George-Grosz-Mappe und der Kleinen Grosz-Mappe. Ebenso wurde der Malik-Verlag gegründet, welcher für die Verbreitung seiner Arbeiten sehr von Vorteil war. Im Jahre 1919 trat er dem Berliner Dada-Club bei. In jener Zeit entstehen dadaistische Collagen, welche er zusammen mit John Heartfield anfertigte. Es wurden Schrift, Fotografie und Zeichnungen untereinander vermischt.
„Nehmen Sie DADA ernst, es lohnt sich!“ - Ein wichtiger Meilenstein für den Dadaismus war die Erste Internationale Dada-Messe im Jahr 1920. John Heartfield, Raoul Hausmann und George Grosz waren die Organisatoren und trieben die Revolte Dada gegen die etablierten Kunstvorstellungen voran. Die Ausstellung bestand aus Collagen, Vorträgen, Gedichten, Fotomontagen und alltäglichen Gegenständen.
Mit vielen Aussprüchen, wie z.B. „Die Kunst ist tot – Es lebe die neue Maschinenkunst“ oder „Dilettanten erhebt Euch gegen die Kunst!“, waren die zwei Ausstellungsräume bestückt. Eine Militäruniform mit Schweinemaske hing in der Mitte eines Raumes von der Decke. Der Hass gegenüber dem Militär stach deutlich hervor. Weiterhin wurde bei jener Ausstellung Grosz Mappe Gott mit uns, welche sich gegen die Armee und den Kapitalismus richtete, von der Polizei beschlagnahmt. Er wurde wegen Beleidigung angeklagt und erhielt eine Geldstrafe. In seiner Autobiographie Ein kleines Ja und ein großes Nein schrieb George Grosz reflektierend „Meine Kunst jedenfalls sollte Gewehr sein und Säbel.“.
Im selben Jahr trat er ebenso mit Heartfield im politischen Kabarett Schall und Rauch im Keller des Reinhardt-Theaters auf. Aufgrund seines Beitritts in die Kommunistische Partei (1918) arbeitete er in der folgenden Zeit für kommunistische Periodika, wie z.B. Die Pleite, Der blutige Ernst, Der Knüppel und die rote Fahne.
Um seinen amerikanischen Traum zu leben, siedelte er 1933 nach New York über. Dort ließen seine antimilitärischen Aktivitäten eher nach. Zu Anfang hatte er Schwierigkeiten sich als Künstler in Amerika zu etablieren, doch es folgten einige Ausstellungen. Mit diesem Aufenthalt werden meist die Aquarelle der Stockmänner in Verbindung gebracht. Grosz selbst meint: „Wenn auch mein amerikanischer Traum 'ne Seifenblase war, schön geschillert hat 'se doch.“. Nach 26 Jahren kehrte er nach Berlin zurück und verstarb kurz darauf am 6. Juli 1959 in Berlin.
George Grosz war ein nachdenklicher Individualist und aktiver Dadaist. Trotz seiner pessimistischen Grundeinstellung hat er bedeutende Werke im 20. Jahrhundert erschaffen.

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