Unterstützen Sie die Tabula Rasa mit einer Spende, wir würden uns freuen: Schreiben Sie eine Mail an: dr.stefangross@web.de
| Erschienen in Ausgabe: No 55 (9/2010) | Letzte Änderung: 12. November '11 |
Das Bedürfnis in einer intakten Partnerschaft zu leben, wird heute
öffentlich thematisiert wie nie. Im world wide web wimmelt es von
Partnerbörsen, die dem modernen Partnersuchenden auf möglichst
rationale Art und Weise aus dem Dilemma des Singledaseins zu einem
ungetrübten Beziehungshappyend verhelfen sollen.
Um die Motivation für die selbst nach vielen Rückschlägen
systematisierte Suche zu erklären, scheint es zunächst sinnvoll
einen Exkurs in die moderne Motivationspsychologie zu wagen und die
Theorie von Abraham H. Maslow heranzuziehen. Seiner Ansicht nach ist
davon auszugehen, dass die menschlichen Bedürfnisse, welche die
Motivation für jegliches Verhalten, also auch für die Partnersuche,
darstellen, in einer bestimmten und angeborenen Reihenfolge
befriedigt werden müssen. Als erstes kommen die biologischen
Bedürfnisse, die eher existentieller Art sind, hierzu zählt die
Zeugung von Nachkommen, aber schon als zweites kommt das Bedürfnis
nach Sicherheit, Stabilität und Geborgenheit. Hier findet man einen
wesentlichen Zusammenhang, da Sicherheit, Risikoteilung im täglichen
Leben und Unterstützung durch den Partner wesentliche und viel
gewünschte Vorteile einer Partnerschaft darstellen und gleichzeitig
primitivste Grundbedürfnisse des Menschen befriedigen. Auch alle
weiteren Grundbedürfnisse des Menschen, wie Bindung, Selbstwert oder auch kognitive- und ästhetische Bedürfnisse
bis hin zur Selbstverwirklichung, lassen sich mit dem Eingehen einer
Partnerschaft in Verbindung bringen.
Die Partnerbörse vermittelt hier als formale Organisation, die die
Wünsche und Ressourcen einzelner Individuen, die Partnersuchenden
also, bündelt und im Sinne einer beiderseitigen
Interessenbefriedigung kanalsiert. Dabei entsteht zwangsläufig eine
aus der Organisationstheorie bekannte und durch die
individualistische Sozialtheorie von James Coleman unterlegte
sogenannte Delegationsbeziehung, denn der Partnersuchende delegiert
bestimmte Informationen an eine Institution mit dem Ziel einer
maximalen Bedürfnisbefriedigung. Im Rahmen dieser entstehen immer
die Positionen von Agent und Principal, wobei der Partnersuchende der
Principal ist, der die Partnervermittlung als Agent einsetzt. Die
ursprünglich, meist zufällige und durch das Gefühl des sich
Verliebens induzierte Entstehung einer Partnerschaft wird
rationalisiert und professionalisiert, mit dem Wunsch aller Principal
Agentbeziehungen möglichst schnell ans ersehnte Ziel zu kommen.
Problematisch wird die Beziehung, ähnlich wie die eventuell daraus
resultierende Paarbeziehung, nur, wenn die Interessen des Principals
durch den Agenten mangelhaft befriedigt werden. Schlimmstenfalls
kommt es also nicht zur gewünschten oder zu einer unglücklichen
Partnerschaft, wobei daraus entstehende emotionale Folgen, zum
Beispiel Enttäuschung, Beziehungsfrust oder Liebeskummer, einseitig
vom Auftrageber verarbeitet werden müssen. Die Weitergabe von
möglichst vielen Informationen sowohl über einen selbst als auch
über den gewünschten Partner, dient dem Aspekt der
Risikominimierung.
Generell versucht der Prinzipal Anreize zu schaffen, die den Agenten
dazu veranlassen, gemäß seinen Wünschen möglichst effektiv zu
handeln. Innerhalb der Partnerbörsen spielen insbesondere monetäre
Anreize in Form von Aufnahme- oder Vermittlungsgebühren eine Rolle.
Dabei regiert die weitverbreitete und oft gescheiterte Grundannahme,
je mehr man bezahlt, desto positiver ist das Ergebnis. Nicht gefeit
ist der Principal auch durch Moral Hazard, einer
Informationsasymmetrie zu seinen Lasten.
Dies ist dann der Fall, wenn der Agent Informationen nur mangelhaft
oder verfälscht weiterleitet und somit das gewünschte Ergebnis
nicht erzielt wird, da die vermittelten Partner ihre Bedürfnisse
nicht in dem von ihnen ersehnten Rahmen erfüllt sehen.
Als Fazit bleibt: Die Beziehung fürs Leben zu finden, ist sowohl auf
die „althergebrachte“ Art und Weise als auch mittels
professioneller Unterstützung ein schwieriges Unterfangen und läßt
sich wohl kaum auf eine rein rationale Ebene delegieren. Viele
Faktoren spielen eine Rolle, ob zwei Menschen harmonieren und es
scheint angebracht, eine gewisse Gelassenheit zu entwickeln, spontan
zu sein und dem Motto „Liebe auf den ersten Blick“ treu zu
bleiben.
>> Kommentar zu diesem Artikel schreiben. <<
Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte hier an.