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| Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe | Letzte Änderung: 03. September '09 |
von Stefan Groß
Nach dem überraschenden Rückzug des thüringischen
Ministerpräsidenten Dieter Althaus, der möglicherweise damit einer Großen
Koalition mit der schwachen SPD nicht im Wege stehen wollte, ist das Spiel um
seine Nachfolge entbrannt. Gute Chancen Althaus zu beerben, haben Christine Lieberknecht, Birgit Diezel und Mike
Mohring.
Lieberknecht zählt nicht nur zu den Urgesteinen der
Thüringer CDU, sie war als Kulturministerin auch maßgeblich am Sturz des
damaligen Ministerpräsidenten Josef Duchac beteiligt. Als Pastorentochter aus
der DDR studierte sie selbst evangelische Theologie, trat 1981 in die CDU ein,
arbeitete als Pfarrerin im Kirchenkreis Weimar. Politisches Aufsehen erregte
sie, als sie am 10. September 1989 zu den vier Unterzeichnern des „Briefes aus
Weimar“ zählte, der sich an den Parteivorstand der CDU in der DDR richtete.
Gefordert wurde die Aufkündigung des Bündnisses mit der SED. Unter Lothar de
Maizìere wurde sie 1989 in den Parteivorstand der CDU gewählt, von 1990-1992
war sie Thüringer Kultusministerin, später Ministerin für Bundes- und
Europaangelegenheiten und von 1994 bis 1999 Thüringer Ministerin für Bundesangelegenheiten
in der Staatskanzlei. In den Jahren 1999-2004 fungierte sie als Präsidentin des
Thüringer Landtags, 2008 wurde sie Ministerin für Soziales, Familie und
Gesundheit.
Nicht nur parteiintern hat Lieberknecht den Ruf der „Königsmörderin“,
sie gilt auch als konfliktscheue Kronprinzessin, die bei schwierigen Fragen erst
einmal abwartet. Mit diesem ihrem zurückgezogenen Führungsstil ist sie bislang
aber nicht schlecht gefahren. Spätestens nach dem schweren Skiunfall des
Ministerpräsidenten galt sie als mögliche und favorisierte Nachfolgerin. Nunmehr
könnte sie die erste starke Frau in Thüringen werden. Für eine mögliche
Nachfolge spricht auch, daß sie – im Unterschied zu ihren Parteigenossen – ein gutes
Verhältnis zu Christoph Matschie hat, denn beide studierten Theologie,
opponierten gegen die SED, handelten als Fraktionschefs miteinander Kompromisse
aus. Diese Nähe zum SPD Herausforderer wird bei den kommenden Verhandlungen
sicherlich von Vorteil sein. Die Zeit wird dabei knapp. Denn spätestens 30 Tage
nach der Landtagswahl muß sich ein neuer Landtag konstituiert haben, und dann
muß auch feststehen, wer mit wem koaliert.
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