Unterstützen Sie die Tabula Rasa mit einer Spende, wir würden uns freuen: Schreiben Sie eine Mail an: dr.stefangross@web.de
| Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe | Letzte Änderung: 23. Januar '09 |
von Pressestelle Klassik Stiftung Weimar
Ab
Dienstag, 27. Januar 2009, sind fünf Gemälde des Malers
Otto Modersohn aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen zu Gast im
Weimarer Schlossmuseum.
Bis zur Fertigstellung ihrer umfangreichen Bauarbeiten schickt die
Kusthalle
Bremen über 200 Meisterwerke aus ihrem Bestand auf Reisen. Diese
bereichern und
ergänzen als »Noble Gäste« für ca. zwei Jahre die Sammlungen von 21
Museen in
ganz Deutschland.
Das
Schlossmuseum Weimar konzentriert sich in seiner Auswahl
aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen auf den Maler Otto Modersohn
(1865-1943) und zeigt mit
fünf Gemälden den Vertreter der Worpsweder Künstlerkolonie, der
innerhalb
dieses Sammlungsschwerpunkts besonders umfassend repräsentiert ist. Die
Beispiele seines Schaffens, die im Schlossmuseum in unmittelbarer
Nachbarschaft
zu den Landschaftsbildern der Weimarer Malerschule zu sehen sind,
spiegeln
Modersohns Faszination für die Natur wider. Ein Beispiel hierfür ist
das
Gemälde »Blick auf die Worpsweder Kirche« (um 1895), das markanteste
Bauwerk
des Ortes, das auf dem Weyerberg liegt, einer einzelnen Erhöhung in der
sonst
flachen Landschaft. Doch obwohl Modersohn das Gotteshaus ins Zentrum
seiner Bildkomposition
rückt, stellt er es nicht herausgehoben dar, sondern fügt es im
Hintergrund
harmonisch in die Umgebung ein. Im Gegensatz zu diesem naturalistischen
Motiv enthält
das Gemälde »Worpsweder Bauernmädchen unter einem Weidenbaum« (1895),
ein
rätselhaftes Element, das dieses Bild wie die Illustration eines
literarischen Stoffs,
eines Märchens, wirken lässt. Denn die Natur in der Gestalt der Bäume
ist überdimensioniert,
übernatürlich und entwickelt ein bewegtes Eigenleben. Die Situation und
besondere
Haltung des dargestellten Mädchens lässt sich ebenfalls nicht
entschlüsseln, es
gibt kein nachvollziehbares Motiv für seine Anwesenheit an diesem Ort.
Sie
wirkt fremd. Demgegenüber erweist sich »Herbst im Moor« (1895) wiederum
als
naturalistische Umsetzung der Landschaft, gerade wenn man die
Wiedergabe der
charakteristischen Birken in beiden Werken vergleicht. Das Moor und die
Versuche seiner Urbarmachung sind im Gemälde in einer geschickten
Bildkomposition aus zwei Teilen gegeben, die sowohl die
jahreszeitlichen Veränderungen
der Landschaft als auch deren Weite eindrucksvoll deutlich machen. Die
Schönheit
dieser Natur ist ersichtlich, aber die Bäuerin mit ihrem Karren und die
allein
weidende Ziege gegenüber den Moortümpeln, den Bäumen und dem
unendlichen Himmel
zeigen auch die Gewalt in dieser Schönheit, die für die Menschen im 19.
Jahrhundert einen täglichen Überlebenskampf bedeutet. Modersohn
fasziniert das
Sublime der Natur und der typischen Worpsweder Landschaft. Dies belegt
auch das
Vergleichsbeispiel »Mondaufgang im Moor« (1897) aus dem Besitz der
Klassik
Stiftung Weimar.
Otto
Modersohn wird am 22. Februar 1865 in Soest (Westfalen)
geboren. Ab 1884 beginnt er ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf
und
wechselt 1888 zur Kunstakademie Karlsruhe. Im Juli 1889 trifft er mit
den Künstlern Fritz Mackensen und
Hans am Ende in Worpswede zusammen, wo sie die Künstlerkolonie
Worpswede gründen.
Durch Mackensen entstand sehr viel später eine Verbindung zwischen
Worpswede
und Weimar, nachdem dieser zunächst Lehrer, anschließend von von 1910
-1918
Direktor der Großherzoglichen Sächsischen Kunstschule in Weimar wurde.
1899
verlässt Modersohn die Künstlervereinigung. Ein Jahr nach dem Tod
seiner ersten
Frau, Helene Schröder, heiratet er die Malerin Paula Becker. Nach einer
vorübergehender
Trennung kehren sie 1907 nach Worpswede zurück, wo im selben Jahr ihre
Tochter
Mathilde geboren wird. Paula Modersohn-Becker stirbt kurz nach der
Geburt ihrer Tochter an einer
Embolie. 1908 zieht Modersohn ins benachbarte Fischerhude und heiratet
1909
seine dritte Frau, Louise Breling, mit der er zwei Söhne hat. Im
Gegensatz zu
den Bildern von Paula Modersohn-Becker werden die Werke Otto Modersohns
aufgrund
ihres Heimatbezugs von den Nationalsozialisten geschätzt. 1937 ist er
auf der
ersten Großen Deutschen Kunstausstellung im Münchner Haus der Deutschen
Kunst vertreten.
1940 erhält er die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. 1942,
ein Jahr
vor seinem Tod, wird er zum Professor ernannt.
Eine
Ausstellung in Kooperation mit der Kunsthalle Bremen.
Weitere
Presse-Informationen zu den »Noblen Gästen« sowie
zum geplanten Um- und Erweiterungsbau der Kunsthalle Bremen finden Sie
unter
unter www.kunsthalle-bremen.de/front_content.php?idart=452
Ausstellungsdaten
»Noble Gäste«
Meisterwerke der Kunsthalle Bremen im Schlossmuseum Weimar
Schlossmuseum Weimar (zweites Obergeschoss)
Burgplatz 4 | 99423 Weimar
Öffnungszeiten: Di-So 10-16 Uhr
Preise: Erw. 5 Euro / erm. 4 Euro
Kinder und Jugendliche bis zum 16. Lebensjahr haben freien
Eintritt
Katalog
Noble
Gäste. Meisterwerke der Kunsthalle Bremen in 21 deutschen Museen
Hachmannedition,
Broschur gebunden, ca. 208 Seiten mit ca. 200 farbigen Abb., 30 x 24
cm,
24,- EUR (2009)
Hrsg.:
Wulf Herzogenrath, Ingmar Lähnemann
Grußwort:
Georg Abbeg, Wulf Herzogenrath, Ingmar Lähnemann, Vorwort: Wulf Herzogenrath, Autoren: Andreas Kreul, Ingmar Lähnemann, et al.
Der
Katalog erscheint voraussichtlich im Februar 2009
>> Kommentar zu diesem Artikel schreiben. <<
Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte hier an.