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| Erschienen in Ausgabe: No 46 (12/2009) | Letzte Änderung: 07. Dezember '09 |
Monika Gräfin Metternich hat ein „Lob des Sonntags“ geschrieben
von Constantin Graf von Hoensbroech
In Berlin sollten die Geschäfte an den vier
Adventssonntagen sowie an sechs weiteren Sonn- und Feiertagen geöffnet werden.
Das Berliner Ladenöffnungsgesetz ist das liberalste in Deutschland. Dagegen
haben die Kirchen Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht - und
teilweise Recht bekommen. Natürlich sollen und müssen die acht Richter des
Ersten Senats, der über die Klage zu befinden hatte, in ihrer Entscheidung
unabhängig sein. Gleichwohl sei nicht nur ihnen die Lektüre zum „Lob des
Sonntags“ empfohlen. Ein Buch, das in der seit Jahren wogenden Debatte über die
Sonntagskultur einen besonderen Akzent setzt.
„Gäbe es den Sonntag nicht, man müsste ihn
erfinden“, steht etwas plakativ auf der Rückseite des lesenswerten Buches, in
dem die Religionspädagogin und Journalistin Monika Gräfin Metternich dem Sinn
des Sonntags und seinen kulturellen Wurzeln nachspürt. Dabei macht die Autorin
gleich zu Beginn deutlich, auf welcher Seite der Debatte sie über den Tag
steht, der schon immer von wirtschaftlichen und politischen Interessen bedroht
war. „Erwarten Sie kein Expertentum und keine Objektivität“, warnt die Mutter
von fünf Kindern im Vorwort. Ihre Position ist klar: „Der Sonntag hat seine
Wurzeln im Kult, der Sonntag ist das Geschenk der Christen an die Welt.“ Wie
sie das meint, beschreibt Metternich in zwei Teilen.
Zunächst widmet sie sich in sehr persönlichen
Worten und mit teilweise wunderbaren Sprachbildern ihren eigenen
Sonntagserfahrungen und -prägungen, die sie als Kind und Jugendliche in einem
wohlbehüteten Elternhaus erfahren durfte. Mit dem sonnabendlichen Glockenläuten
wurde damals nicht nur der Sonntag, sondern auch die Badezeit eingeläutet,
„denn am Sonntag sollten nicht nur Haus und Hof blitzsauber sein, sondern auch
die Menschen“. Metternich berichtet vom Anlegen der Sonntagskleidung, vom
Kirchenbesuch, vom Spiel und von der Gemeinschaft in der Familie. Es sind
leichte, amüsante und sehr warmherzige Beschreibungen, die die Autorin den
Lesern vorstellt und dabei doch auch immer wieder einen bemerkenswerten Bezug
zur eigenen familiären sowie der allgemein aktuellen Gegenwart herstellt. „Der
für eine Gesellschaft unersetzliche praktische Grundvollzug von Gemeinschaft
wird (...) nur möglich, weil manche Menschen sonntags beidem entsagen (...).“
Metternich vertritt indes keineswegs einen
Absolutheitsanspruch, wie ihn manche Vertreter ökonomischer Sichtweisen sowie
freier Marktwirtschaft mitunter beanspruchen. Schließlich hat die Autorin
buchstäblich am eigenen Leibe erfahren, wie segensreich Sonntagsarbeit sein
kann, als sie seinerzeit an einem Sonntag in einer Klinik zur Welt gekommen
ist. Und mit ihren Darstellungen der Sonntagsarbeit einer Krankenschwester
sowie einer Bäckereiverkäuferin zeigt sie ebenfalls deutlich, wie segensreich
einerseits und für manchen eben auch existentiell notwendig andererseits die
Arbeit am Sonntag sein kann und ist.
Ihr Plädoyer für einen Sonntag, der für möglichst
viele Menschen ein freier Tag bleiben sollte, breitet Metternich im zweiten
Teil ihres Buches aus. Sie stellt dar, warum der Sonntag Kult statt Event ist,
warum Weihrauch eben vor Toast und Honig kommt, und welche religiösen und kulturellen
Wurzeln es sind, die den Sonntag zu einem „Tag mit Ewigkeitscharakter“ machen.
Die Autorin arbeitet in ebenso dichter wie dennoch leicht verständlicher Weise
die gemeinsamen Wurzeln der christlichen (Sonntags)Kultur aus dem Judentum
heraus und betont den Sabbat als den Tag, an dem „alle gemeinsam teilhaben am
Glück des geschenkten Tages“.
Um das ganz praktisch und anschaulich zu
illustrieren, entwirft Metternich ein höchst lebendiges Bild des
„weltanschaulichen Getümmels“ in Israel, vor dessen Folie dann Jesus Christus
in die Öffentlichkeit tritt. Wesentliche Kapitel von Jesu Lebensgeschichte
erzählt Metternich nach, und weil sie als Religionspädagogin die notwendige
wissenschaftliche sowie als Journalistin die entsprechende sprachliche
Qualifikation vereint, mag diese Darstellung eines der herausragendsten und
eingängigsten Kapitel des Buches sein – etwas ärgerlich nur, dass das
Manuskript an manchen Stellen einem offenbar sehr nachlässigem Korrektorat
unterzogen worden ist.
Gleichwohl macht die bildreiche und unterhaltsame
Lektüre das Buch eben auch für die dem Christlichen kritisch oder ahnungslos
gegenüberstehenden Leser so ungemein unterhaltend. Das gilt übrigens auch für
die weiteren Darstellungen, in denen Metternich den weiteren Fortgang und die Entwicklungen
rund um den Sonntag durch die Jahrhunderte bis zum heutigen Tage beleuchtet.
Dabei bereichert sie ihren Text durch sehr geschickt plazierte Anleihen und
Zitate verschiedenster Denker, Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler –
ein kurzes Personenregister sowie ein Quellenverweis wären ein befriedigenderer
Anhang als nur die knappe Übersicht über die verwendete Fachliteratur. Darüber
hinaus erinnert die Autorin an eine Reihe von bekannten und weniger bekannten
Bräuchen und Gepflogenheiten, Traditionen und liebgewonnene Riten, die Teil
einer über Jahrhunderte gewachsenen Sonntagskultur sind.
Drastisch schildert Metternich die letztlich
gescheiterten Versuche der Französischen Revolution sowie des russischen
Revolutionskalenders, der christlichen Glaubenspraxis den Boden zu entziehen.
Das Gegenmodell ist eben seit 1 700 Jahren bis heute gültig, der von den
christlichen Sonntagen geprägte Jahreslauf mit dem Ostersonntag als „Sonntag
aller Sonntage“ als Höhepunkt. Ob das so bleibt? „Alle Versuche, den Sonntag
abzuschaffen, sind bisher gescheitert. Die Bewahrung des Sonntags hängt aber
von denen ab, die ihn feiern“, stellt Metternich am Ende ihrer Ausführungen
fest. Eine deutliche Aufforderung nicht nur an die Vertreter der Amtskirche,
sondern vielmehr an jeden einzelnen Christen, sich seiner Verantwortung für die
Wahrung des Sonntags als Tag des Herrn einzusetzen.
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