Unterstützen Sie die Tabula Rasa mit einer Spende, wir würden uns freuen: Schreiben Sie eine Mail an: dr.stefangross@web.de
| Erschienen in Ausgabe: No 45 (11/2009) | Letzte Änderung: 20. Maerz '10 |
von Helmut Lorscheid
Wer
kennt es nicht, das Tacheles in Berlin? Bunt und schrill steht das 1907
errichtete ehemalige Kaufhaus an der Oranienburger Straße. Eine Trutzburg der
alternativen Kunstszene – ein wichtiger Ort für künstlerische Experimente und
seit Jahren ein international begehrter Ausstellung- und Arbeitsort. Als
Produktionsort für zeitgenössische Kunst beherbergt Tacheles 31 Ateliers.
Hunderte Künstler aller Sparten aus dem In- und vor allem aus dem Ausland,
haben in den vergangenen 19 Jahren im Tacheles gearbeitet und auf den rund
eintausend Quadratmeter Galeriefläche ausgestellt. Der weltweite künstlerische
Austausch ist eines der Markenzeichen des Tacheles e.V. der das Kunsthaus
betreibt.
Diesem
Kunsthaus droht nun das Aus. Denn Besitzer ist eine zur Fundus-Gruppe gehörende
Firma. Wie viele andere Firmen im Besitz der Familie Jagdfeld, geriet auch die
Tacheles betreffende Firma in finanzielle Schieflage. Zur Gruppe gehören auch
die Nobelhotels Adlon und Heiligendamm, 2007 Herberge des G8-Gipfels. Anno
August Jagdfeld ließ sich im Sommer 2009 für den Weiterbetrieb des Grandhotels,
von der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern eine Bürgschaft über vier
Millionen Euro gewähren. (Die Tacheles Macher haben weitere Beispiele
recherchiert und in einem „Schwarzbuch Fundus“ zusammengefasst.)
Infolge schwer durchschaubarer Finanztransaktionen geriet die Immobilie
„Tacheles“ unter Zwangsverwaltung und dabei ausgerechnet in die Fänge der HSH
Nordbank. Irgendwann steht eine Zwangsversteigerung bevor. In diesem Fall
wollen die Tacheles-Betreiber selbst mit bieten. Dafür benötigen sie 3,58
Millionen Euro, denn so hoch taxierte ein Wertgutachten das teil sanierte
Gebäude samt 1253
Quadratmeter großem Grundstück. Trotz einer in erster
Instanz stattgegebenen Räumungsklage gegen den Tacheles e.V., den Betreiber des
Kunsthauses, gehen die Verhandlungen mit dem Zwangsverwalter weiter.
"Die
Kunst geht weiter" ist nicht nur der Titel der aktuellen Ausstellung,
sondern auch das Motto des Kunsthauses Tacheles. Und das nicht nur vor Ort,
sondern auch international. So fand im September im Palace of Arts, der
Nationalgalerie in Minsk / Weißrussland, unter dem Titel "Dach 9"
eine große Ausstellung statt, die von Alexandr Rodin und der Belarusian Union
of Artists in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Tacheles und dort tätigen
Künstlern organisiert wurde. Die Kuratorin der Neuen Galerie im Tacheles,
Barbara Fragogna, bereitet für November 2009 ein großes Projekt unter dem Namen
"Italian ReStyle" vor. Bei diesem sparten übergreifenden Festival
zeigen italienische Künstler Arbeiten, die sich mit der gegenwärtigen Lage in
Italien auseinandersetzen.
Auch sonst blicken die Aktivisten des Tacheles hoffnungsfroh in ihre ungewisse Zukunft. Der Förderverein "Initiative zur Erhaltung des Kunsthauses Tacheles e.V." verkauft symbolische „Tacheles Anleihen“ – wobei keine Rendite – sondern lediglich die bei Spenden an gemeinnützige Vereine gewährte Steuerabzugsfähigkeit garantiert ist. Kontakt: Kunsthaus Tacheles e.V. Oranienburger Str. 54-56a 10117 Berlin www.tacheles.de Email: office@tacheles.de
>> Kommentar zu diesem Artikel schreiben. <<
Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte hier an.