Drucken -

Die aktuelle Juli-Ausgabe 2016 ist da!

Anzeige
Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe Letzte Änderung: 23.12.09

Sammelband beleuchtet Nietzsches Einfluss auf die Literatur der klassischen Moderne

von Saskia Helin

In einem umfangreichen Sammelband beleuchtet PD Dr. Thorsten Valk, Leiter des Referats Forschung und Bildung der Klassik Stiftung Weimar, die Literatur der klassischen Moderne und deren Verflechtung mit jenen kulturtheoretischen, gesellschaftskritischen sowie epochendiagnostischen Diskursen, die Nietzsche angestoßen und radikalisiert hat. Sechzehn Beiträge analysieren Nietzsches Einfluss auf Schriftsteller wie Hugo von Hofmannsthal, Stefan George, Georg Trakl, Franz Kafka, Thomas Mann, Robert Musil, Hermann Broch, Gerhart Hauptmann und Gottfried Benn. Vergleichende Ausblicke beschäftigen sich zudem mit der Nietzsche-Rezeption in Frankreich.
Friedrich Nietzsche hat zahlreiche Schriftsteller der klassischen Moderne fasziniert. Insbesondere die visionären Aufbruchsappelle seiner späten philosophischen Schriften sind von vielen Künstlern begeistert aufgenommen worden. Während die frühe Nietzsche-Rezeption von enthusiastischen Huldigungen, mitunter jedoch auch von scharfen Attacken geprägt ist, finden sich in den Jahren nach 1900 häufig vermittelnde Stellungnahmen. Zu den prominentesten Vertretern einer kritisch distanzierten Anerkennung gehört Thomas Mann, der sich schon früh gegen Nietzsches Vitalismus wendet, zugleich aber die psychologische Hellsichtigkeit des Philosophen würdigt.
Die Villa Silberblick in Weimar, in der Elisabeth Förster-Nietzsche das philosophische Vermächtnis ihres Bruders verwaltete, avancierte um 1900 zu einer Begegnungsstätte für Künstler aus dem In- und Ausland. Viele bekannte Schriftsteller wie Stefan George, Hugo von Hofmannsthal, Gerhart Hauptmann und Thomas Mann verkehrten in dem von Henry van de Velde als Gesamtkunstwerk eingerichteten Haus. 1899 besuchte auch Richard Strauss das Nietzsche-Archiv, nachdem er bereits einige Jahre zuvor seine symphonische Tondichtung »Also sprach Zarathustra« an die Hausherrin gesandt hatte. Harry Graf Kessler profilierte das Archiv in den Jahren nach 1900 als Stätte der künstlerischen Avantgarde, konnte aber nicht verhindern, dass es auf Betreiben von Elisabeth Förster-Nietzsche zunehmend in nationalkonservatives, schließlich in nationalsozialistisches Fahrwasser geriet.

Bibliographische Daten
Friedrich Nietzsche und die Literatur der klassischen Moderne
Hrsg. von Thorsten Valk
Gebundene Ausgabe, Euro [D] 99,95
De Gruyter, Berlin 2009
ISBN 978-3-11-021302-7

>> Kommentar zu diesem Artikel schreiben. <<

Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte hier an.

Neueste Artikel ▲

Meist gelesene ▼

  •  
  • Anzeige
  •  
  • Anzeige
  •  
  •  
  •  
Zum Seitenanfang zurück