Unterstützen Sie die Tabula Rasa mit einer Spende, wir würden uns freuen: Schreiben Sie eine Mail an: dr.stefangross@web.de
| Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe | Letzte Änderung: 23. Dezember '09 |
von Saskia Helin
In einem umfangreichen Sammelband beleuchtet PD Dr. Thorsten Valk, Leiter des
Referats Forschung und Bildung der Klassik Stiftung Weimar, die Literatur der
klassischen Moderne und deren Verflechtung mit jenen kulturtheoretischen,
gesellschaftskritischen sowie epochendiagnostischen Diskursen, die Nietzsche
angestoßen und radikalisiert hat. Sechzehn Beiträge analysieren Nietzsches
Einfluss auf Schriftsteller wie Hugo von Hofmannsthal, Stefan George, Georg
Trakl, Franz Kafka, Thomas Mann, Robert Musil, Hermann Broch, Gerhart Hauptmann
und Gottfried Benn. Vergleichende Ausblicke beschäftigen sich zudem mit der
Nietzsche-Rezeption in Frankreich.
Friedrich Nietzsche hat zahlreiche Schriftsteller der klassischen Moderne
fasziniert. Insbesondere die visionären Aufbruchsappelle seiner späten
philosophischen Schriften sind von vielen Künstlern begeistert aufgenommen
worden. Während die frühe Nietzsche-Rezeption von enthusiastischen Huldigungen,
mitunter jedoch auch von scharfen Attacken geprägt ist, finden sich in den
Jahren nach 1900 häufig vermittelnde Stellungnahmen. Zu den prominentesten
Vertretern einer kritisch distanzierten Anerkennung gehört Thomas Mann, der
sich schon früh gegen Nietzsches Vitalismus wendet, zugleich aber die
psychologische Hellsichtigkeit des Philosophen würdigt.
Die Villa Silberblick in Weimar, in der Elisabeth Förster-Nietzsche das
philosophische Vermächtnis ihres Bruders verwaltete, avancierte um 1900 zu
einer Begegnungsstätte für Künstler aus dem In- und Ausland. Viele bekannte
Schriftsteller wie Stefan George, Hugo von Hofmannsthal, Gerhart Hauptmann und
Thomas Mann verkehrten in dem von Henry van de Velde als Gesamtkunstwerk
eingerichteten Haus. 1899 besuchte auch Richard Strauss das Nietzsche-Archiv,
nachdem er bereits einige Jahre zuvor seine symphonische Tondichtung »Also
sprach Zarathustra« an die Hausherrin gesandt hatte. Harry Graf Kessler
profilierte das Archiv in den Jahren nach 1900 als Stätte der künstlerischen
Avantgarde, konnte aber nicht verhindern, dass es auf Betreiben von Elisabeth
Förster-Nietzsche zunehmend in nationalkonservatives, schließlich in
nationalsozialistisches Fahrwasser geriet.
Bibliographische Daten
Friedrich Nietzsche und die Literatur der klassischen Moderne
Hrsg. von Thorsten Valk
Gebundene Ausgabe, Euro [D] 99,95
De Gruyter, Berlin 2009
ISBN 978-3-11-021302-7
>> Kommentar zu diesem Artikel schreiben. <<
Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte hier an.