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| Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe | Letzte Änderung: 07. Februar '10 |
Der Arbeitskreis Engagierter Katholiken (AEK) in der CDU begrüßt die Einladung der Parteivorsitzenden, Bundeskanzlerin Angela Merkel, und führender CDU-Politiker zum offenen inhaltlichen Dialog in der Union um das Profil der Union. Gerne greifen wir die Einladung der Parteivorsitzenden auf, sich aktiv an der Profildebatte der Union zu beteiligen. Wir tun das als engagierte CDU-Mitglieder, aus christlicher Überzeugung und auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre.
von Martin Lohmann
1. Wir begrüßen die Bemühungen des
CDU-Bundesvorstands zur weiteren inhaltlichen Profilierung der Partei. Bei
diesem Versuch wurde aber die Frage nach der C-Identität der Partei bisher nur
unzureichend aufgegriffen. Nach den seit Jahren sinkenden Wahlergebnissen für
die Union in Bund und Ländern sowie aktuell bei der Bundestagswahl bleibt der
Bedarf einer selbstkritischen Bilanz. Wir bedauern, dass der Mut zu einer
ungeschminkten, systematischen Analyse dieser, für unsere große Volkspartei auf
Dauer bedrohliche Entwicklung, bisher nicht aufgebracht wurde. Offensichtlich
werden bisher die Parteibasis und die Mitgliedervertretungen der CDU in der
Breite nicht hinreichend berücksichtigt. Der angekündigte Dialog zwischen
Parteiführung und Basis zur zukünftigen inhaltlichen Ausrichtung der Union hat
bisher kaum stattgefunden und ist doch überfällig. Der AEK wird sich daran
gerne beteiligen und geht davon aus, als engagierte, neue Basisbewegung auch in
der Parteispitze Gehör zu finden.
2. Die Abwanderung vieler Stammwähler, die massenhafte Wahlenthaltung (über 33
% der Wähler) und zahlreiche Parteiaustritte deuten auf eine zunehmende
Verunsicherung, Entfremdung und Enttäuschung hin. Dieser Vertrauensverlust ist
nicht durch verstärkten Pragmatismus oder allein durch die Beschwörung früherer
oder künftiger Erfolge und Modernisierungsappelle zu kompensieren. Auch eine
nur statistisch-empirische Betrachtungsweise greift zu kurz. Die vom
Parteivorstand bestellten demoskopischen Experten erfassen vor allem
Quantitäten und bedienen eine formal-technokratische
Betrachtungsweise. Wir regen an, stärker die qualitativen Wertfragen in den
Blick zu nehmen. Es gilt, die angestauten Krisen in Partei, Gesellschaft und
Wirtschaft vor allem in ihrer geistig-moralischen und religiösen Dimension
wahrzunehmen. Eine geistig-politische " Wende" sollte nicht primär
vom liberalen Koalitionspartner eingefordert werden.
3. Von den C-Parteien erwarten wir als Christen eine stärkere
Konzentration auf ihre christlichen Voraussetzungen, auf ihre ethischen
Grundlagen. Erst von diesen Bindekräften her ist es möglich, die verschiedenen
Richtungen und Gruppen in einer Union zu integrieren. Ihre Identität und
Integrationskraft erhält die Union seit jeher aus ihrem christlichen Erbe und
nicht aus einer breiten und schwammigen, nur soziologisch verstandenen
„bürgerlichen Mitte“. Damit sich die konservativen, liberalen und
sozialpolitischen Strömungen in der Union nicht verselbständigen, bedürfen sie
der Rückbindung an einen christlichen Kern. Dieser bildet das Einheitsprinzip
der Union, die sonst zu einem reinen Interessenkonglomerat degeneriert.
4. Innerhalb einer stark individualisierten, pluralisierten
und säkularisierten Gesellschaft kann man sich fragen, wo denn das „C“ in
seiner öffentlichen Bedeutung geblieben sei. Das ist eine Frage, die sich
besonders an die christlichen Kirchen richtet. Deren Bedeutungsmangel in der
gesellschaftlichen Wertvermittlung kann nicht durch eine C-Partei behoben
werden, die von diesem Mangel besonders betroffen ist. Wie sich die
Volkskirchen tendenziell zu Bekenntniskirchen reduzieren, scheint auch die CDU
ihren Charakter als Volkspartei wesentlich dramatischer einzubüßen. Dennoch
bleibt festzuhalten, dass die Zahl der Kirchenaustritte bei beiden Konfessionen
weit hinter der Zahl der Nichtwähler liegt. Während die Kirchen zusammen
immerhin noch über 50 Millionen Mitglieder haben, liegt die Zahl der CDU-Wähler
nur noch bei inzwischen 11.9 Mio. Viele sind inzwischen zu anderen Parteien
oder ins Nichtwählerlager übergegangen. Der Optimismus der CDU-Führung, als
einzige Volkspartei übrig geblieben zu sein, könnte sich auch von daher als
trügerisch erweisen.
5. Aber war „das Christliche“ in der Partei jemals
mehrheitsfähig? Die Beantwortung dieser Frage setzt eine Klärung des
„Christlichen“ voraus. Damit war nie gemeint, dass die Partei als verlängerter
Arm der Kirchen deren Glaubensdogmatik in Politik zu übersetzen hat. So etwas
würde gerade heute und zu Recht den Vorwurf des Fundamentalismus auf sich
ziehen. Vielmehr hat sich die CDU von Anfang an auf jene gar nicht exklusiven
„christlichen“ Werte und Normen bezogen, die sich auch vernünftig begründen,
also prinzipiell verallgemeinern lassen. Auf dieser Normenlogik beruht auch das
Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Dessen ursprüngliche Intentionen
hinsichtlich der naturrechtlichen Bestimmungen der Menschenwürde, der
Menschenrechte und der vorstaatlichen Institutionen von Ehe und Familie sollten
mindestens den programmatischen Kern der CDU/CSU ausmachen.
6. Wir erwarten von einer „christlichen“ Partei, dass sie
sich wenigstens als verfassungstreue Partei argumentativ und explizit für jene
christlichen Werte einsetzt, die prinzipiell universalisierbar sind. Dies
unterbleibt seit längerem, indem nur noch formelhaft, ohne inhaltliche
Beschreibung im politischen Alltag das "C" reklamiert wird. Dazu
gehören vor allem die Menschenwürde als Grundlage des Menschenrechts auf Leben,
das auch den Ungeborenen und den Schwerkranken zukommt, die Institution der Ehe
zwischen einem Mann und einer Frau – sowie die auf der Ehe gründende Familie,
deren Rechte vor dem Staat angesiedelt sind. Gleichgeschlechtliche Verbindungen
sind beispielsweise aus christlicher Perspektive weder als förderungsbedürftig
noch als förderungswürdig anzuerkennen. Die sozialpolitisch-rechtliche
Förderung dieser Verbindungen geht auf Kosten der klassischen Familien. Und die
zunehmende Verstaatlichung der Familien sowie der Kindererziehung sind typische
Anzeichen einer grundgesetzwidrigen, die Eltern und Bürger entmündigenden und
bevormundenden Entwicklung. Eine Gleichstellung gleichgeschlechtlicher
Gemeinschaften mit der dem Staat vorgelagerten Institution der Ehe, z.B. durch
Adoptionsrechte, wie dies die FDP fordert, wäre wegen der Unvergleichbarkeit
eine Diffamierung der Ehe. Der AEK wendet sich gegen jede Diffamierung, erst
recht gegen die von Ehe und Familie, die das tragende Fundament auch der
Zukunft des Sozialstaates bilden.
7. Wir fordern von der CDU mehr Selbstkritik und weniger
Selbstlob. Wie steht sie zur Tradition ihres eigenen Programms und zum
ursprünglichen Werteverständnis des Grundgesetzes? Wie geht sie mit denen um,
die gerade aus diesen Gründen die Partei verlassen haben und sich Gedanken
machen über eine Neugründung? Worin unterscheidet sich die CDU/CSU von
alternativen Parteien, in denen ja auch engagierte Christen organisiert sind?
Die Partei muss alarmiert zur Kenntnis nehmen, daß ihr gerade die
praktizierenden Christen, die treuesten ihrer Stammwähler, immer mehr
abhandenkommen. Ziel der Partei darf nicht bloß die Mehrheitsfähigkeit oder die
politische Macht sein, denn diese wird nur erreicht, wenn wir bestimmte
Wertüberzeugungen plausibel machen und offensiv vertreten. Mit der bloßen
Sammlung materieller Interessen ist es nicht getan.
8. Die C-Parteien müssen ihre traditionellen Prioritäten
deutlich machen. Sie sollten ihre Akzente auf langfristige Lösungen und
Alternativen, nicht nur auf „Perspektiven 2010-2013“ setzen. Wir wenden uns
gegen einen kurzatmigen Pragmatismus, der die vielen Probleme nicht anspricht
und nicht löst, sondern vor sich herschiebt. Zum Beispiel ist die
beklagenswerte demographische Entwicklung, die „Kinderarmut“, die wir nicht nur
als Armut von Kindern und Eltern, sondern vor allem als Mangel an Kindern
wahrnehmen, auch als Ergebnis des mangelhaften Lebensschutzes zu kritisieren:
Uns fehlen gerade die Millionen Kinder, die wir „rechtswidrig, aber straffrei“
haben abtreiben lassen. An dieser historischen Tragödie haben sich auch die
C-Parteien beteiligt. Hier gilt es endlich politisch umzusteuern und deutliche
Signale dafür zu setzen, dass sich der Staat nicht auch noch seinerseits sogar
finanziell am Abtreibungsgeschehen beteiligt.
9. Erschwerend hinzu kommt die dramatische Verschuldung des
Staates, die durchaus auch etwas mit moralischer Schuld durch eine
substantielle Gefährdung des Generationenvertrages zu tun hat. Unter diesen
Umständen ist die Gerechtigkeit zwischen den Generationen nur schwer vorstellbar.
Die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen gerade bei der jüngeren Generation
zurückgewinnen, setzt eine Rückbesinnung auf die grundsätzlichen Ordnungsfragen
voraus, wie sie vor allem in der Katholischen Soziallehre angegangen werden.
10. Die Vorschläge der „Berliner Erklärung“ zur Bewältigung
der Finanz- und Wirtschaftskrise bleiben allzu vage und teilweise
widersprüchlich. Eine schuldenfinanzierte Wachstumspolitik ist kaum vereinbar
mit der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, wenn diese nicht auch ihre
Ausgaben reduzieren, also sparen. An die Bereitschaft, in schwierigen Zeiten
Opfer zu bringen, kann man nur dann appellieren, wenn den Bürgern und
potentiellen CDU-Wählern der Ernst der Lage ehrlich und deutlich mitgeteilt
wird. Und wenn ihnen die sittlichen Verpflichtungen, die aus den Zehn Geboten
erwachsen, als allgemeine Maßstäbe vorgetragen werden, an denen sich die
C-Parteien selber zu halten haben. Die Zehn Gebote für Politiker (siehe www.aek-online.de)
empfehlen wir allen in unserer Partei, die verhindern wollen, dass das „C“ im
Parteinamen zu einer wirkungslosen, weil nur äußerlichen Dekoration verkommt.
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