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| Erschienen in Ausgabe: No. 9 (3/1995) | Letzte Änderung: 23. Januar '09 |
Kommentar zu F. Stäudners Hume-Artikeln in den letzten beiden Ausgaben der Tabula rasa
von Diego Compagna
Dieser Beitrag versteht sich als kritische Stellungnahme auf den Artikel
"Metaphysischer Nachschlag" von Frank Stäudner, der in der Aprilausgabe
(1995) von "Tabula Rasa" vorzufinden ist. Da es sich um einen 'Nachschlag'
handelt, wird der ursprüngliche Artikel, auf den sich der Nachschlag
bezieht: nämlich "Die Metaphysik David Humes" (vom gleichen Verfasser in
der Januarausgabe der T.R. veröffentlicht) ebenfalls zur Rede stehen.
Sehr knapp zusammengefaßt, wird im "Nachschlag" [1] versucht, dank empirischer Befunde der Neurobiologie
und Hirnforschung Humes ']natürlichen Glauben' plausibler zu
machen, indem aufgezeigt wird, daß es ein empirisch nachzuweisendes
kausales Verhältnis zwischen 'Natur' und 'Denken' gibt. Dieses
Verhältnis wird als ein Bedingendes dargestellt. Der 'natürliche
Glaube' soll mit Inhalt gefüllt werden, indem gezeigt wird, daß
zumindest andeutungsweise gesagt werden kann, wo der Ursprung dieses 'Glaubens'
angesiedelt werden könnte. Bezüglich des Ursprungs schreibt Herr
Stäudner: "Was wir brauchen sind empirische Belege dafür, daß
äußere Einflüsse unser Erkenntnisvermögen, unsere
Kategorien der Weltwahrnehmung mitgestalten." [1] Der 'natürliche
Glaube' Humes wird dabei als 'metaphysisches Konzept bzw. Konstruktion'
verstanden, als eine gegebene Grundvoraussetzung, die Erkenntnis
ermöglicht. [2] "Damit hat Hume den Argumenten der Kausalanalyse die
Spitze genommen. Die Frage nach der Rationalität der induktiven,
empirischen Vorgehensweise ist eine unsinnige Frage." [3]
Meine Bedenken bezüglich der im "Nachschlag" vorgenommenen Argumentation
sind rein methodischer Art und kommen weitgehend ohne eine weitere Darstellung
der dort angeführten Beispiele und Schlußfolgerungen aus. Meine
Frage lautet: Inwiefern kann mit empirischen Befunden der 'natürliche
Glaube' Humes gestützt werden?
Die Argumentation ist bekannt, zumindest für den einigermaßen
Humebelesenen: Die Kenntnis von Kausalität, die der Mensch zu haben
glaubt, kann nach Hume nur von der Erfahrung herrühren: "Kein Gegenstand
enthüllt jemals durch seine sinnfälligen Eigenschaften die Ursachen,
die ihn hervorgebracht haben, oder die Wirkungen, die aus ihm entstehen werden;
auch kann unser Denken ohne Unterstützung durch die Erfahrung nie auf das
wirkliche Dasein und auf Tatsachen schließen." [4] Ob nun auf
Kausalität tatsächlich Verlaß ist bzw. diese in der Welt
tatsächlich vorliegt, hängt davon ab, ob die Zukunft der
Vergangenheit entsprechen wird. Eben diese letzte Voraussetzung bleibt dem
Menschen jedoch vorenthalten, denn um das mit Sicherheit aussagen zu
können, müßte zunächst das Gesetz der Kausalität mit
Gewißheit ausgesagt werden können. Offenbar dreht man/frau sich hier
im Kreis. [5] So gesehen erscheint es äußerst fragwürdig, ob
mit empirischen Ergebnissen der Neurobiologie, die eben auf dem Prinzip der
Kausalität beruhen, ein Humescher Begriff untermauert werden kann.
Es kommt hier jedoch eine Grunddifferenz zum Vorschein, die das
Verständnis von Humes 'natürlichen Glauben' betrifft. Herr
Stäudner geht davon aus, daß der 'natürliche Glaube' als
"metaphysisches Konzept" [6] Humes zu verstehen sei. Dieses einmal für
wahr gehalten, wird meine Kritik überflüssig, aber auch Humes
Untersuchungen bezüglich des Ursache-Wirkung-Verhältnisses werden der
Spitzfindigkeit überführt, und es bleibt allein zu fragen, was von
seiner Philosophie übrig bleibt. Wir müssen uns also nochmals an
Humes Philosophie wagen, um ausfindig zu machen, wie Hume den
'natürlichen Glauben' verstanden hat bzw. welchen Stellenwert der
'natürliche Glaube' innerhalb der Humeschen Philosophie insgesamt
besitzt.
Der Titel meiner Stellungnahme verrät schon, welche 'Verständnisart'
hier vertreten wird. Der 'natürliche Glaube' Humes wird als
pragmatisch bedingte Stütze eingeführt und auch begründet, und
nicht als 'metaphysisches Konzept bzw. Konstruktion'. Wie aber läßt
sich diese Behauptung rechtfertigen? Ich will im Folgenden drei Schritte
unternehmen, die aufzeigen sollen, daß Humes Einführung des
natürlichen Glaubens keineswegs die tiefgreifenden Zweifel am
Prinzip der Kausalität beseitigt und damit die Heranführung von
empirischen Befunden (die ja die Gültigkeit des Gesetzes der
Kausalität voraussetzen) ungeeignet erscheint, um, ganz gleich welche,
Humesche Begriffe zu untermauern.
1. Hume versteht sich durch und durch als Empirist. Auch er unternimmt,
ähnlich wie Locke, eine aufwendige Beweisführung, die anschaulich und
durchaus plausibel erläutert, daß jegliche Erkenntnis lediglich in
der 'sinnlichen' Erfahrung ihren Ursprung hat. Ebenso müßte es sich
mit der Kenntnis von Kausalität verhalten (auch das wird von Hume
ausführlich erläutert und begründet [7]). Humes entscheidender
Ertrag ist jedoch gerade die Feststellung, daß es sich hier nicht um eine
beweis- und begründbare Kenntnis, sondern bestenfalls um einen
unerschütterlichen Glauben handelt. Die Folgen des dadurch
aufkommenden Skeptizismus sind äußerst tiefreichend und
bemerkenswerterweise ist ein großer Unterschied zwischen der 'Reaktion'
des frühen Hume und der des späten zu vermerken. "Vergleicht man das
Schlußkapitel des ersten Buches des Treatise mit jenem der
Enquiry, so ist der Unterschied eklatant: Dort der grenzenlos
Zweifelnde, der immer deutlicher die Existenz unbegründbarer, aber
lebensnotwendiger Glaubensinhalte zugestehen muß, und hier der vom
Fundament sicherer Überzeugungen aus Urteilende." [8] Im Treatise
hatte Hume den Glauben an die Gleichförmigkeit des Naturverlaufs, an die
Existenz der Außenwelt und an das Ich als ein Produkt der blinden
Einbildungskraft interpretieren müssen. "Weil dieser Glaube jedoch
zugleich lebensnotwendig ist, vermochte er die blinde Einbildungskraft, die
zugleich der Ursprung so großen Übels ist (Vorurteile, Aberglaube,
Schwärmerei), nicht mehr als 'irreführendes Geistesvermögen'
abzutun." [9] So war es ihm aber gleichzeitig nicht gelungen,
'wahrheitsfördernde' Philosophie vom 'verderblichen' Aberglauben etc.
abzugrenzen. Dem konsequent 'wahrheitssuchenden' Philosophen blieb nur die
Möglichkeit eines radikalen Skeptizismus, welcher sowohl dem
'alltäglichen' Leben als auch dem Menschen nützlichen
Wissenschaftsbestrebungen widersprach: "Der ernsthafte Dauerskeptiker
müßte wirklich auf alle Urteile verzichten." [10]
2. Die Folge dieser Erkenntnis (des Induktionsproblems, so wie es sich Hume
stellte) müßte also ein radikaler Skeptizismus sein (Pyrrhonismus);
und an dieser Stelle schlage ich vor, Humes Gedankengang und Auseinandersetzung
mit dem zu Tage kommenden radikalen Skeptizismus in der Enquiry
näher zu betrachten. Aus dieser Auseinandersetzung, (dies meine - und
natürlich nicht nur meine - These) entsteht unweigerlich die Konsequenz
der Voraussetzung eines 'natürlichen Glaubens'. Der Grund
dieser Notwendigkeit ist dabei ein rein pragmatischer.
"Zunächst einmal läßt sich in der Enquiry kein
Abrücken von den pyrrhonistischen Argumenten erkennen. So ist das
Induktionsproblem mit aller Schärfe formuliert, und im Schlußkapitel
kommt Hume nochmals auf seine Substanzanalyse zu sprechen und wiederholt jene
skeptischen Einwände, die er nicht zu lösen vermag [...]". [11] Zwar
vertrauen wir den Sinnen, aber schon ein wenig Philosophie reicht aus, um uns
klar vor Augen zu führen, daß wir bloß über Bilder der
Außenwelt verfügen und nicht wissen können, ob diese von
Ereignissen der Außenwelt verursacht werden oder nicht. "Aber können
die pyrrhonistischen Argumente auch nicht widerlegt werden, so vermögen
sie - und das wird von Hume in der Enquiry mit Nachdruck betont - in
entscheidender Hinsicht auch nicht überzeugen. Der Pyrrhonismus kann
nämlich nicht gelebt werden: [...]". [12] Humes eigentliches Bestreben
in der Enquiry war es, diesem Paradoxon zu entkommen. Das Problem des
'skeptischen Paradoxon' stellte sich ihm folgendermaßen dar: "Eine
rational schlüssige Argumentation ist nicht widerlegbar, kann aber dennoch
nicht überzeugen." [13] Hume stellt immer wieder fest, daß wir im
alltäglichen Leben ständig dem Gesetz der Kausalität und vor
allem dem Induktionsgesetz vertrauen, ohne uns auch vor Augen führen zu
müssen, daß wir es tun. Genauso offensichtlich ist die Tatsache,
daß weder Mensch noch Tier überleben könnten, wenn sie es damit
nicht so selbstverständlich handhaben würden. Humes durchaus
pragmatische Frage lautet dementsprechend gegen Ende der Enquiry:
"[...] wieweit lassen sich diese philosophischen Prinzipien des Zweifels und
der Unbestimmbarkeit treiben?" [14]
Bereits im Treatise stellt Hume "ausdrücklich fest, daß er
es für ganz unmöglich hält, daß jemand ernsthaft und
kontinuierlich ein Vertreter der radikalen Skepsis ist. Es kann demnach zwar
jemand dauernd Skeptiker sein, dann ist er es aber nicht ernsthaft; oder aber
er ist es ernsthaft, dann ist er es aber nur gelegentlich." [15]
Dennoch gelang ihm die weiter oben angedeutete 'Versöhnung' zwischen
Philosophie bzw. Erkenntniskritik und alltäglichem
(natürlich-menschlichem) Leben nicht. Einerseits stand fest, "daß
der Selbsterhaltungstrieb radikale Skepsis unmöglich [...]" [16] macht,
andererseits hatte sich deutlich gezeigt, daß Kausalität und
Induktion lediglich auf einem nicht begründbaren Glauben beruhen. "Der
Autor der Enquiry [...] ist an erkenntnistheoretischen Problemen als
solchen kaum noch interessiert; was den reifen Hume allerdings eminent
interessierte, war die Frage, wie Philosophie und common life
zusammenstimmen könnten und der Philosoph dem exzessiven Zweifel entkommen
könnte." [17]
3. Der 'natürliche Glaube' muß als pragmatisch bedingter
'Lösungsvorschlag' angesehen werden. Die Form dieses Vorschlags würde
ich als die folgende beschreiben: Damit dem Menschen angesichts der nicht
behebbaren Zweifel an der Gültigkeit des Kausalitätsprinzips und der
Unmöglichkeit, dieses Prinzip hinreichend zu begründen, die
Möglichkeit eingeräumt wird, weiterhin zu handeln, also
Entscheidungen zu treffen etc., muß ein solcher von der Natur
vorgegebener Glaube an die Gültigkeit des hier thematisierten Prinzips
angenommen werden. Es ging Hume um eine 'Genese' zwischen Skeptizismus und dem
alltäglichen Selbstverständnis eines jeden handelnden und sich
entscheidenden Menschen und nicht um eine 'Auflösung' des Skeptizismus
durch den 'natürlichen Glauben' als ein 'metaphysisches Konzept':
"Wenn unser gewöhnliches Weltbewußtsein nicht nur im Sinne des
Selbstverständlichen natürlich, sondern selber einfach ein Stück
Natur ist, wenn Meinungen über die Welt zu haben ein ähnlich
natürlicher Vorgang ist wie zu atmen, sich zu bewegen und sich zu
ernähren, dann ist es für einen Erforscher der menschlichen Natur
nicht nur sinnvoll, sondern die einzig mögliche Frage, nach der Genese
statt nach einer Rechtfertigung unseres Glaubens an die Realität der
Außenwelt zu fragen." [18]
Hume rückt bis zuletzt in der Enquiry vom Skeptizismus nicht ab.
Was ihn aber so unheimlich 'modern' macht, ist die Einsicht, daß rein
philosophische Probleme oft zu Ergebnissen geführt haben (und
führen), die sich mit dem 'alltäglichen' Leben nicht vereinbaren
lassen. So ist es ihm ja selbst gegangen, und seine Konsequenz läuft nicht
darauf hinaus, den philosophischen 'Ertrag' seiner Untersuchungen mit Hilfe
einer 'metaphysischen Konstruktion' den menschlichen Bedürfnissen und
Befindlichkeiten in der Welt, der 'conditio humana' sozusagen, anzupassen, um
ein erträgliches Maß an Kompatibilität zwischen Philosophie und
schlichtem Leben zu erreichen. Statt dessen kommt er vom Glauben ab, daß
eine solche Kompatibilität möglich sei: "Die Auseinandersetzung mit
der Skepsis beendet seinen ursprünglichen Glauben an die unbedingte
Gewißheit und vollständige Begründbarkeit empirischer Forschung
und entfernt sein Denken zugleich von der dogmatischen Grundtendenz des
klassischen Empirismus in Richtung auf eine pragmatische Begründung der
Geltung von Erfahrung: Nicht die Vernunft beweist die Gewißheit
von Erfahrungsurteilen, sondern das Leben im Sinne des unausweichlichen Zwangs
zum Handeln zeigt die Notwendigkeit des Für-wahr-Haltens (belief)
solcher Urteile auf." [19] Indem er diesen Anspruch (die Gewißheit von
Erfahrungsurteilen mit der 'Vernunft' zu beweisen) als nicht mehr haltbar
ansieht, kann er auf der einen Seite die Philosophie aufrechterhalten, auf der
anderen Seite gerät er aber mit der 'conditio humana' nicht in einen
unauflöslichen Konflikt. Wissenschaft und Forschung bleiben jedoch den
skeptischen Zweifeln ausgesetzt und erfahren ihre Rechtfertigung lediglich
von einem pragmatischen Standpunkt aus. Damit ist die äußerst
moderne und sinnvolle Frage Nietzsches: 'Wie weit darf Wissenschaft wachsen?'
von philosophischer Seite aus bereits von Hume treffend legitimiert worden!
(Eine Frage nämlich, die allein mit Mitteln der Vernunft zu beantworten
wäre.)
Noch ein letzter Hinweis; Hume schreibt: "Es scheint [...] evident, daß
die Menschen, wenn sie diesem blinden und mächtigen Naturinstinkt
folgen, stets annehmen, die ihnen durch die Sinne gegebenen Bilder seien die
äußeren Dinge, und sie schöpfen keinen Verdacht, daß die
einen nur Darstellungen der anderen sind." [20] Entscheidend scheint mir hier
zu sein, daß der Naturinstinkt zwar mächtig, aber doch 'blind' ist.
Der Mensch folgt ihm zwar auch blind, aber indem er das tut, bleibt er selbst
'blind'. Um Licht in die eigene Befindlichkeit zu bringen, bedarf es der
philosophischen Reflexion auf diesen 'Naturinstinkt' und dadurch einer
Relativierung (im Sinne eines In-Schranken-Haltens) all jener Folgen und Ziele,
die durch ihn erreicht werden und werden sollen.
Zurück zur ursprünglichen Fragestellung. Es hat sich gezeigt,
daß der eigentliche Gegenstand der Auseinandersetzung die Klärung
von Humes Verständnis vom 'natürlichen Glauben' darstellt.
Sollten meine Ausführungen überzeugen, so wird ersichtlich, daß
sich die Heranführung von empirischen Belegen, die auf Kausalität
beruhen, nicht eignet, um den 'natürlichen Glauben' als
gegeben zu begründen bzw. plausibler werden zu lassen. Laut meiner
Erörterungen des 'natürlichen Glaubens' bei Hume erscheint es
als ein Zirkelschluß, wenn mit empirisch-kausalen Befunden die
Gültigkeit von dem Prinzip zu untermauern versucht wird, was
Kausalität aus skeptisch-philosophischer Sicht erst möglich macht
bzw. notwendiger weise angenommen werden muß, damit
Kausalität möglich sei. Dies letzte wird verständlicher, wenn
man/frau sich vor Augen führt, daß der 'natürliche
Glaube' angenommen werden muß, damit Kausalität als wesentlich
pragmatisches Prinzip als legitim gelten kann. "Bei Hume ist es denn
auch nicht Gott, der uns die Welt sehen läßt, wie sie wirklich ist,
sondern es ist die Natur, die uns zwingt, und zwar bei Strafe eines
Scheiterns im Handeln, bestimmte Meinungen über unsere Umgebung zu
haben." [21] Aber es sind eben doch nur Meinungen!
Humes radikale Kritik, was die Möglichkeit betrifft, Kausalität und
Induktion hinreichend begründen zu können, bleibt bestehen und eben
aus dem Konflikt, der zwischen dieser Einsicht und dem
'alltäglich-menschlichem' Leben entsteht, wird das an der Praxis des
Lebens orientierte Konzept eines 'natürlichen Glaubens' entworfen.
Der 'natürliche Glaube' wird erst dann sinnvoll und notwendig, wenn
die skeptischen Argumente bezüglich der Kausalität etc. ihre
Gültigkeit bewahren. Es erscheint nochmals merkwürdig, mit
empirischen Befunden den 'natürlichen Glauben' zu stützen, wo
er doch nicht genannt werden bräuchte, wenn es das Problem der
Gültigkeit von Kausalität etc. nicht gäbe! Nicht der
'natürliche Glaube' bleibt ein leerer Begriff, wenn auf die Frage,
wie die Natur es zuwege gebracht habe, es 'so einzurichten', keine Antwort
gegeben werden kann [22], sondern die so gestellte Frage scheint 'leer' zu
sein. Es verhält sich ja geradezu umgekehrt: Der 'natürliche
Glaube' Humes erfährt seine Bedeutung und erhält seinen Sinn, da
der Skeptizismus aus Vernunftgründen nicht aufgehoben werden kann. Meinen
Ausführungen zufolge müßte bereits die Ausgangslage des
"Nachschlags" als 'verzerrt' angesehen werden: Der 'natürliche
Glaube' soll nicht das Induktionsproblem aufheben, statt dessen wird der
'natürliche Glaube' aus pragmatischen Gründen notwendig und
deshalb sinnvoll, weil das Induktionsproblem nicht aufhebbar ist.
Mit anderen Worten: Daß wir dem Ursache-Wirkung-Prinzips und dem
Induktionsprinzip vertrauen, daß wir 'instinktiv' an diese Prinzipien
'glauben', ändert nichts an der Tatsache, daß sie anzweifelbar
bleiben, daß wir nicht sagen können, es verhielte sich
tatsächlich und geschweige denn in alle Ewigkeit so. Der
'natürliche Glaube' muß angenommen werden und kann durchaus
als 'menschlich' konstatiert werden; es bleibt aber ein
unbegründeter Glaube, der mit Hilfe der Vernunft in Schranken
gehalten werden kann und soll, jederzeit kritisch reflektiert werden kann und
soll.
[1] Frank Stäudner: Metaphysischer Nachschlag. In: Tabula Rasa. Jenenser
Zeitschrift für kritisches Denken. Nr. 8, April 1995. Jena 1995. S. 17
[2] Vgl.: Frank Stäudner: Die Metaphysik David Humes. In: Tabula Rasa.
Jenenser Zeitschrift für kritisches Denken. Nr. 7, Januar 1995. Jena 1995.
S. 28
[3] a.a.O. S. 26
[4] David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand.
Stuttgart 1982. S.44
[5] Vgl.: "'Kausale Verknüpfung' zweier Ereignisse ist nach Hume eine
bloß subjektive Vorstellung, der keine mögliche Erfahrung
korrespondiert. Zum Inhalt der Erfahrung gehört allenfalls die
regelmäßige Aufeinanderfolge zweier Ereignisse, nicht aber deren
Notwendigkeit. Die Vorstellung einer 'notwendigen' Aufeinanderfolge zweier
Ereignisse, die Vorstellung also ihrer 'ursächlichen' Verknüpfung,
ist dagegen, so meint Hume, eine Zutat des erkennenden Subjekts zur Erfahrung,
die sich nicht rational rechtfertigen, sondern nur psychologisch erklären
läßt. Denn die Vorstellung einer notwendigen, und das heißt
für den am naturwissenschaftlichen Denken geschulten Hume: einer unbedingt
generellen Verknüpfung zweier Ereignisse in der Zeit involviert einen
'induktiven' Schluß von vergangener auf zukünftiger Erfahrung; ein
solcher induktiver Schluß ließe sich aber nur rechtfertigen mit
Hilfe eines Induktionsprinzips, das seinerseits aus der Erfahrung induktiv
erschlossen sein müßte, wodurch ein unauflöslicher Zirkel
entsteht." Albrecht Wellmer: Methodologie als Erkenntnistheorie. Zur
Wissenschaftslehre Karl R. Poppers. Frankfurt am Main. 1967. S. 31f
[6] Frank Stäudner: Die Metaphysik David Humes. S. 26 ff
[7] Vgl.: David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand.
S. 43 ff
[8] Gerhard Streminger: David Hume: sein Leben und sein Werk. Paderborn;
München; Wien; Zürich 1994. S. 315
[9] a.a.O. S. 316
[10] Rudolf Lüthe: David Hume: Historiker und Philosoph. Freiburg;
München 1991. S.46
[11] Gerhard Streminger: David Hume. S. 326
[12] a.a.O. S. 327
[13] Rudolf Lüthe: David Hume. S. 45
[14] David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. S.
188
[15] Rudolf Lüthe: David Hume. S. 46
[16] ebd.
[17] Gerhard Streminger: David Hume. S. 328
[18] Jens Kulenkampff: David Hume. München 1989. S. 49 (Hervorhebung
d.V.)
[19] Rudolf Lüthe: David Hume. S. 53
[20] David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. S. 191
(Hervorhebung d.V.)
[21] Jens Kulenkampff: David Hume. S. 163 (Hervorhebung d.V.)
[22] Vgl.: Frank Stäudner: Metaphysischer Nachschlag. S. 17
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