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Erschienen in Ausgabe: No 52 (6/2010) Letzte Änderung: 31.05.10

Moeller van den Bruck: Ein „geistiger Wegbereiter des Nationalsozialismus“ - Ein kritischer Rückblick zum 85. Todestag

Arthur Moeller van den Bruck (23.4.1876-30.5.1925) war ein deutscher Publizist, der dem völkischen Nationalismus in der Weimarer Republik zugeordnet werden kann. Er gehörte zu den führenden Vertretern der „Konservativen Revolution“ in den 1920er Jahren und gilt als „geistiger Wegbereiter des Nationalsozialismus“.

von Michael Lausberg

Die „Konservative Revolution“ und ihre politischen Vorstellungen
Die geistig-politische Strömung der deutschen Rechten formierte sich nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und dem Zusammenbruch des Kaiserreiches 1918/19 in Abgrenzung zu der als reaktionär verachteten Monarchie und ihrer Repräsentanten sowie der verhassten Demokratie.[1] Die wichtigsten Vertreter der „Konservativen Revolution“ waren Arthur Moeller van den Bruck, Carl Schmitt, Oswald Spengler, Edgar Julius Jung, Hans Freyer, Othmar Spann, Ernst Niekisch, Ernst Jünger und Hans Zehrer. Den Versprechen der Französischen Revolution „Liberté, Egalité, Fraternité“ stellten sie die Hoffnung auf „alte-neue“ Werte entgegen. In seinem Werk „Das Dritte Reich“ führt Moeller van den Bruck aus:[2] „Der Konservative Mensch sucht heute wieder die Stelle, die Anfang ist. Er ist notwendiger Erhalter und Empörer zugleich. Er wirft die Frage auf: was ist erhaltenswert? Aber er sucht auch (...) anzuknüpfen, nicht abzubrechen - wie der revolutionäre Mensch.“ Das Ziel der „Konservativen Revolution“ war nicht der Erhalt der bestehenden oder die Wiederbelebung einer früheren Ordnung, sondern der Sturz der Weimarer Republik, um eine neue Ordnung zu schaffen, die erst dann konserviert werden könne. Moeller van den Bruck sprach davon: „Dinge zu schaffen, die zu erhalten sich lohnen.“[3]
Im Mittelpunkt ihrer politischen Ideologie wird das Politische nicht als demokratischer Gestaltungsraum betrachtet, sondern als ein Raum von schicksalhaftem Wirken höherer Mächte. Die „Entzauberung der Welt“ (Max Weber) durch die Säkularisierung und Rationalisierung zerstöre das vermeintlich Schicksalhafte und Tiefe sowie das Ursprüngliche und das Eigentliche.[4] Die Ideen der „Konservativen Revolution“ waren in wesentlichen Teilen irrational. Ihre Vertreter beriefen sich auf angebliche ewig gültige Normen und Ideale als sinnstiftend für die Gesellschaft. Edgar Julius Jung erläuterte:[5]Konservative Revolution nennen wir die Wiedereinsetzung aller jener elementaren Gesetze und Werte, ohne welche der Mensch den Zusammenhang mit der Natur und mit Gott verliert und keine wahre Ordnung aufbauen kann. An Stelle der Gleichheit tritt die innere Wertigkeit, an Stelle der sozialen Gesinnung der gerechte Einbau in die gestufte Gesellschaft.“
Deshalb solle der Mensch wieder von einer höheren Ordnung wie „Volk“ oder „Nation“ in die Pflicht genommen werden. Nur wenn der Mensch sich einer höheren Idee und einer großen Politik für „Volk“ und „Nation“ unterwerfe, fände er die eigenen Wurzeln und seinen angestammten Platz in der Welt.[6] Die „Konservative Revolution“ lehnte die objektiven Wissenschaften und die universalistischen Grundlagen der Lebensverhältnisse für alle Menschen ab. Liberalismus, Parlamentarismus, Marxismus, Egaliatarismus, und Individualismus ständen der zu schaffenden homogenen völkischen Nation entgegen und müsse daher bekämpft werden. Der Sturz der Weimarer Republik konnte ihrer Ansicht nur durch einen kulturellen Wandel im vorpolitischen Raum erfolgen. Aus diesem Grunde riefen die „Konservativen Revolutionäre“ Diskussionszirkel und eine Medien in Leben, um ihre Gedanken einem breiteren bildungsbürgerlichen Publikum vorzustellen.[7]
Kurt Sontheimer sieht die Bewegung als „intellektuellen Wegbereiter des Nationalsozialismus“.[8] Zeev Sternhell setzt die Konservative Revolution und den deutschen Faschismus gleich:[9] „Die Konservative Revolution, das war der deutsche Faschismus, gleichzeitig entstand hier der Nationalsozialismus. Das liegt an der verhängnisvollen Relevanz der völkischen Definition der Nation.“
Leben und Werk bis 1923
Arthur Moeller van den Bruck wurde am 23.4.1876 in Solingen geboren.[10] Sein Vater war königlich-preußischer Baurat, seine Mutter entstammte einer aus Spanien nach den Niederlanden emigrierten Familie. Dem häufigen Familiennamen Moeller fügte er den Geburtsnamen seiner Mutter, van den Bruck, an. Er verließ vorzeitig das Gymnasium in Düsseldorf und siedelte zunächst nach Erfurt, wo er an der dortigen Universität kunsthistorische Vorlesungen hörte. 1896 siedelte er nach Berlin über und trat dort mit der Literaturszene (M. Dauthendey, R. Dehmel, D. v.Liliencron, R. Steiner, F. Wedekind) in Kontakt.1902 verließ Moeller Berlin und ging nach Paris, um sich dem preußischen Militärdienst zu entziehen. In Frankreich wendete sich Moeller endgültig der Politik zu. 1907 kam er freiwillig ins wilhelminische Deutschland zurück und leistete er seinen Dienst als „Landsturmmann“ und in der „Propagandaabteilung der Obersten Heeresleitung“ ab. Nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger. Bald danach wurde er Mitarbeiter in der Auslandsabteilung der Obersten Heeresleitung und war in dieser Funktion in der Pressestelle des Auswärtigen Amtes tätig.
Moeller schien neben diesen Tätigkeiten noch genügend Zeit für seine publizistischen Ambitionen gefunden haben. In seinem 1916 erscheinenden Werk „Der preußische Stil“ lobte er Bismarck, der einen autoritären Staat mit einer außerordentlichen Führungspersönlichkeit vorgeformt hatte. Preußen sah er als „die größte kolonisatorische Tat des Deutschtums, wie Deutschland die größte politische Tat des Preußentums sein wird.“[11] Diese Abhandlung markierte seine Hinwendung zum Nationalismus. Er sah sich von nun an als Gegner von Parlamentarismus, Liberalismus und Demokratie.
In seiner Schrift Das Recht der jungen Völker“, die 1919 veröffentlicht wurde, vertrat er die „nationalen Interessen“ von Deutschland und Russland als angeblich „junge“ Völker. Er legte damit eine antiwestliche Staatstheorie vor, in der er „Nationalismus“ und „Sozialismus“ miteinander verknüpfte.[12] Durch diese Schriften wurde Moeller van den Bruck zu einem der wichtigsten Theoretiker des „jungkonservativen“ Netzwerkes innerhalb der „Konservativen Revolution“.
Der von Arthur Moeller van den Bruck, Hans Roeseler, Max Hildebert Boehm und Heinrich von Gleichen-Rußwurm in Berlin gegründete „Juni-Klub“ war ein bedeutender Diskussionskreis der „Jungkonservativen“ in der Weimarer Republik.[13] Der „Juni-Klub“ wurde nach dem Monat der Unterzeichnung des Versailler Vertrages im Juni 1919 benannt. In seinem Buch „Ruf der Jungen“ spricht Max Hildebert Boehm sogar von einer im Namen enthaltenen chiffrierten Programmatik. So stehe die Buchstabenfolge für „Juvenum Unio Novum Imperium“. An den Diskussionsrunden des „Juni-Klubs“ nahmen meist um die 120–150 Mitglieder und geladene Gäste teil. Frauen durften an diesen Veranstaltungen nicht teilnehmen. Die Mitglieder kamen insbesondere aus Kreisen Intellektueller und Journalisten, aber auch aus dem Militär, der höheren Beamtenschaft und der Industrie. Der „Juni-Klub“ stellte einen Diskussionszirkel für die gehobenen Klassen dar, eine Art Massenpropaganda war nicht erwünscht.
Durch seine vielen Veröffentlichungen wurde Moeller van den Bruck schnell zur zentralen Figur des „Juni-Klubs“.[14] Publizistisches Organ war die Wochenzeitschrift „Das Gewissen“. 1922 war Adolf Hitler Gast im „Juni-Klub“, Moeller van den Bruck äußerte sich jedoch ablehnend über sein fehlendes intellektuelles Niveau.[15] Der wohl entscheidende Punkt zur Auflösung des „Juni-Klubs“ war ein Nervenzusammenbruch Moeller van den Brucks und sein darauf folgender Freitod im Jahre 1925.
Das Dritte Reich Im Jahre1923 publizierte Moeller van den Bruck sein Hauptwerk „Das Dritte Reich“. Dabei verstand er unter dem „Ersten Reich“ das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“, das „Zweite Reich“ war das von Bismarck gegründete deutsche Kaiserreich. Das zukünftige „Dritte Reich“, was er auch als „Endreich“ bezeichnete, gründete auf den „deutschen Nationalismus“:[16] „Der deutsche Nationalismus ist Streiter für das Endreich. Es ist immer verheißen. Und es wird niemals erfüllt. Es ist das Vollkommene, das nur im Unvollkommenen erreicht wird. (…) Es gibt nur Ein Reich, wie es nur eine Kirche gibt. (…) Der deutsche Nationalismus kämpft für das mögliche Reich. Der deutsche Nationalist dieser Zeit ist als deutscher Mensch immer noch ein Mystiker, aber als politischer Mensch ist er Skeptiker geworden. (…) In dieser sinkenden Welt, die heute die siegreiche ist, sucht er das Deutsche zu retten.“ Der „Reichsgedanke“ ist für Moeller prozesshaft zu verstehen, „im Werdenden, im um uns Entstehenden“.
Durch Möller van den Bruck fand der Begriff „Drittes Reich“ Eingang in das Denken der „Konservativen Revolution“ und die 1920 gegründete NSDAP.
Das „Dritte Reich“ sollte von einer „sozialaristokratischen Regierung“ geführt werden:[17] „(…) diese deutsche Führung sollte sich in der dritten Partei sammeln und sollte als Partei über den Parteien stehen. Nicht in der Konzession an die Mitte konnte ihre Gestaltung liegen, sondern sie musste von den politischen Rändern her und ihrer die Mitte zermürbenden Radikalisierung ausgehen, musste wie der überspringende Funke dort aus dem Hufeisen schlagen, wo sich seine Enden einander nahebiegen! Diese Führerschicht mit einem konservativ-revolutionären Sozialismus verbinden hieß eine neue sozialaristokratische Regierung fordern.“
Moeller van den Bruck forderte die Hinwendung zu einem völkisch nationalen Denken:[18] „Den Älteren hat man gesagt, daß sie kein Vaterland haben. Die Jüngeren sind schon soweit, daß sie aufhorchen, wenn man ihnen von einem Vaterland der Väter spricht, das die Söhne sich erobern müssen, damit es die Enkel besitzen. (…) Es entspringt körperschaftlichen Gesichtspunkten, die schon eher einer heimatmäßigen, erd- und volksverwurzelten und irgendwie nationalen Bindungsempfindung zugänglich machen.“
Sein Werk wurde in Kreisen rechter Intellektueller in der Weimarer Republik als Pflichtlektüre gelesen; 1931 erschien es bereits in dritter Auflage, was für die damaligen Verhältnisse ein außerordentlicher publizistischer Erfolg war.
Zentrale politische Aussagen
Moeller van den Brucks Vorstellungen von einem „deutschen Sozialismus“ leitete sich aus dem mittelalterlichen Reichsgedanken ab.[19] In antidemokratischer Manier reduzierte er die politische Entscheidungsgewalt auf eine kleine Elite, die den „Versailler Schandvertrag“ revidieren sollte. Diese Gedanken waren in Kreisen der deutschen bildungsbürgerlichen Elite nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches anschlussfähig.
Als politischer Gegner dieses völkischen Nationalismus wurden die Ideen der Französischen Revolution, der demokratische Parlamentarismus, der Liberalismus und der aufkommende Marxismus gesehen. Weiß stellte fest:[20] „Moeller und sein Umfeld verstanden sich als Revolutionäre für einen völkischen Nationalismus. Sie entwickelten den Gedanken einer spezifisch deutschen Staatsform, die eine Synthese aus moderner Industriegesellschaft und aristokratischem Obrigkeitsstaat darstellte. Im Mittelpunkt seines Denkens stand das ‚kommende Reich’ und die Zerstörung der Weimarer Republik.“
Moeller van den Brucks Werke enthalten rassistische Überzeugungen, die jedoch keinen zentralen Stellenwert einnehmen.[21] Die Rezeption der rassistischen Ideen Gobineaus innerhalb des Wagner-Kreises fand seine Zustimmung. In seinen Briefen an Richard Dehmel, der in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker galt, im Jahre 1906 gab es Ansätze einer Auseinandersetzung mit modernen Rassentheorien. 1907 unterzeichnete Moeller van den Bruck den Gründungsaufruf des völkischen „Werdandi-Bundes“[22], der sich auf die nordische Schicksalsgöttin Werdandi bezog, gemeinsam mit Houston Stewart Chamberlain und dem deutschen Herausgeber Gobineaus, Ludwig Schemann. In seiner ablehnenden Haltung zu Karl Marx und seinem kommunistischen Gesellschaftsbild zeigte sich ein rigider Antisemitismus:[23] „Aber prophezeien darf nur, wer zu diesen Teilhaftigen gehört und mit dem Wachstum der Dinge, die werden wollen, mit den Menschen, in denen es sich vollzieht, blutlich und geistig eines ist. Marx gehörte nicht zu den Teilhaftigen. Er war als Jude ein Fremder in Europa.“
Moeller van den Brucks politische Vorstellungen wurden stark vom deutschen Idealismus und den philosophischen Schriften Friedrich Nietzsches sowie von den imperialistischen Zielen des Antisemiten Paul de Lagarde geprägt.[24] Seine mystischen Neigungen wurden von dem russischen Schriftsteller Dmitri Mereschkowski befördert.[25] In seinem Ost-West-Dualismus lehnte Mereschkowski die sich im Westen vollzogene Aufklärung ab und schwärmte für einen „Osten“ unter Bezug auf das Alte Testament und mystische Traditionen der ägyptischen Antike. In seinem Werk „Der Anmarsch des Pöbels“ sprach er sich gegen anarchistische und sozialistische Tendenzen im zaristischen Russland aus.[26] Mereschkowskis Nominierung für den Literatur-Nobelpreis soll an seiner öffentlich bekundeten Unterstützung für Adolf Hitler gescheitert sein. Ein weiterer geistiger Mentor für Moeller van den Bruck war Dostojewskij. Er stellte fest:[27] „Dostojewski, erkennen wir, ist der Dichter dieses ganzen Zeitalters. Er ist der Dichter der Weltrevolution, die über die Erde kam. Er hat sich bereits mit den Problemen auseinandergesetzt, die zu den Krisen führten, welche wir erlebten und noch erleben.“
Seine Begeisterung für wichtige Figuren der russischen Literatur wie Dostojewskij oder Meneschkowski führte dazu, dass Moeller van den Bruck eine Ausrichtung Deutschlands hin zur Sowjetunion hin forderte.[28] Dabei ist auszuschließen, dass er in irgendeiner Weise mit der bolschewistischen Revolution sympathisierte. Diesen Ansatz der Anlehnung an Osteuropa übernahm der Nationalsozialist und spätere Gründer der rechten DSU in der BRD, Otto Strasser. Auch der nationalrevolutionäre Publizist und PolitikerErnst Niekisch stand dieser Idee nicht ablehnend gegenüber.
Wirkungsgeschichte nach 1945 Armin Mohler, selbst ein Vertreter der „Konservativen Revolution“ und Vordenker der Neuen Rechten, wies in seinem Werk „Die konservative Revolution in Deutschland 1918 bis 1932“[29] aus dem Jahre 1950 wieder auf den fast in Vergessenheit geratenen Moeller van den Bruck hin. Viele Vertreter der Neuen Rechten beziehen sich auf Gedanken und Strategien der Konservativen Revolution. So schrieb der Verfassungsschutzexperte Armin Pfahl-Traughber:[30] „Die neue Rechte bezieht sich unmittelbar auf die Theoretiker der Konservativen Revolution und kann daher als ihr geistiger Erbe in der Gegenwart bezeichnet werden.“ Das nationalistische und revanchistische „Ostpreußenblatt“ würdigte Moeller van den Bruck im Jahr 2000 in zwei Artikeln. Entgegen der wissenschaftlichen Forschung wurde darin festgestellt:[31] „In Moeller einen Wegbereiter des Nationalsozialismus sehen zu wollen, wäre eine völlige Verkennung des Sachverhalts.“ Moeller van den Brucks antidemokratische Vorstellungen seien sogar eine Option für die Gegenwart:[32] „Die politischen Ereignisse und die daraus folgende weltanschauliche Konditionierung haben uns den Blick für die Gedanken Moellers heute verstellt. Dabei bieten seine Ansichten gerade für uns in unserer gegenwärtigen Situation Perspektiven, die bedenkenswert und sogar richtungweisend sind.“
Die rechte Wochenzeitschrift „Junge Freiheit“ bezieht sich in ihrem Selbstverständnis auf die Ideen der Konservativen Revolution und damit auch auf Moeller van den Bruck. Die Zeitschrift wurde mehrfach in verschiedenen Verfassungsschutzberichten erwähnt. Einer der Gründe für diese Einordnung war, dass seit 1992/93 eine häufige positive Bezugnahme führender Autoren der Jungen Freiheit auf antidemokratische Autoren der „Konservativen Revolution“ beobachtet wurde. Helmut Kellershohn sah die Redakteure der Jungen Freiheit 1994 als „Exponenten einer breiten Strömung im Übergangsfeld zwischen Rechtsextremismus und Rechtskonservatismus“. 2007 konstatierte er, die Junge Freiheit versuche durch Themenwahl und Themenbeschreibung bisher als „konservativ“ geltende politische Positionen allmählich in Richtung eines „völkischen Nationalismus“ zu verschieben und diesen als konservative Normalität auszugeben.[33]Armin Pfahl-Traughber beschreibt die Junge Freiheit seit 1999 als Bestandteil der Neuen Rechten, die er als intellektuellen, heterogenen Teil der extremen Rechten einordnet. Sie strebe eine „Erosion der Abgrenzung“ zwischen demokratisch-konservativen, rechtsradikalen und rechtsextremen Positionen an, die rechtsextreme Positionen aufwerte, sie bekannter mache und so objektiv dazu beitrage, „Konzeptionen einer populistischen Stimmungsdemokratie mit einem starken Mann an der Spitze durchzusetzen“.[34]
Seit 1993 führte die Junge Freiheit jährlich ein mehrtägiges Seminar durch, welches sie als „Sommeruniversität“ bezeichnete. In den Jahren 1993 und 1994 fanden diese in Zusammenarbeit mit der Burschenschaft Danubia München, der Freiheitlichen Studenteninitiative Innsbruck und dem Edgar-Jung-Institut statt und sollten als „Kristallisationspunkt“ der Lesekreise und der Zusammenführung der „Lesekreisleiter“ dienen. In ihrer Selbstdarstellung lehnten sie sich bewusst an die antidemokratische Strömung des historischen Juni-Klubs von Moeller van den Bruck und seiner „jungkonservativen“ Freunde an:[35] „Nach dem Vorbild des Politischen Kollegs der zwanziger Jahre bieten Repräsentanten verschiedener konservativer Richtungen Material für künftige Führungskräfte in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.“
1993 warb die Junge Freiheit Abonnenten mit dem Slogan „Jedes Abo eine konservative Revolution“.

Literatur
- Breuer, S.: Anatomie der Konservativen Revolution, Darmstadt 1993
- Cremet, J./Krebs, F./Speit, A.: Jenseits des Nationalismus. Ideologische Grenzgänger der „Neuen Rechten“- Ein Zwischenbericht, Hamburg/Münster 1999
- Das Ostpreußenblatt/Landsmannschaft Ostpreußen e.V. vom 27.5.2000
- Das Ostpreußenblatt/Landsmannschaft Ostpreußen e.V. vom 3.6.2000
- Jung, E.J.: Deutschland und die konservative Revolution, Berlin 1932
- Kellershohn, H.: Volk, Staat und Nation, in: Braun, S, Voigt, U. (Hrsg.): Die Wochenzeitung ‚Junge Freiheit’, Wiesbaden 2007
- Lehnert, H./Wessel, E.: Nihilismus der Menschenfreundlichkeit. Thomas Manns „Wandlung“ und sein Essay Goethe und Tolstoi, Frankfurt/M. 1991
- Maaß, S.: Kämpfer um ein drittes Reich. Arthur Moeller van den Bruck und sein Kreis, Kiel 2010
- Mereschkowski, D.: Der Anmarsch des Pöbels, München/Leipzig 1907
- Mohler, A.: Die konservative Revolution in Deutschland 1918 bis 1932, 6.Auflage, Graz 2005
- Parr, R.: Der „Werdandi-Bund“, in: Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871-1918., München 1996
- Petzold, J.: Wegbereiter des deutschen Faschismus. Die Jungkonservativen in der Weimarer Republik, Köln 1978
- Petzinna, B.: Erziehung zum Deutschen Lebensstil. Ursprung und Entwicklung des jungkonservativen „Ring“-Kreises 1918–1933, Berlin 2000
- Pfahl-Traughber, A.: Konservative Revolution und Neue Rechte. Rechtsextremistische Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat, Opladen 1998
- Pfahl-Traughber, A.: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik, 3. Auflage, München2001
- Ranger, T.: Geistesgeschichte der Weimarer Republik, München 1992
- Schwarz, H. (Hrsg.): Arthur Moeller van den Bruck: Der preußische Stil, 3. Auflage, Breslau 1931
- Schwarz, H. (Hrsg.) Arthur Moeller van den Bruck: Rechenschaft über Rußland, Berlin 1933
- Schwierskott, H.-J.: Arthur Moeller van den Bruck und der revolutionäre Nationalismus in der Weimarer Republik, Göttingen 1962
- Sontheimer, K.: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik, München 1962
- Stern, F.: Kulturpessimismus als politische Gefahr. Eine Analyse nationaler Ideologie in Deutschland. Stuttgart 2005
- Weiß, V.: Thomas Mann, Dmitri Meneschkowski und Arthur Moeller van den Bruck im Kampf gegen „den Westen“, in: Kauffmann, H./Kellershohn, H./Paul, J. (Hrsg.): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt – Analyse rechter Ideologie, Münster 2005, S. 90-122

[1] Cremet, J./Krebs, F./Speit, A.: Jenseits des Nationalismus. Ideologische Grenzgänger der „Neuen Rechten“-Ein Zwischenbericht, Hamburg/Münster 1999, S. 22f
[2] Zitiert nach Breuer, S.: Anatomie der Konservativen Revolution, Darmstadt 1993, S, 14
[3] Zitiert nach Ebd.
[4] Cremet/Krebs/Speit, Jenseits des Nationalismus. Ideologische Grenzgänger der „Neuen Rechten“-Ein Zwischenbericht, a.a.O., S. 23
[5] Jung, E.J.: Deutschland und die konservative Revolution, Berlin 1932, S. 380
[6] Cremet/Krebs/Speit, Jenseits des Nationalismus. Ideologische Grenzgänger der „Neuen Rechten“-Ein Zwischenbericht, a.a.O., S. 23
[7] Petzold, J.: Wegbereiter des deutschen Faschismus. Die Jungkonservativen in der Weimarer Republik, Köln 1978, S. 273f
[8] Sontheimer, K.: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik, München 1962, S. 279ff
[9] Zitiert aus Ranger, T.: Geistesgeschichte der Weimarer Republik, München 1992, S. 67
[10] Maaß, S.: Kämpfer um ein drittes Reich. Arthur Moeller van den Bruck und sein Kreis, Kiel 2010 , S. 12ff
[11] Schwarz, H. (Hrsg.): Arthur Moeller van den Bruck: Der preußische Stil, 3. Auflage, Breslau 1931
[12] Breuer, Anatomie der Konservativen Revolution, a.a.O., S. 79
[13] Petzinna, B.: Erziehung zum Deutschen Lebensstil. Ursprung und Entwicklung des jungkonservativen „Ring“-Kreises 1918–1933, Berlin 2000, S: 16
[14] Weiß, V.: Thomas Mann, Dmitri Meneschkowski und Arthur Moeller van den Bruck im Kampf gegen „den Westen“, in: Kauffmann, H./Kellershohn, H./Paul, J. (Hrsg.): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt – Analyse rechter Ideologie, Münster 2005, S. 90-122, hier S. 90
[15] Petzinna, Erziehung zum Deutschen Lebensstil. Ursprung und Entwicklung des jungkonservativen „Ring“-Kreises 1918–1933, a.a.O., S. 79
[16] Schwarz, Arthur Moeller van den Bruck: Das Dritte Reich, a.a.O., S. 244f
[17] Ebd., S. 13
[18] Ebd., S. 125
[19] Schwierskott, H.-J.: Arthur Moeller van den Bruck und der revolutionäre Nationalismus in der Weimarer Republik, Göttingen 1962, S. 182ff
[20] Weiß, V.: Thomas Mann, Dmitri Meneschkowski und Arthur Moeller van den Bruck im Kampf gegen „den Westen“, in: Kauffmann, H./Kellershohn, H./Paul, J. (Hrsg.): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt – Analyse rechter Ideologie, Münster 2005, S. 90-122, hier S. 107
[21] Ebd., S. 91
[22] In dem Aufruf hieß es: „Nur dann vermag die todkranke deutsche Kunst zu gesunden, wenn die harte Germanenfaust aus völkischen Empfindungswuchten mythisch-mächtige Walkürenwolken gestaltet und aus düsterem deutschem Gestein Rolandstatuen edlerer Begrifflichkeiten ahnungsvoll und sagenfreudig erzeugt.“ Zitiert aus Parr, R.: Der „Werdandi-Bund“, in: Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871-1918., München 1996.,S. 316-327, hier S. 322
[23] Schwarz, Arthur Moeller van den Bruck: Das Dritte Reich, a.a.O., S. 38
[24] Weiß, Thomas Mann, Dmitri Meneschkowski und Arthur Moeller van den Bruck im Kampf gegen „den Westen“, in: Kauffmann/Kellershohn/Paul, Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt – Analyse rechter Ideologie, a.a.O., S. 98
[25] Lehnert, H./Wessel, E.: Nihilismus der Menschenfreundlichkeit. Thomas Manns „Wandlung“ und sein Essay Goethe und Tolstoi, Frankfurt/M. 1991, S. 61
[26] Mereschkowski, D.: Der Anmarsch des Pöbels, München/Leipzig 1907
[27] Schwarz, H. (Hrsg.) Arthur Moeller van den Bruck: Rechenschaft über Rußland, Berlin 1933, S. 45
[28] Weiß, Thomas Mann, Dmitri Meneschkowski und Arthur Moeller van den Bruck im Kampf gegen „den Westen“, in: Kauffmann/Kellershohn/Paul, Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt – Analyse rechter Ideologie, a.a.O., S. 104
[29] Mohler, A.: Die konservative Revolution in Deutschland 1918 bis 1932, 6.Auflage, Graz 2005
[30] Pfahl-Traughber, A.: Konservative Revolution und Neue Rechte. Rechtsextremistische Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat, Opladen 1998, S.13
[31] Das Ostpreußenblatt/Landsmannschaft Ostpreußen e.V. vom 27.5.2000
[32] Das Ostpreußenblatt/Landsmannschaft Ostpreußen e.V. vom 3.6.2000
[33] Kellershohn, H.: Volk, Staat und Nation, in: Braun, S, Voigt, U. (Hrsg.): Die Wochenzeitung 'Junge Freiheit' , Wiesbaden 2007, S. 120f
[34] Pfahl-Traughber, A.: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik, 3. Auflage, München 2001, S. 46f
[35] Zitiert aus: Stern, F.: Kulturpessimismus als politische Gefahr. Eine Analyse nationaler Ideologie in Deutschland. Stuttgart 2005, S. 164

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