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| Erschienen in Ausgabe: No. 18 (2/2002) | Letzte Änderung: 27. Januar '09 |
von Stefan Groß
Karl Christian Friedrich
Krause (1781-1832)1
setzt sich im Rahmen seines philosophiegeschichtlichen Denkens
intensiv mit Hegel und dessen spekulativer Logik auseinander.2
Krause kannte Hegel aus seiner Jenaer Zeit, in der er neben
Schelling, Fries und anderen als Privatdozent bis Herbst 1804
Philosophie lehrte.3
Neben strukturellen Gemeinsamkeiten4,
sind es vor allem die Differenzen zwischen beiden Denkansätzen,
die Krause in seinen „Vorlesungen über die Grundwahrheiten
der Wissenschaft“ hervorhebt. So unterscheidet sich Krauses
Ansatz beispielsweise von demjenigen Hegels, da die „Anerkenntniß
des Princips“ nicht „durch irgend einzelne vorbereitende
Speculation gesucht wird“.5
Um Krauses Kritik an der Hegelschen Philosophie herauszuarbeiten, ist
es notwendig, einen kurzen Einblick in das Denken Krauses zu geben,
bevor im zweiten Teil diese anhand der Hegelschen „Logik“
skizziert wird. Ein dritter, kurzer Abschnitt beschäftigt sich
mit der Religionsphilosophie. Hierbei werden sowohl Unterschiede als
auch Gemeinsamkeiten zwischen beiden Denkern hervorgehoben.
1. Krause lehnt sich an
die philosophische Tradition der abendländischen Metaphysik und
an die Philosophie des deutschen Idealismus, d.h. an die kritische
Transzendentalphilosophie Kants6
an. Ausgehend von beiden sich gegenüberstehenden Systemen,
mithin von objektiven Idealismus und subjektiven Transzendentalismus
geht es Krause um ihre Vermittlung, wobei weder die objektive
Philosophie des Absoluten oder Gottes, die Krause „Grundwissenschaft“
oder Metaphysik nennt noch der subjektive Ausgang beim Ich
relativiert werden sollen. Krause versteht objektiven Idealismus und
transzendentalen Idealismus als zwei unterschiedliche
Weltbetrachtungsweisen, die sich nicht gegenseitig ausschließen,
die vielmehr wechselseitig aufeinander verweisen. Dazu entwickelt
Krause zwei unterschiedliche Modelle, die er einerseits als
analytischen Aufstieg des Menschen zu Gott hin,
andererseits als deduktiven Abstieg Gottes in die Welt hinein
begreift. Der analytische Aufstieg, der von der unmittelbaren
Selbstgewißheit des sich selbst-schauenden Ichs ausgeht, dient
als Fundament des transzendentalphilosophischen Ansatzes.7
Von der Ich-Evidenz ausgehend, die sich nicht wie bei Fichte8
über eine immanente Selbstentzweiung, sondern unmittelbar
einstellt, erschließt sich das Ich in einem Welt anerkennenden
sekundären Akt die empirische Wirklichkeit, d.h. seine
Außenwelt, zu der es als leibliches Wesen gehört.9
Der analytische Prozeß endet letztendlich in der
Gotteserkenntnis, die Krause als Prinzipienerkenntnis begreift. Ohne
den analytischen Ansatz aufzuheben, ist die Gotteserkenntnis für
Krause die höchste Form von Wahrheit und Gewißheit, d.h.
das Ereignis unmittelbarer und nicht zu hinterfragender Evidenz,10
die sich nicht – wie bei Hegel durch die Reflexion einstellt –,
sondern dieser voraus liegt. Gegen Hegel kann Krause schreiben: „Es
ist überhaupt unbegründet, daß die Einheit zweier
Entgegengesetzter ‚ihre Wahrheit‘, das ist, ihre höhere,
ganze Wesenheit sei; sondern [...] das Urwesentliche ist über
ihnen beiden, sowie auch vor und über der Vereinheit beider
ist.“11
Ohne den analytischen
Aufstieg kommt das Ich nicht zur Gotteserkenntnis, die die Bedingung
der Möglichkeit ist, das analytisch-subjektiv vorausgesetzte
Wissen in einer objektiven Wahrheit zu fundieren. Ohne das deduktive
Prinzipienwissen wird es nicht möglich, die
analytisch-vorausgesetzten „vorwissenschaftlichen“
Erkenntnisse durch ein objektiv absolutes Wissen abzusichern, um
ihnen allgemeine a priorische Gültigkeit zuzuschreiben.12
In der analytischen Philosophie geht es Krause nicht nur um die
eingeschränkte Betrachtungsweise des denkenden Ichs, das zu sich
kommt, sondern um die Einheit des Menschen, der als ganzheitliches
Wesen die harmonische Synthese von Denken, Fühlen und Wollen
ist. Anders gesagt: Das Ich als einheitliches und ungegenheitliches
liegt seinen immanenten Bestimmungen voraus. Krause reduziert die
menschliche Existenz damit nicht auf ihr intelligibles Wesen –
wie Hegel13
– , sondern verbindet darüber hinaus Erkenntnistheorie,
religiöses Gefühl und praktische Philosophie der
Sittlichkeit miteinander. Denken, Fühlen und Wollen sind
existentielle Grundvermögen, denen Krause innerhalb seiner
Philosophie unterschiedliche Anwendungsfelder, d.h.
Wissenschaftsbereiche, wie die Erkenntnistheorie,
Religionsphilosophie und Sittenlehre14
zuordnet.
Krause geht es – im
Unterschied zu Hegel – somit nicht um die aus der
„Phänomenologie“ bekannte dialektische
Selbstvermittlung des Erkennens, sondern um ein Wissen, das nicht vom
reflexiven Wissen hinterfragt werden kann.15
Der Ursprung der analytischen Wissenschaft ist demnach nicht wie für
Hegel die „sinnliche Gewißheit“16,
die sich selbst aufhebt, weil durch sie keine besonderen
Eigenschaften des Gegenstandes erkannt werden können, sondern
das reine Ich, das weder ein tätiges sich setzendes noch ein
sinnlich vermitteltes ist.17
Der Ausgang der analytischen Methode ist damit das Erkenntnisapriori
und die sich daran anschließende transzendentale
Kategorienlehre.18
Der Akt der
Selbstvermittlung des Absoluten hingegen ist für Krause nicht –
wie für Hegel – ein dialektischer Prozeß, sondern
Krause geht von einer unmittelbaren Ursprungseinheit aus, die sich in
die Welt hinein als Vernunft, Natur und Menschheit entfaltet. Anders
formuliert: In der Metaphysik geht Krause von einer prästabilierten
Harmonie der drei Potenzen aus. Mit dem Anfang der spekulativen
Philosophie als unmittelbarer Gewißheit unterscheidet sich
Krause nicht nur von Kant, sondern auch von Hegel, der sich Ende des
18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts von der intellektuellen
Anschauung distanziert19
und an ihre Stelle die spekulativ-dialektische Erkenntnis des
Absoluten setzt.20
2. Im Unterschied zu
Hegel, der die Logik als Metaphysik begreift21,
setzt Krause die Logik nicht mit der Metaphysik gleich.22
„Denn wenn die Logik die Wissenschaft des Denkens und Erkennens
ist, so ist der grundwissenschaftliche Teil der Logik allerdings ein
untergeordneter Teil der ganzen Grundwissenschaft oder Metaphysik,
weil und sofern Erkennen und Denken eine Grundwesenheit Gottes selbst
und aller endlichen Vernunftwesen ist.“23
Da Gott, so Krause, im Gegensatz zu Hegels Absolutem nicht allein
denkendes Subjekt, sondern vielmehr auch die Gesamtheit der
denkenden Kategorien und endlichen Wesen in sich ist, kann das
Denken nur eine untergeordnete, d.h. abgeleitete Eigenschaft Gottes
sein. Denken ist nicht, wie Hegel meint, ein Subjekt, sondern nur am
Subjekt, d.h., Denken ist eine Eigenschaft endlicher Wesen, mithin
eine Eigenschaft von Subjekten.
In der dritten und
vierten Vorlesung über Hegel weist Krause nicht nur die
einseitige Bestimmung Hegels, daß Gott nur Denken sei24,
zurück, er kritisiert in diesem Zusammenhang noch ausführlicher
Hegels „Logik“. Krause versteht das Sein nicht wie Hegel
als das unbestimmt Unmittelbare25
oder als „unbestimmte Unmittelbarkeit“26,
das er voraussetzt, um die Dialektik von Sein, Nichts und Werden zu
erklären. Das Sein, so Krause, ist eine Kategorie unter vielen,
nicht jedoch die ursprüngliche Unmittelbarkeit. Sowohl im
deduktiven Abstieg Gottes in die Welt hinein, als auch
umgekehrt beim analytischen Aufstieg findet sich die Kategorie des
Seins erst an abgeleiteter Stelle. Nicht die unmittelbare Bestimmung
des Seins steht, so Krause, am Anfang logischen Denkens, sondern der
indifferente Akt der Gottesschau bildet die Grundlage einer
sukzessiven Ausdifferenzierung von objektiven Denkbestimmungen sowie
Wesens- und Entfaltungsbestimmtheiten. Die dialektische Vermittlung,
wie sie Hegel in der „Wissenschaft der Logik“ anhand der
Strukturelemente Sein – Nichts und Werden vornimmt, bleibt für
Krause eine bloße Hypothese, denn durch eine synthetische
Vermittlung kommt es nie zum unmittelbaren Begreifen des Ursprungs,
der der begrifflichen Vermittlung als indifferentes Wissen
uneinholbar voraus liegt. Dialektisches Denken und Erkennen kann, so
Krause, daher nicht ein Akt der ursprünglich indifferenten
Vernunft, sondern höchstens ein Akt des
begrifflich-verstandesmäßigen Denkens sein, das aus seiner
ursprünglichen Einheit heraus in der Lage ist, differente
Denkbestimmungen auseinanderzuhalten, in ihrer Besonderheit und
Abstraktheit zu begreifen, um diese letztendlich – bei Wahrung
der Besonderheit – miteinander zu vermitteln. Dieser Akt des
Vermittelns oder der synthetischen Harmonie ist ein notwendiger Akt,
um das Denken zu begreifen, es ist aber kein Akt, um den
unmittelbaren Ursprung zu erklären. Denken, das Krause als
Bestimmtheitsdenken, d.h. als intentionalen Akt des Etwas-Denken
begreift, vermag nie die unmittelbare Ursprungseinheit einzuholen,
sondern sich immer nur an dieser abarbeiten. Anders gesagt: Denken
ist vermittelt und Sein – analytisch oder synthetisch –
„noch gar nicht unterschieden“.27
Der Gedanke des Seins ist
vielmehr leer und nur eine Hypothese wissenschaftlichen Denkens,
keineswegs jedoch ein ontologisches Fundament.28
Des weiteren moniert Krause bei Hegel29,
wenn dieser in der „Logik“ dem Sein das Nichts
gegenüberstellt und dieses wie das Sein als leeres Anschauen und
Denken versteht, denn Nichts ist für Hegel „überhaupt
dasselbe, was das reine Sein ist“30.
Der Fehler Hegels liegt, so Krause, darin, daß dieser
Affirmation und Negation gleichzeitig einführt, ohne zu
bedenken, daß die Negation der Affirmation subordiniert ist.
Wenn eine Sache beispielsweise eine für sich seiende ist und
damit nicht eine andere Sache sein kann, so folgt nicht, daß
die Seinsheit der Sache nicht oder nichts ist, denn sie existiert
unabhängig von Sachen, die sie nicht ist. Sowohl Sein als auch
Nichts sind keine ursprünglichen Kategorien, sondern vielmehr
abgeleitete Formen logischen Denkens. Auch die dritte Kategorie, die
des Werdens, die aus der synthetischen Einheit der
„Entgegengesetzten“ besteht, d.h. die eine Vereinigung
beider darstellt, kann nicht am Anfang logischen Denken stehen, da
Krause im Unterschied zu Hegel das Werden als einen Prozeß der
denkenden Wesen begreift, wodurch sich unterschiedliche Begriffe im
zeitlichen Akt des Denkens nicht ausschließen, sondern durch
die zeitliche Struktur des Nacheinander miteinander verbinden.
Kurzum: Krause kritisiert bei Hegel, daß es nicht die Aufgabe
der Philosophie sei, das Sein zu erkennen, sondern „Wesen
selbst, das ist, Gott und den Gliedbau der Wesen und Wesenheiten in
und durch Wesen [...].“31
Die Auffassung Hegels,
daß sich das Absolute selbst entzweit, um aus sich in sein
Anderes hinauszugehen, d.h. Natur „als die Idee in der Form des
Andersseins“32
zu werden, um sich durch die Andersheit als synthetische Einheit zu
begreifen, lehnt Krause vor dem Hintergrund ab, daß Gott, um
sich selbst zu erkennen, keineswegs der Differenz- und
Syntheseleistung bedarf. Setzt Hegel diese Differenz in das
Absolute hinein und begreift sie als notwendiges Stadium zu dessen
Selbsterkenntnis, so schließt Krause Differenz und Andersheit
vom Absoluten als ungegenheitlicher Einheit aus. Das „Anderssein“
oder die „Äußerlichkeit“ der Natur ist nicht auf
den Geist angewiesen, um im „Widerspruch“ im Geist ihre
Auflösung zu finden,33
sondern Natur und Vernunft sind „gleichwesentliche“
Bestimmungen des Absoluten, die sich wechselseitig ausschließen
und darum autonom, sich aber auch wechselseitig durchdringen und
dadurch eine synthetisch-harmonische Einheit bilden.34
Die Natur folgt dabei dem Bildungsprinzip des Absoluten, wenn sie
sich als Einheit in der Zweiheit und in die synthetische Drei
entfaltet. In diesem Zusammenhang kritisiert Krause Hegels
Vorstellung von der Natur. Die Natur ist, wie Krause hervorhebt,
nicht das Moment der Andersheit, die sich in eine synthetische
Einheit aufhebt, sondern eine Potenz, die in Gott erkannt
wird. Die Potenz der Natur ist die eine Seite der göttlichen
Selbstentfaltung, deren andere die Vernunft ist. Die Natur ist als
selbständige die notwendige Seite der Selbstentfaltung des
Absoluten. Sie ist – und dies unterscheidet Krauses Naturkonzept
von demjenigen Hegels – Einheit des endlichen und unendlichen
als Endliche.
Die philosophische
Methode des spekulativen Anfangs von Hegel kennzeichnet Krause als
abstrakt, denn sie geht von nicht beweisbaren Prämissen aus. Wie
den Ausgang beim „Abstraktum“ kritisiert Krause Hegels
Verständnis der Dialektik. Die Setzung, Entgegensetzung und
Vereinigung kann, so Krause, kein ursprünglich horizontaler,
sondern muß ein vertikaler Akt sein. Synthesen ergeben sich,
wie Krause hervorhebt, nicht am Absoluten, sondern im
Absoluten, sofern dieses die ursprüngliche Einheit aller
Mannigfaltigkeit ist, ohne mit dieser zusammenzufallen. Die Synthese
ist zwar die Einheit von entgegengesetzten Bestimmungen, sie setzt
aber die Entgegengesetzten als übergeordnete Einheiten voraus.35
Die konkrete Totalität ist für Krause nicht der
Anfang eines sich selbst reflexiv durchdringenden Geistes, sondern
erst das Produkt seiner untergeordneten Entfaltung.
3. Mit Hegel stimmt Krause
überein, daß das Absolute erkennbar ist36,
wobei er anstelle des Reflexions- das Anschauungsmodell setzt. Wie
Hegel geht er – bei aller Differenz – davon aus, daß
eine Vermittlung zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit statt haben
muß.37
Krause kann Hegel auch zustimmen, wenn dieser Religion als ein
Verhältnis der Menschen zu Gott begreift, wobei er an Hegels
Religionsphilosophie kritisiert, daß diese nur das Verhältnis
des Menschen zu Gott, nicht jedoch das Verhältnis der Menschen
untereinander als religiöses bestimmt. Er kritisiert ebenso die
Hegelsche Religionsphilosophie, wenn die deduktive Explikation der
Religion fehlt. Er pflichtet Hegel aber bei, wenn dieser Wissenschaft
als Gottesdienst begreift, er distanziert sich aber von ihm, wenn er
die Religion in die Philosophie aufhebt und sie als letzte Gestalt
des Geistes als absolutes Wissen begreift.38
Anders als Hegel geht es Krause um die „Gleichwertigkeit“
philosophischer Wissenschaften oder Regionalphilosophien. Selbst wenn
alle Wissenschaften aus der „Grundwissenschaft“ oder
Metaphysik hervorgehen, bedeutet dies nicht, daß sie
untereinander in einem hierarchisch subordinierten Verhältnis zu
einander stehen. Krause betont von Anfang an, daß von jeder
einzelnen Wissenschaft sowohl subjektive Ich-Erkenntnis als auch
objektive Prinzipienerkenntnis möglich ist. Anstelle einer
dialektischen Wissenschaftsgenese (Kunst und Religion), die im
absoluten Geist kulminiert, setzt Krause auf ein universal
pluralistisches Wissenschaftsmodell, das die Stellung der
Einzelwissenschaften stärkt.
Die Religionsphilosophie
steht für einen unmittelbaren Zugang zum spekulativen Wissen.
Krause hebt dabei den Dualismus zwischen Glauben und Wissen auf, da
die Religion Bestandteil der spekulativen Wissenschaft ist.39
Er reduziert die Religion nicht – wie Hegel – auf die Ebene
der Vorstellung, sondern leitet sie aus der intellektuellen
Anschauung („Wesenschauung“) ab. Wissenschaft und Religion
unterscheiden sich nicht dem Inhalte nach, denn den bildet das
Absolute, sondern nur bezüglich ihrer Aneignung. Während im
Mittelpunkt der wissenschaftlichen Erkenntnis Vernunft, Verstand und
Einbildungskraft stehen, ergänzen sich die drei in der
Religionsphilosophie durch das Gefühl, das Krause nicht als
Abhängigkeit begreift, sondern als Ergänzung zum
wissenschaftlichen Bewußtsein.
Wie Hegel betont auch
Krause die Stellung des Gottessohnes und seine Vermittlungsfunktion,
ohne wie Hegel von einer trinitarischen Konzeption auszugehen. Im
Unterschied zu Hegel ist Jesus für Krause nicht die
auserwählte Person, durch die die Versöhnung geschieht,
sondern nur ein Mensch, dem auch die Versöhnung gelingt.
Für Krause übernimmt – ähnlich wie für Hegel
die „Gemeinde“ – die unsichtbare Kirche die Aufgabe,
daß sich einzelne Wesen zu einer religiösen Gemeinschaft
zusammenschließen, da jeder Mensch ein Bild Gottes. Im
Gegensatz zu Hegel, der sowohl in der Religions- als auch in der
Geschichtsphilosophie Bezug zur positiven Religion des Christentums
nimmt, distanziert sich Krause von genuin christlichen Wahrheiten und
setzt an ihre Stelle die Vernunftreligion. Ihm geht es in erster
Linie nicht um die Legitimation christlicher Werte und Normen,
wenngleich er diese in seine Ethik und „Sittenlehre“
integriert, er sucht vielmehr nach einer Form von Religion, die für
alle Menschen verbindlich ist, d.h. nach einer
religionsspezifisch-übergreifenden Weltreligion (oder im Recht:
nach einer staatenbildenden Gemeinschaft), die wesentliche
Bestandteile der unterschiedlichen Religionsauffassungen miteinander
verbindet und damit – so das Ideal Krauses – von allen
akzeptiert und angenommen werden kann.
1
Zu den Arbeiten, die sich mit Krause beschäftigen, zählen
aus spanischer und lateinamerikanischer Sicht u.a.: Garcia-Mateo,
R., Das deutsche Denken und das moderne Spanien, Panentheismus als
Wissenschaftssystem bei Karl Chr. F. Krause, Seine Interpretation
und Wirkungsgeschichte in Spanien, Der spanische Krausismus,
Frankfurt/Main, Bern 1982. Ders.,Fortschrittskultur
in der zyklischen Geschichtskonzeption Karl Christian Friedrich
Krauses, in: Karl Christian Friedrich Krause (1781-1832). Studien zu
seiner Philosophie und zum Krausismo, Hg. v. K.-M. Kodalle, Hamburg
1985. Vgl. López Morillas, J., El krausismo español.
Perfil de una aventura intelectual, México 2 1980.
Vgl. Orden Jiménez, R. V.,Las habilitaciones
filosofias de Krause. Con estudio preliminar y notas, Madrid 1996.
Ders., El sistema de la filosofía de Krause, Génesis
y desarollo del Panenteísmo, Madrid 1998.Vgl.
Pinilla, R., Entre el alma y el mundo: el pensamiento musical de K.
C. F. Krause, in: J. Cruz: La realidad musical, Pamplona 1998. Vgl.
Ureña, E. M., K.C.F. Krause. Philosoph, Freimaurer,
Weltbürger: Eine Biographie, Stuttgart-Bad Cannstatt 1991.
Ders.,Krause hoy, in: J. O. Casella (Hg.): Las ideas
filosóficas que influyeron en la formación del Uruguay
contemporáneo, Band II, Montevideo 1988, S. 19-27.Ders.,
Philosophie und gesellschaftliche Praxis. Wirkungen der
Philosophie K.C.F. Krause in Deutschland (1833-1881), Stuttgart-Bad
Cannstatt 2001.
2
Vgl. dazu: Kodalle, Gewißheit als absolutes Wahrheitsereignis,
Das Konzept der Wesenschau in der Metaphysik Karl Christian
Friedrich Krauses, in: K. Chr. F. Krause (1781-1832), Studien zu
seiner Philosophie und zum Krausismus, Hamburg 1985, S. 69ff.
3
Zur geschichtlichen Einordnung der Philosophie Hegels vgl.:
Pöggeler, O., Werk und Wirkung, in: Hegel, Eine Einführung,
hg. v. O. Pöggeler, München 1977, S. 7ff.
4
Krause, Vorlesungen über das System der Philosophie,
Unveränderter Nachdruck der Ausgabe Göttingen 1828, mit
einem neuen Vorwort und Anmerkungen von S. Pflegerl, Breitenfurt
1981, S. 24f. „In der Annahme der Grunderkenntniß stimme
ich mit Schelling und Hegel so wie mit Platon überein. Das was
in den beiden ersteren Systemen intellectuelle Anschauung nicht
passend genannt wurde, nenne ich die Erkenntniß Gottes [...]
oder die Wesenschauung“.
5
A.a.O., S. 25.
6
Vgl. Dierksmeier, C., Kant versus Krause – Über
Gemeinsamkeiten und Differenzen in der Begründung von Moral und
Recht, in; Studia Iuridica 45, Coimbra 1999, S. 71-82.
7
Krause (1981), S. 30ff.
8
Zur Fichtekritik Krauses: Vgl. A.a.O., S. 37.
9
A.a.O., S. 41.
10
Vgl. Kodalle (1985), S. 58ff.
11
Krause, Vorlesungen über die Grundwahrheiten der Wissenschaft,
zugleich in ihrer Beziehung zum Leben, nebst einer kurzen
Darstellung und Würdigung der bisherigen Systeme der
Philosophie, vornehmlich der neuesten von Kant, Fichte, Schelling
und Hegel, und der Lehre Jacobi`s, Dritte vermehrte und vielfach
verbesserte Auflage, hg. v. A. Wünsche, Leipzig 1911, S. 513.
12
Krause (1981), S. 16.
13
So der Vorwurf Krauses an Hegel. Vgl. Krause (1911), S. 504.
14
Dazu ausführlich: Krause, Der Menschheitbund, nebst Anhang und
Nachträgen, Aus dem handschriftlichen Nachlasse von K. Chr. Fr.
Krause, hg. v. R. Vetter, Leipzig 1900.
15
Dazu: Bonsiepen, W., Phänomenologie des Geistes, in: Hegel,
Einführung in seine Philosophie, hg. v. O. Pöggeler,
München 1977, S. 59ff.
16
Hegel, G.W.F., Phänomenologie des Geistes, in: Georg Wilhelm
Friedrich Hegel, Werke 3, hg. v. E. Moldenhauer und K. M. Michel,
Frankfurt/Main 31991, S. 82.
17
Krause (1981), S. 35.
18
A.a.O., S. 55.
19
Vgl. zur Thematik: Düsing, K., Georg Wilhelm Friedrich Hegel,
Spekulativer Idealismus und Dialektik, in: Philosophen des 19.
Jahrhunderts, hg. v. M. Fleischer und J. Hennigfeld, Darmstadt 1998,
S. 70ff.
20
Vgl. Halfwassen, J., Hegel und der spätantike Neuplatonismus,
Untersuchungen zur Metaphysik des Einen und des Nous in Hegels
spekulativer und geschichtlicher Deutung, Bonn 1999. Vgl. ders.,
Geist und Selbstbewußtsein, Studien zu Plotin und Numenios,
Akademie der Wissenschaften und der Literatur Main, Stuttgart 1994,
S. 31ff. Vgl. ders., Die Bedeutung des spätantiken Platonismus
für Hegels Denkentwicklung in Frankfurt und Jena, in:
Hegel-Studien, hg. v. F. Nicolin und O. Pöggeler, Bd. 33,
Hamburg 2000, S. 114ff.
21
Dazu: Hogemann, F.; Jaeschke, W., Die Wissenschaft der Logik, in:
Hegel (1977), S. 78.
22
Lucas, H.-C., Die Eine und oberste Synthesis, Zur Entstehung von
Krauses System in Jena in Abhebung von Schelling und Hegel, in:
Kodalle (1985), S. 24.
23
Krause (1911), S. 507.
24A.a.O.,
S. 505. „Das Denken des Allgemeinen oder des Abstrakten ist
übrigens nur eine unter mehreren untergeordneten Funktionen des
Denkens. Daß aber das ‚das Denken als Tätigkeit das
tätige Allgemeine sei‘, kann gar nicht gesagt werde; eine
die Tätigkeit des Denkens ist vielmehr als solche eine
zeitliche Ursachlichkeit des denkenden Wesens, sofern dessen
Erkennen oder Schauen vollendet-endlich, und zwar zeitlich-bestimmt
ist.“
25
Hegel, Wissenschaft der Logik I, Erster Teil, Die objektive Logik,
Erstes Buch, in: Georg Wilhelm Friedrich Hegel Werke 5 (1990), S.
82.
26
Ebda.
27
Krause (1911), S. 511.
28
A.a.O., S. 524.
29
A.a.O., S. 512.
30
Hegel (1990), S. 83.
31
Krause (1911), S. 521.
32
Hegel, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften II,
Zweiter Teil, Die Naturphilosophie, Mit den mündlichen
Zusätzen, in: Georg Wilhelm Friedrich Hegel Wekre 9 (21993),
§ 247.
33
A.a.O., § 250.
34
Krause, Das Urbild der Menschheit, ein Versuch, hg. v. P. Hohlfeld
und A. Wünsche, Dresden 1811, S. 18ff.
35
A.a.O., S. 18.
36
Krause (1981), S. 25.
37
Hegel (1990), S. 158. Hegel spricht von der „Einheit des
Endlichen und Unendlichen“, eine Einheit also, „die selbst
das Unendliche ist, welches sich selbst und die Endlichkeit in sich
begreift“.
38
Hegel (31993), S. 582.
39
Wollgast, S., Karl Christian Friedrich Krause (1781-1832),
Anmerkungen zu Leben und Werk, Berlin 1990, S. 44.
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