Drucken -

Die aktuelle Juli-Ausgabe 2016 ist da!

Anzeige
Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe Letzte Änderung: 30.08.11

Im Jahr 2010 wird der zweihundertste Geburtstag von Robert Schumann gefeiert.

von Otto Löw

Im Jahr 2010 wird der zweihundertste Geburtstag von Robert Schumann gefeiert. In Jena gab es dazu ab Oktober in den altehrwürdigen Rosensälen eine kleine Ausstellung. Während mancherorts ganze Konzert- und Vortragsreihen mit seiner Musik angeboten werden, ist in Jena allenfalls ein deutlicher Akzent darauf zu verspüren. Allerdings hat Frau Dr. Hausstein im Verein für Thüringische Geschichte auf Schumann aufmerksam gemacht, und damit auch in rheinländischen Gefilden Anklang gefunden
Abgesehen davon, dass Robert Schumann als Jüngling einmal auf der Wanderschaft durch Jena gekommen ist, war er im späteren Leben nie wieder hier gesichtet worden. Obwohl bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, er hätte dahier den Ehrendoktor bekommen und hätte doch schon deshalb sich sehen lassen müssen. Nun, das ist wirklich ein Gerücht, denn was da 1840 als Urkunden von Jena nach Leipzig geschickt wurde, war eine ganz reguläre Promotion. Sogar die Gebühren kann man in seinen Aufzeichnungen nachlesen, und derlei hätte man wohl für eine Ehrenpromotion nicht verlangen können.
Schumanns spätere Frau Clara Wieck ist zweimal in den Rosensälen aufgetreten, 1836 und 1840. Sie war bereits in jungen Jahren mit Ehrungen bedacht worden. Was aber nicht daran hinderte, dass sie in Jena um eine polizeiliche Konzerterlaubnis nicht herum kam. Als es um die Heirat ging, stellte ihr Vater sich quer, er bezichtigte den künftigen Schwiegersohn der Trunksucht und dass er keine Familie ernähren könne und zog mit solchen Argumenten sogar vor Gericht. Robert Schumann war bis dahin vor allem als Komponist von Klavierwerken hervorgetreten und als Musikredakteur, er glaubte, mit einer Auszeichnung an Ansehen zu gewinnen. So schrieb an einen Mitarbeiter seiner Musikzeitschrift, welcher Mühe es denn bedürfe, in Jena zu promovieren. Dr. Gustav Adolph Keferstein war damals Diakon an der Friedenskirche. Er kannte den Dekan der Philosophischen Fakultät und erkundigte sich bei diesem. Jedenfalls wurde Schumann ermuntert, seine Unterlagen einzureichen, und so schickte dieser Studienbescheinigungen über sein Jurastudium, Sittenzeugnisse (in den Polizeiunterlagen war von Trunksucht nicht die Rede) und anderes mit einem Anschreiben nach Jena. Als Nachweis seiner musikwissenschaftlichen Tätigkeit legte er einige Veröffentlichungen bei : über Chopins Klavierkonzerte, über Beethoven, eine mehrteilige über die Phantastische Symphonie von Hector Berlioz, wobei er sich nur auf einen Klavierauszug stützen konnte. Natürlich überwies er auch die Gebühren. Und eine Woche später war alles erledigt, Schumann brauchte noch nicht einmal nach Jena kommen, ihm wurde alles zugesandt. Das Gericht entschied zugunsten der jungen Leute und im gleichen Jahr wurde geheiratet.
Man hat zwar in der Urkunde Schumanns Musik gelobt, aber war sie bis dahin dahier überhaupt gehört worden? Clara Wieck hat sie in Jena nicht vorgestellt. Zum ersten Mal war vier Jahre nach der Promotion von Robert Schumann etwas von ihm in Jena zu hören, da waren die Kompositionen des fast gleich alten Felix Mendelssohn dahier schon bekannter. Danach dauerte es wieder zwei Jahre, bis Frau Stade ein paar Lieder aus Schumanns „Frauenliebe und Leben" sang, oder noch viel später in einem Benefizkonzert 1851 „Der Hochlandbursch", also ein Chorwerk Schumanns zu hören war.

3. Akademisches Konzert am 15. Dezember 1844 Mendelssohn Bartholdy: „Meeresstille und glückliche Fahrt" Righini: Arie, mit dem Weimarer Hofsänger Wölfel, Vieustemps : Fantasie. mit dem Geiger Pönitz aus Dresden Moscheles: Hommage a Händel mit den Pianisten Kellner aus Weimar und dem Universitätsmusikdirektor Stade
Beethoven : Septett Es-Dur für Violine. Viola, Violoncello, Kontrabaß, Klarinette, Horn und Fagott Weber: Ein Lied, mit dein Sänger Wölfe (Schumann : Variationen für zwei Klaviere, mit Kellner und Stade Mozart: Ouvertüre zu „Don Juan"

1860 ging der spärlich besoldete Stade an den Hof nach Altenburg, wo ihn ein besseres Auskommen erwartete. Nach Jena kam Ernst Naumann, der 46 Jahre lang mit ebenso bescheidenen Mitteln ein lobenswertes Musikleben dahier entwickelte. Als Sohn des Freiberger Mineralogen, der auch mit Jena in Verbindung stand, kam er nach dem Studium aus Leipzig, wo er mit einer musikwissenschaftlichen Arbeit promoviert worden war. Zudem hat Naumann manches an Kompositionen hinterlassen. Es ist Musik, die aufhorchen lässt, wenn sie derzeit auch kaum zu hören ist, von Ausnahmen in der Max-Reger-Vereinigung oder durch einen Studentenchor einmal abgesehen. Naumann kannte durch seine Zeit in Leipzig Schumanns Musik recht gut und hat sie in Jena immer wieder ins Programm gesetzt. Die erhaltenen Programme der Akademischen Konzerte geben darüber Auskunft. Als Naumann 1906 sein Amt aufgab, waren seine Jahre auch ein Dienst an der Verbreitung Schumannscher Musik gewesen.
Es folgte von 1906-1914 Fritz Stein. Dieser entstammte einer anderen Generation, ihm ist u. a. die Anregung für die Ehrenpromotion von Max Reger zu verdanken. Schumanns Kompositionen traten ein wenig, aber beileibe nicht völlig in den Hintergrund Das alte Leiden des mangelnden Orchesters in Jena hatte sich erhalten. Es gab zwar eine Städtische Kapelle. eher für die Tanzmusik gedacht, aber natürlich auch zu den Akademischen Konzerten zugezogen. Den Grundstock bildeten Musiker aus Hofkapellen in Thüringen, u. a. aus Weimar. Gera, Meiningen, Rudolstadt, Sondershausen.
Die regulären Akademischen Konzerte konnten immer noch, wie auch aus den oben genannten Programmen ersichtlich, manchmal ganz aus Kammermusiken bestehen, während diese im Allgemeinen häufiger in andere Werke eingebettet wurden.

6. Akademisches Konzert am 26. Februar 1907 (Solisten : Eugen und Hermine d’ Albert) Ludwig van Beethoven: Klaviersonate c-Moll op. 111 4 Lieder von Nicolo Jomelli, Antonio Lotti, Giuseppe Giordani und Tommaso Traetta Robert Schumann: Fantasie C-Dur op. 17 Eugen d'Albert: Fünf Lieder Eugen d‘ Albert: Serenata H-Dur Christian Sinding: „Im Volkston“ und „Marche grotesque“ Giovanni Sgambati: Nocturne op. 31 Franz Liszt: Polonaise E-Dur

Von den Sinfonien hatte Fritz Stein mit seinem bunt zusammen gewürfelten Orchester während seiner Zeit in Jena nur die „Rheinische" vorgestellt.

3. Akademisches Konzert am 7. Dezember 1908 Carl Maria von Weber: „Euryanthe" Ouvertüre Peter Tschaikowsky: Konzert für Klavier und Orchester b-Moll op. 23 (Solistin : Teresa Carreno, Berlin) Robert Schumann: Sinfonie op. 97 „Die Rheinische" Frederic Chopin : Nocturne op. 37 Nr. 2, Etude Ges-Dur, Polonaise As-Dur op. 53

Natürlich brachten Sänger oder Solisten in ihren Programmen auch außerhalb des Schumann-Jahres dessen Werke hin und wieder zu Gehör. Im Gegensatz zu früher, wo nicht wenige Programme zu einem beachtlichen Teil vorn Universitätsmusikdirektor und/oder der Akademischen Konzertkommission vorgegeben wurden, kam es mehr und mehr zu Absprachen, bei denen die Interpreten ein Wort mitreden konnten.

7. Akademisches Konzert am 22. Februar 1909 Die Kapelle des 71. Infanterie-Regiments Erfurt und Mitglieder der Hofkapelle Weimar (Solist: Felix von Kraus, Bass, München) Peter Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 75 Robert Schumann: „Der arme Peter“. „Ihre Stimme“ und „Lied eines Schmieds“ Franz Liszt: „Tasso“ Hugo Wolf : „Denk es, o Seele", „Fußreise“ und ..Der Musikant“
Richard Wagner „Die Walküre" „Wotans Abschied und Feuerzauber"

Ernst Naumann hatte hei seinem Amtseintritt 1860 gleich eine Kammermusikreihe mit beträchtlichem Anteil an Liedern ins Leben gerufen, ohne diese Werkgruppen aus den üblichen Akademischen Konzerten zu verbannen. Ein beachtlicher Teil dieser Konzerte fand nicht im Volkshaus wie üblich statt, sondern in den althergebrachten Rosensälen.

4. Akademisches Konzert am 13. Dezember 1909 (Julia Culp. Mezzosopran; Carl Friedberg, Klavier) Franz Schubert : „"Nacht und Träume", „Der Musensohn". „Ellens dritter Gesang" Ludwig van Beethoven: Sonata quasi una fantasia cis-Moll op. 27 Nr. 2 Robert Schumann: „"Wer machte dich so krank", „Alte Taute", „Volksliedchen" und
„Frühlingsnacht" Johannes Brahms: Ballade g-Moll aus op. 113 Franz Schubert: Rondo D-Dur Robert Schumann Novelette E-Dur aus op. 21 Johannes Brahms : „Immer leiser wird mein Schlummer", „Botschaft" und „Feldeinsamkeit" Frederic Chopin : Ballade g-Moll op. 23, Impromptu Fis-Dur, Walzer As-Dur Hugo Wolf : „"Gesang Weylas", In dem Schatten meiner Locken“ und „Er ist’s"

Die Pflicht, bei den Liedern den Klavierpart zu übernehmen, oblag hier wie immer noch - und zwar für lange Zeit - in den meisten Fallen dem Universitätsmusikdirektor, auch, wenn ein Pianist eingeladen war; der aber in diesem Fall nur die Klaviersoli spielte.
Anders war das, wenn die Kammermusikgruppen einen Pianisten mitbrachten.

2. Akademisches Konzert am 10. Januar 1910 (Max Reger, Klavier, Leipzig; Walter Porges, Violine, München; Edmund Heyneck, Klarinette, Leipzig: Hugo Fischer, Violoncello, Jena) Max Reger: Sonate für Klarinette und Klavier B-Dur op. 107 Robert Schumann: Sonate für Violine und Klavier a-Moll op. 105 Johannes Brahms: Trio für Klarinette. Violoncello und Klavier op. 114

Was da 1910 zum 100. Geburtstag von Robert Schumann oder in dessen Nähe • vorgestellt wurde, war also hörenswert. Obwohl ein wenig verspätet, darf man als Glanzpunkt ein ganz gewöhnliches Akademisches Konzert, allerdings nun längst im Volkshaus, hinzurechnen. Zuerst sollte Casals zum 4. Akademischen Konzert am 4. November 1912 eintreffen. Das Jenaer Stadtorchester war wie öfters schon üblich durch Mitglieder der Hofkapelle Weimar verstärkt worden. Dirigent war wie stets Fritz Stein

1. Akademisches Konzert am 4. November 1912 Georg Friedrich Händel Konzert für Orgel und Orchester d-Moll (Sollst Hermann Keller aus Weimar, am Cembalo der Komponist Bodo Wolff) Johann Sebastian Bach:Solo-Suite für Violoncello C-Dur (Solist : Pablo Casals) Joseph Haydn : Sinfonie D-Dur (1795) Robert Schumann: Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129 (Solist : Pablo Casals) Felix Mendelssohn Bartholdy : Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt"

Nun, Casals war ernstlich erkrankt. Die kurzfristig eingesprungene niederländische Sopranistin Mientje Lamprecht van Lammen sang anstelle der Suite Mozarts „Non più tutto ascolti-Non temer; amato bene“, wobei der Geiger Alexander Schaichet, der sich gerade in Jena niedergelassen hatte, das Violin-Solo spielte. Anschließend stand aus Haydns Schöpfung „Auf starkem Fittige" im Programm. Anstelle des Schumann-Konzertes gab es Lieder von Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms und allerdings auch von Robert Schumann „Der Nussbaum", „Lotosblume" und „Schöne Fremde". Ein Jahr später war Casals wieder auf den Beinen und kam nach Jena. Er hatte seine einstigen Stücke vorgeschlagen, die nun aber mit anderen Werken ergänzt wurden.

1. Akademisches Konzert am 11. November 1913 Christoph Willibald Gluck: Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis" Robert Schumann : Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129 (Solist: Pablo Casals) Joseph Haydn: Sinfonie „La Reine" Johann Sebastian Bach: Solo-Suite für Violoncello in C-Dur (Solist : Pablo Casals) Ludwig van Beethoven: „Die Schlacht bei Vittoria" oder „Wellingtons Sieg" op. 91

Fritz Stein dirigierte zu Beginn des Schumannjahres wieder Mitglieder der Weimarer Hofkapelle, doch diesmal hatte er sich die vorzüglichen Musiker des 71. Infanterieregiments Erfurt hinzu geladen. Das Violinkonzert von Robert Schumann ist bekanntlich erst 1937 wieder aufgeführt worden. Aber der berühmte Geiger Henri Marteau, dem bekanntlich Max Reger sein Violinkonzert gewidmet hat, spielte eine heute zu Unrecht fast vergessene Komposition Schumanns.
Die Sinfonie von Friedrich \Vitt aus der Handschriftenabteilung der Universitäts- und Landesbibliothek Jena wurde damals durchaus mit Argumenten als eine Jugendsinfonie Beethovens von Fritz Stein angesehen und so herausgegeben, wozu übrigens Max Reger einen Klavierauszug zu vier Händen schrieb Die wahre Autorschaft Witts ist erst ein halbes Jahrhundert später von H. C. Robbins Landon erkannt worden.

Akademisches Konzert am 17. Januar 1910 Robert Schumann: Ouvertüre zu „Manfred" op. 115 Robert Schumann: Phantasie für Violine und Orchester op. 131 (Solist : Henri Marteau) Friedrich Witt : Sinfonie C-Dur Edouard Lalo: Symphonie espagnole für Violine und Orchester op. 21 (Sonst : Henri Marteau)


Wiederholt wurden hierzu Chorwerke ausgewählt. Träger dieser Veranstaltungen waren meist die Chöre selbst. Fritz Stein hatte während der Vorbereitungen den Rektor um Urlaub gebeten, um seine Promotion in Heidelberg zu bestehen. So lag die Vorbereitung vor allem in den Handen von Walter Howard, die Aufführung allerdings bei Flitz Stein.

Sommerkonzert des Akademischen Chores am 27. Juni 1910 im Volkshaus A capella-Gesang Felix Mendelssohn Barthole: „Ahschied vom Walde" und „Auf dem See" Robert Schumann: „Sommerlied" und „Jägerlied" (A capella-Gruppe des Akademischen Chores und Mitglieder des Bürgerlichen Gesangvereins) Giuseppe Verdi: „La Traviata" Sopran-Arie (Käthe Hörder. Sopran, Leipzig) Johannes Brahms: Rhapsodie g-Moll Frederic Chopin Prelude cis-Moll und Ballade As-Dur (Lotte Kaufmann, Klavier, Berlin ) Vierstimmige Frauenchöre Johannes Brahms: „Minnelied" und „Barcarole" Robert Schumann: „Soldatenbraut" und „Jäger Wohlgemut" Lieder für Sopran und Klavier Johannes Brahms: „Geheimnis" und „Der Jäger" Woldemar Sacks: „Einladung" sowie ein polnisches Volkslied „Krakowiak" Franz Liszt: Sonetto 123 del Petrarca und 13. Rhapsodie A capella-Gesang Robert Schumann: „Schnitter Tod", „Im Walde", „Der Schmied"

Ein Höhepunkt im Schumann-Jahr war die Aufführung des „Manfred". Die aller erste Aufführung hatte Franz Liszt am 13. Juni 1852 zustande gebracht. In Jena war die Komposition als 4. Aufführung überhaupt am 28. Februar 1858 in einem Akademischen Konzert im Rosensaal unter Wilhelm Stade zu hören gewesen.
Der Münchener Generalintendant Ernst von Possart hatte für die neuere Aufführung einen verbindenden Text geschrieben und selbst vorgetragen. Bei den Solisten konnte man sich größtenteils auf einheimische Sänger verlassen.

Akademisches Konzert am 22. Oktober 1910 Robert Schumann : „Manfred" für Soli, Chor und Orchester op. 115 (Jenaer Stadtorchester und Mitglieder der Weimarer Hofkapelle Charlotte Kühn, Sopran, Jena; Lilly Müller-Walsdorf, Alt, Weimar; Ernst Seide und Fritz Hülsdorf, Tenöre, Jena; Hermann Kmnder und Otto Hitzig, Bass Orgel: Otto Hitzig)


Es darf nicht vergessen werden, dass 1910 auch ein Chopin-Jahr war. Außerdem brachten die Sänger nicht nur bekanntes, meist romantisches Liedgut mit, sondern sie versuchten auch, dies und jenes neue vorzustellen. Dass nicht alles davon sich in heutige Konzertprogramme hinüber retten konnte, war zu allen Zeiten so. Aber schließlich mussten ja neue Werke überhaupt erst einmal dargeboten werden, damit man sie unterscheiden konnte. Abgesehen von vielem anderen sprachen bei einer solchen Trennung durchaus auch Hörgewohnheiten mit. Es ist nämlich heutzutage nichts Außergewöhnliches mehr, dass man den Wert von Werken bei Neuaufführungen anders einzuschatzen beginnt als zur Zeit der Entstehung Ob dies Eintagsfliegen sind oder Repertoirebereicherungen wird die Zukunft zeigen. Wer die dicken Kataloge an Tonträgern durchblättert, wird schnell fündig werden, zumal auch von bekannten Komponisten lange Zeit so manches ungehört blieb. Das ist im Zeitalter der oft sehr preiswerten Gesamtaufnahmen anders geworden.
Programme wie das folgende sind heutzutage in Jena kaum noch denkbar, waren selbst nach dem zweiten Weltkrieg noch lange Zeit zu hören, und zwar beim mit 1150 Plätzen bedachten Volkshaus, wo etwa der Konzertorganisator der Stunde der Musik, Horst Teßner, es fertig brachte jährlich mehrere Liederabende mit Erfolg anzubieten, etwa mit Erika Köth oder Lucia Popp, Adele Stolte und Gerda Schriever.

3. Akademisches Konzert am 5. Dezember 1910 (Klara Senius-Erler, Sopran und Felix Senius, Tenor Josef Peunbauer jun. Klavier) Duette von Robert Schumann: „Tragödie", „Familiengeschichte" und „Unterm Fenster" Tenor-Lieder von Johannes Brahms: „Mainacht", Feldeinsamkeit" und „Botschaft" Sopran-Lieder von Robert Schumann: „Der arme Peter", „Der Nussbaum" und „Aufträge" Ludwig van Beethoven: Klaviersonate op. 31 Nr. 2 a-Moll Tenor-Lieder : Franz Ries „Es muß was Wunderbares sein"; Arnold Mendelssohn „Fischerlied" und Richard Strauß „Heimliche Aufforderung" Sopranlieder: Hugo Wolf „Verborgenheit"; Hans Pfitzner „Sonst" und das „Spinnerliedchen" aus einer Volksliedsammlung Frederic Chopin: Phantasie op. 49 f-Moll und Scherzo op. 39 cis-Moll Duette : Johannes Brahms „So laß uns wandern", „Volkslied" „Du, du liegst mir am Herzen" und „Der Jäger"

Das Schumann-Jahr 1910 wurde eigentlich erst im folgenden Jahr beendet. Vor dem nächsten Konzert wurde des einstigen Universitätsmusikdirektors Prof. Dr. Ernst Naumann gedacht, er war am 15. Dezember 1910 gestorben.

4. Akademisches Konzert am 16. Januar 1911 Johannes Brahms : Ein Deutsches Requiem 2. Satz (Akademischer Chor und Mitglieder des Bürgerlichen Gesangvereins) Robert Schumann: Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 54
(Solist : Max Pauer, Stuttgart) Karl Hasse: Serenade op. 5 unter Leitung des Komponisten Johannes Brahms: Intermezzo A-Dur und Capriccio C-Dur aus op. 118 Intermezzo h-Moll auf op. 119 und Rhapsodie Es-Dur aus op. 118 Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 8 F-Dur

Für die Kammermusiken wurden oft noch der Akademische Rosensaal benutzt, bis 1950 anstelle der zerbombten Universitätsbibliothek dort die dringend benötigen Lesesäle eingerichtet wurden.

3. Akademisches Kammermusik am 6. Februar 1911 in den Rosensälen ((Böhmisches Quartett mit Carel Hofmann und Josef Suk, Violinen; Jiri Herold,Viola und Hans Wihan,Violoncelli) sowie Max Reger am Klavier) Ludwig van Beethoven : Streichquartett op. 135 Max Reger: Streichquartett Es-Dur op. 109 Robert Schumann: Klavierquintett Es-Dur op. 44

In einem Akademischen Konzert stellte sich auch der Direktor des künftigen Jenaer Konservatoriums vor, vorerst als Begleiter, aber immerhin gab es Lieder von Robert Schumann mit seiner Mitwirkung zu hören

3. Akademisches Konzert am 5. Dezember 1911 im Volkshaus Myst-Gmeiner; Willy Eickemeyer. Klavier, Dortmund) Franz Schubert: „Die junge Nonne", „Das Rosenband", „Der Fisch" und „Frühlingssehnsucht" Johannes Brahms: Sonate für Klavier f-Moll op. 5 Robert Schumann: „Liebeslied", „Jemand", „Schneeglöckchen" und „Waldesgespräch"Franz Liszt : „Bénediction de Dieu dans la Solitude" und „Der heilige Franz auf den Wogen schreitend"
Johannes Brahms : Die Nachtigall", „Botschaft", „Wir wandelten" und „Der Schmied"

Nicht mehr so gedrängt, verschwanden Schumanns Kompositionen auch danach nicht gänzlich aus dem Programm. Zu diesem Konzert war der hier gut bekannte Felix von Kraus für die wohl nicht ganz mit lauteren Motiven abgesprungene Julia Culp eingesprungen.

2. Akademisches Konzert am 18. November 1912 (Felix von Kraus, München und Paul Schramm, Klavier, Berlin) Johann Sebastian Bach/Ferruccio Busoni : Chaconne in der Übertragung für Klavier Antonin Dvorak: Biblische Lieder Frederic Chopin: Sonate b-Moll op. 35 Hugo Wolf: Michelangelo-Lieder Robert Schumann : Symphonische Etuden Carl Löwe: Balladen

lm Sommerkonzert des bald heraufziehenden Kriegsjahres hat Fritz Stein sich eines weiteren großen Werkes von Robert Schumann angenommen. Wie immer konnte er sich sicher sein, dass neben den auswärtigen Gästen auch die vorgesehenen Sänger aus Jena ihren Part würdig darstellen konnten.

Konzert am 29. Juni 1914 Robert Schumann: „Das Paradies und die Peri" (Orchester : Stadtkapelle Jena und Mitglieder der Weimarer Hofkapelle sowie hiesige Musikfreunde; Akademischer Chor und Bürgerlicher Gesangverein: Eva Bruhn, Sopran, Peri und Quartette; Gertrud Braasch, Sopran, Jungfreu und Peiquartette;Johanna Schot, Alt, Solo und Quartette; Hertha Holt, Engel und Periquartette: Georg Volgt, Tenor, Soli, Jüngling, Quartette; Reinhold Gerhard Bass, Sol der Mann, Gazna, Quartette)

Für acht Amtsjahre als Universitätsmusikdirektor ist das keine üppige Ausbeute, aber beileibe auch kein Vergessen, schon gar nicht, wenn man es mit heute vergleicht. die chorsinfonischen Kompositionen fehlen ganz, wo bleiben die Liederabende, wie viel Klavier- und Kammermusik Schumanns bleibt im Jubiläumsjahr im Konzertsaal ungehört. Vor hundert Jahren waren chorsinfonische Werke, zumindest eine Sinfonie, die damals bekannten Instrumentalkonzerte, Klaviermusik, Lieder, Kammermusiken im Konzertsaal zu hören. heute kann man ein noch reichhaltigeres Repertoire auf Tonträgern sich ins Haus holen, während nach manchem als Bestandteil eines Konzertes umsonst Ausschau gehalten wird.

>> Kommentar zu diesem Artikel schreiben. <<

Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte hier an.

Neueste Artikel ▲

Meist gelesene ▼

  •  
  • Anzeige
  •  
  • Anzeige
  •  
  •  
  •  
Zum Seitenanfang zurück