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Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe Letzte Änderung: 02.12.10

Blickkontakte. Niederländische Portraits des 17. Jahrhunderts im Dialog mit Kunst der Gegenwart Sammlung SØR Rusche

von kein Autor

Bereits zum vierten Mal ist die namhafte Sammlung SØR Rusche zu Gast in der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau. Nachdem in den vergangenen Jahren die Landschafts- und Genremalerei sowie Stillleben präsentiert wurden, steht nun die Bildnismalerei im Mittelpunkt. Zum zweiten Mal wird das Experiment eines Dialogs Alter Kunst mit Malerei der Gegenwart gewagt mit insgesamt etwa 80 Werken.
Die niederländischen Portraits aus der Sammlung SØR Rusche veranschaulichen die Entwicklung dieser Bildgattung in fast allen Facetten und mit Werken von herausragenden Vertretern ihres Faches. Mit berühmten Protagonisten, wie Frans Hals und Rembrandt, kann die Sammlung zwar nicht aufwarten, doch sind ebenfalls wichtige Künstler, wie Jan Anthonisz. van Ravesteyn, Cornelis van der Voort, Nicolaes Eliasz. Pickenoy, Jacob Backer, Nicolaes Maes, vertreten, von denen wichtige Impulse für die Portraitmalerei ausgingen.
Mit der Neuzeit begann sich das Portrait als eigenständiges Sujet etablieren, dessen vorrangige Funktion in der Standesrepräsentation bestand. Die Portraitmalerei eignete sich in einzigartiger Weise zur Veranschaulichung der gesellschaften Position und zugleich zur Präsentation von Wertevorstellungen. Individuelle Charakterisierung sowie eine reale Wiedererkennbarkeit waren eher sekundär. Soweit Persönliches erfasst wird, ist es nur legitimiert, wenn es zugleich die gängigen Konventionen und einen würdevollen Habitus unterstreicht. Die Künstler der Niederlanden haben in ihren meisterlichen Bildnissen bereits ein Jahrhundert vor der Aufklärung entscheident zur Verbürgerlichung des Portraits beigetragen. Uns begegnet nun insbesondere der gegenüber dem bisher tonangebenden Adel emanzipierte niederländische Bürger, dessen Anerkennung und Bildwürdigkeit auf seinem geschäftlichen und gesellschaftlichen Erfolg vor dem Hintergrund eines calvinistischen Selbstbewußtseins beruht.
Der „Blickkontakt“ mit den Portraits der niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts wird in der Ausstellung um einen lebendigen Kontrast mit Bildnissen der Gegenwartskunst, wie z. B. mit Werken von Martin Assig, Stephan Balkenhol, Beza, Norbert Bisky, George Condo, Marcel Eichner, Zofia Kulik, James Lloyd, erweitert. Dabei werden nicht nur die inzwischen erfolgten Veränderungen der Bildkonzeptionen deutlich. Zum Erstaunen des Betrachters finden sich auch viele Berührungspunkte, die aufzeigen, daß das Sujet nach wie vor aktuell ist. Die Expressivität und der gesellschaftliche Kontext treffen den Betrachter ungleich direkter als das scheinbar distanzierte und ästhetisierte Bildnis einer vergangenen Zeit. Der Dialog alter und neuer Bildnisse führt für beide Epochen gleichermaßen zu einer schärferen Wahrnehmung und zu einem zusätzlichen historischen Erkenntnisgewinn.

Ort:
Anhaltinische Gemäldegalerie Dessau
Dauer der Austellung:
23. November 2010-23. Januar 2011

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