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| Erschienen in Ausgabe: No. 21 (1/2005) | Letzte Änderung: 27. Januar '09 |
von Wolfgang Wallner F. JBL-Literaturverlag – (A-4572) Sankt Pankraz, ISBN 3-902159-13-8 - 244 Seiten
von Martin Kutschke
Was
hat die moderne Quantenphysik mit der Rückkehr der Menschen ins
biblische Paradies und alt-chinesischer Philosophie zu tun?
Nicht viel, wird jeder denken, der das Buch Elihu von Wolfgang
Wallner F. nicht kennt. Doch nach der Lektüre dieses spannenden
und zugleich sehr philosophischen Werkes wird der Leser erkennen,
dass es zwischen diesen einander scheinbar unendlich fremden
Gedankenwelten eine zugrunde liegende Gemeinsamkeit gibt: die Suche
nach der Einheit des Kosmos, die gleichzeitig die Suche nach Gott ist
und die Einsicht in das Tao, der Alleinheit der
klassisch-chinesischen Philosophie des Laotze.
Ausgangspunkt
des Buches ist der Fund einiger alter Floppy-Disks auf einer
Müllkippe. Obwohl sie nicht alle lesbar sind, finden sich auf
den noch funktionierenden Disketten Fragmente eines Tagebuches,
„hinterlassene Aufzeichnungen aus der Ewigkeit“. In
diesen Fragmenten wird die Geschichte des Paares Martin und Jemima
erzählt, die aber nur eine Art Rahmen bildet für die
weitergehende Erzählung von der Suche nach dem „Einen“
und dem Sinn der menschlichen Existenz, welche die Menschheit seit
Anbeginn fesselt und auch niemals loslassen wird.
Martin
erleidet einen schweren Autounfall und fällt in ein tiefes Koma.
Doch während sein Körper nur mit Hilfe von Maschinen am
Leben erhalten werden kann, tritt sein Bewusstsein in Kontakt mit der
göttlichen Alleinheit und verwandelt sich in Elihu. Als
Elihu erlebt er Szenen aus dem Leben vergangener und noch kommender
Inkarnationen seiner selbst und beschreitet verschiedene Pfade
auf der Suche nach Gott oder dem „Einen“ und der damit
immer verbundenen Suche nach Sinn. Aber nicht alle Pfade führen
zum Ziel, sondern im Gegenteil zu mehr Entfremdung des Menschen von
seiner Natur, sei es durch eine Pervertierung der Methoden der
Sinnsuche oder durch ein Ersetzen der Suche durch die Befriedigung
vergänglicher Konsumwünsche.
Der
biblische Name Elihu bedeutet „ER ist mein Gott“ und
taucht auf in der Geschichte des Hiob. Der Elihu des Buches von
Wolfgang Wallner F. ist jedoch weit mehr als der Elihu des Alten
Testamentes. Vielmehr steht er für die Inkarnation des
„Einen“ als Mensch. Er ist das göttliche
Bewusstsein, das zugleich Einheit und Einzelheit darstellen soll.
Dieser Elihu ist auch Metapher dafür, dass jeder Mensch als ein
Teil des Ganzen auch Anteil an der Gesamtheit hat, denn „jeder
Teil spiegelt das Ganze“.
Die
Gedanken dieses Buches erscheinen tief und vielschichtig. Sie
schlagen einen Bogen von der taoistischen Philosophie des antiken
China über das alte und neue Testament, den mittelalterlichen
Mystizismus Meister Eckardts bis hin zur Psychoanalytik des Carl
Gustav Jung und sogar zur zeitgenössischen Theorie der
Quantenphysik. Dieser bunte Mix in Verbindung mit dem
fragmentarischen und teils aphoristischen Stil der
Erzählung(en), der den Leser immer wieder zwischen den
verschiedensten Ebenen hin und her springen lässt, macht es
zuweilen schwierig, den roten Faden zu erkennen und kann den Leser
sogar ganz verwirren. Die verschiedenen philosophischen Annäherungen
an die Suche nach der Einheit oder nach Gott enthalten an einigen
Stellen auch Spekulationen, die den kritischen Leser womöglich
eine zu starke Nähe zur zeitgenössischen Esoterikmode
vermuten lassen. Dieser Eindruck wird auch dadurch noch verschärft,
dass der Autor immer nur Versatzstücke der jeweiligen
philosophischen oder wissenschaftlichen Denkrichtung in sein Werk
einarbeitet, die in seinen Augen ein Indiz für die Suche nach
dem „Einen“ darstellen, während insbesondere die
Ergebnisse und die Programmatik der modernen Naturforschung die
diesem Ziel widersprechen nicht mit in die Reflexion darüber
einfließen.
Diese
Unzulänglichkeit wird aber zum Teil dadurch relativiert, das es
gar nicht dass Ziel des Autors ist, eine wissenschaftlich fundierte,
abstrakte Reflexion des Themas zu geben. Es ist ebenfalls nicht
seine, dem Leser eine Anleitung für die eigene Sinnsuche an die
Hand zu geben oder gar nach Art der Esoterik einen bestimmten Sinn zu
postulieren. Die Stärke und der Wert dieses Buches liegt
vielmehr darin, sich aus verschiedenen Richtungen und Epochen des
menschlichen Denkens an ein uraltes Thema anzunähern und den
Leser somit zum Innehalten und Nachdenken über die eigene
Weltanschauung anzuregen. Dies geschieht in einer
literarisch-lyrischen Form, die den Leser mitnimmt auf eine spannende
und interessante Reise, die auch kritische Geister bereichern kann.
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