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Erschienen in Ausgabe: No 60 (2/2011) Letzte Änderung: 14.02.13

Morde nicht!

von Nathan Warszawski

לֹא תִרְצָח
Das jüdische sechste Gebot ist kurz. Es besteht aus zwei Worten (lo tirzach : לֹא תִרְצָח) und sechs Buchstaben. Kein Satz hat die Welt mehr bewegt als dieses kurze eindringliche Verbot.
Das Hebräische unterscheidet zwischen „morden“ und „töten“. Die lateinische Übersetzung lautet: non occides, was sowohl „Töte nicht!“ wie auch „Morde nicht!“ heißt. Die deutschen Bibeln, die aus dem Lateinischen übersetzt wurden, haben sich für „töten“ entschieden.
Grammatikalisch verlangt der negative Imperativ im Hebräischen nach dem Futur. Die deutsche Übersetzung behielt die grammatikalische Form des imperativen Futurs, wurde zu „Du sollst“. Das hebräische „Morde nicht!“ mutierte zum deutschen „Du sollst nicht töten!“
Gesprochene Sprachen leben und verändern sich. Sinnvolle und wörtliche Übersetzungen von einer Sprache in die andere sind kaum möglich. Das hebräische Morden beschränkt sich auf das absichtliche Umbringen von Menschen. Alles andere ist Töten: Tiere töten und werden getötet, Soldaten töten und werden getötet. Unschärfen zwischen morden und töten sind vorhanden.
Anders werden Morden und Töten im Deutschen gefühlt und verstanden. Töten ist der Oberbegriff, der Morden umschlingt. Jedes Morden ist ein Töten. Der Begriff „Tiermord“ ist im Deutschen bedeutungsvoll, im Hebräischen der Bibel und der Alltagssprache ist er bedeutungslos.
Das Verbot des Mordens wurde von den Anfängen des jüdischen Reiches bis zu seiner Vernichtung durch die Römer nicht eingehalten. Nachdem die Juden staatenlos geworden waren, klammerten sie sich an die Bibel. Machtlos und verfolgt verschwand das Morden. Das große Morden, der Genozid, war den Juden verwehrt.
So schlüpften die Juden in die Rolle der Träger des göttlichen Verbotes. Sie wurden zum schlechten Gewissen ihrer nicht-jüdischen Umgebung, war sie christlich oder islamisch. Die Träger des Verbotes des Mordens wurden selber ermordet, oder getötet – je nach Duktus.
Die dialektische Kulmination fand im Deutschland des 20. Jahrhunderts statt. Hitler brach nicht das göttliche Gebot, er hob es auf. Für die Deutschen sollte der Genozid der Weg sein, als Volk zu erstarken und über Andere zu herrschen. Slaven und Zigeuner wurde umgebracht, wenn sie nutzlos wurden. Juden wurden ermordet, damit die Träger des göttlichen Gebotes und das göttliche Gebot verschwanden.
Nur so lässt sich verstehen, warum am zeitlichen Ende des Deutschen Reiches Juden in Zügen verfrachtet wurden, um sie in Todeslager zu transportieren, während die selben Züge der Reichswehr fehlten, um den „Endsieg“ zu erringen. Die Ermordung Gottes hatte Vorrang!
Die deutsche Geschichte des sechsten Gebotes endet nicht mit der Kapitulation. Das demokratische Deutschland verteidigt der Not gehorchend einen Teil seiner Werte im fernen Ausland. Deutsche Soldaten sterben, deutsche Soldaten töten. Die deutschen Kirchen stehen vor einem unlösbaren moralischen Dilemma, solange ihr sechstes Gebot „Du sollst nicht töten!“ lautet.
Welche Last trägt die zivile Gesellschaft aus dem göttlichen Verbot?
Töten und Morden sind sprachlich vereint. Da Morden schlecht ist, ist Töten in Verruf geraten. Und umgekehrt. Da Töten im biblischen Sinn ein unabdingbarer Teil des Lebens, des Menschseins ist, wird das Morden relativiert und gewinnt gesellschaftliche Akzeptanz.
Hat das sechste Gebot eine Chance?

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Hentsch 28.12.2013 20:12

http://schalomchaverim.com/2009/02/16/du-sollst-nicht-morden-zur-wochenlesung-jitro-2-mose-181-2023/ Uta Hentsch = AhuvaIsrael

Du sollst nicht morden - zur Wochenlesung Jitro"

Hentsch 28.12.2013 20:11

Sehr geehrter Herr Warszawski, vielen Dank für Ihren Beitrag zu 6. Gebot :)! Im Februar 2009 habe ich zum Thema "6. Gebot" einen Beitrag in einem meiner Israel-blogs geschrieben. Ich setze den Link hier hinein und merke dazu an, dass "AhuvaIsrael" mein Pseudonym für Uta Hentsch ist. Das sechste Gebot muss die Cance haben auch in dutschen Übersetzungen so übersetzt zu sein, wie es der EWIGE vorgegeben hat - "MORDE NICHT"!!! Mit ferundlichen Grüßen Uta Hentsch

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