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Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe Letzte Änderung: 07.03.11

»Goethe – der Schwarzseher des 21. Jahrhunderts?« Vortrag von Manfred Osten befasst sich mit der Faust-Tragödie als Szenario unserer Krisen

von Pressestelle Klassik Stiftung Weimar

Am Mittwoch, 09. März 2011, um 19 Uhr lädt die Klassik Stiftung zu einem Vortrag von Manfred Osten in das Stadtschloss Weimar ein.

Vorsorglich hat Goethe den zweiten Teil der Faust-Tragödie versiegelt. Könnte es sein, dass er damit auch die Büchse der Pandora verschlossen hat, deren Bedeutung sich erst jetzt – vor dem Horizont der Krisen unserer Zeit – zu offenbaren beginnt?

Die Möglichkeit globaler Dimensionen unserer Krisen hat Goethe spätestens 1825 erkannt. Die globale Unterwerfung aller Lebensbereiche unter das absolute Diktat der Beschleunigung bilanziert er in einem Brief mit dem Wort »veloziferisch«. Das Wort, das die Eile (velocitas) mit Luzifer, dem Teufel, verbindet, ist für Goethe zugleich das Betriebsgeheimnis der Globalisierung. In »Faust II« antizipiert er zudem ein weiteres global entfesseltes Instrument. Goethe beschreibt hier bereits ausführlich das geheim-offenbare Schwunggrad der Wachstumsdynamik des globalen Dorfes: das schnelle Geld im Weltinnerraum des virtuellen Kapitals und der Verwöhnungstreibhäuser der Konsum- und Fortschrittsgesellschaft. Gleichzeitig nimmt er das Versagen der Aufsichtseliten beim Auseinanderdriften von Finanz- und Realwirtschaft vorweg und hat darüber hinaus auch die geistigen, moralischen und ökologischen Kollateralkrisen dieser Geburtsstunde einer radikalen Monetarisierung und Ökonomisierung aller Lebensbereiche metaphorisch gespiegelt mit dem Ergebnis der Prophetie Mephistos: »… auf Vernichtung läufts hinaus«.

Manfred Osten wird den hochaktuellen Fragen dieser Szenarien unserer Krisen bei Goethe nachgehen und dabei auch die Frage erörtern, was wir in Konfrontation mit ihnen tun können.

Manfred Osten studierte Rechtswissenschaften, Philosophie, Musikwissenschaften und Literatur in Hamburg und München sowie Internationales Recht in Luxemburg. 1969 erfolgte die Promotion mit der Arbeit »Über den Naturrechtsbegriff in den Frühschriften Schellings«. Der Auswärtige Dienst führte Manfred Osten nach Frankreich, Kamerun, Tschad, Australien und Japan, zwischenzeitlich stand er im Auswärtigen Amt verschiedenen Referaten vor. Von 1995 bis 2004 war er Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bonn. Unter seinen Publikationen zu kulturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Themen nehmen Studien zu Goethe (z.B. »Alles veloziferisch oder Goethes Entdeckung der Langsamkeit«, Frankfurt am Main 2003) einen zentralen Stellenwert ein.

Veranstaltungsdaten
»Goethe – Der Schwarzseher des 21. Jahrhunderts?
Die Faust-Tragödie als Szenario unserer Krisen«
Mittwoch, 09. März 2011 | 19 Uhr
Stadtschloss Weimar | Festsaal
Burgplatz 4 | 99423 Weimar
Eintritt: Erw. 3 € / erm. 1 €

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