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| Erschienen in Ausgabe: No 46 (12/2009) | Letzte Änderung: 12. November '11 |
Dauerhafter Stress, unabhängig davon ob er endogener oder exogener
Natur ist, macht krank! Die Folgen werden als „Burnout Syndrom“
bezeichnet - prominentes Beispiel war letztes Jahr Ottmar Hitzfeld,
dieses Jahr der ein oder andere Börsianer-, worunter der totale
körperliche Erschöpfungszustand mit psychischen wie auch physischen
Auswirkungen verstanden wird. Dabei handelt es sich um ein in unserer
modernen Gesellschaft weitverbreitetes Phänomen. Das
Forschungsbedarf sowie wissenschaftliche Fundierung bezüglich der
Zusammenhänge und insbesondere für die Therapie besteht, beweisen
die Entstehung diverser Forschungszentren in Deutschland, wie zum
Beispiel an der Universität Trier, die zur Untersuchung
stressbedingter Erkrankungen 1997 ein
beispielhaftes Konzept entwickelte. Im Rahmen eines
Kooperationsvertrages zwischen Universität und Caritas
Trägergesellschaft wurde das Forschungszentrum für Psychobiologie
und Psychosomatik (FPP) aufgebaut. Kliniknah wird seit 1997
Grundlagenforschung zu zustandsbezogenen Gesundheitsstörungen
durchgeführt. 117 Psychologen, Ärzte, Psychologen und
Naturwissenschaftler erforschen in den zwölf Abteilungen und
Schwerpunkten des FPP psychobiologische Prozesse, welche
psychosomatische Erkrankungen auslösen und aufrechterhalten. In der
Grundlagenforschung werden Veränderungen des autonomen
Nervensystems, des Immunsystems und des Hormonsystems bei chronischem
und akutem Stress erforscht. Auch an der Universität Jena widmen
sich verschiedene Fakultäten dem Thema Stress und dieses Jahr wurden
Prof. Dr. Michael Ristow und Prof. Dr Klaus Benndorf mit dem
Thüringer Forschungspreis im Rahmen ihrer Forschungsergebnisse
ausgezeichnet.
Grundsätzlich hat die kurzfristige
Konfrontation des menschlichen Organismus mit Stress eher positive
Auswirkungen, denn sie ermöglicht erst geforderte Höchstleistungen
mittels eines gut abgestimmten Zusammenspiels von Nerven und
Hormonsystemen. Die durch die Stresssituation ausgelösten Prozesse
sollen dem Körper sogar helfen mit der per se stressigen Situation
fertig zu werden. Als einer der Wegbereiter der wissenschaftlichen
Auseinandersetzung mit dem Phänomen Stress gilt der kanadische
Endokrinologe Hans Selye (1907-1982), der sich in seinem Werk „The
Physiology and Pathology of Expose to Stress“ mit den spezifischen
und unspezifischen Reaktionen des Körpers auf Stress
auseinandersetzt und ein Stresskonzept entwickelte. Dabei legt er
drei Phasen fest: In der Alarmphase kommt es zum sogenannten
initialen Schock durch die Exposition mit einem stressigen Ereignis.
Die dadurch mobilisierten Kräfte ermöglichen in der darauffolgenden
Widerstandsphase die nunmehr vermehrten Belastungen zu bewältigen.
Im Detail funktioniert das vereinfacht dargestellt folgendermaßen:
Ein Stressor bewirkt die Ausschüttung des körpereigenen Hormons
Adrenalin. Damit verbunden sind Anstieg des Blutdrucks und des
Herzschlages sowie des Kortisonspiegels als sogenanntes Stresshormon
im Blut. Diese vegetative hormonell-nervale Steuerung vermittelt
durch eine Reizsetzung seitens des Gehirns macht den Organismus
erstmal resistenter gegenüber den eigentlich schädigenden
Einflüssen. Erstmal – denn dauert der Zustand exogener oder auch
endogener Stressoren zu lange an, sind diese mobilisierbaren Reserven
früher oder später aufgebraucht. Es folgt unumgänglich das
sogenannte „Erschöpfungsstadium“ mit seinen breiten Facetten
körperlicher und seelischer Beschwerden. Die Widerstandkraft fällt
vereinfacht ausgedrückt und fatalerweise unter das Ausgangsniveau
zurück, der Körper wird anfälliger für schädigende Noxen. Die
geschilderten Abläufe sind bis zu einem gewissen Punkt reversibel,
können aber auch schwerwiegende Erkrankungen wir Herzinfarkte und
Krebs auslösen. Es bleibt in erster Linie die Aufgabe des
Betroffenen selbst, Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.
Hilfestellung wird vielerorts geleistet, ein Beispiel seien die
„Karlsruher Stresstage 2008“ vom 4. bis 11. November, deren Ziel
es ist, Kompetenz in Bezug auf Stress- und Ressourcenmanagement zu
entwickeln, Stressoren soweit als möglich auszuschalten und durch
gesundheitsfördernde Maßnahmen zu ersetzen. Schon der Dichter
Juvenal hat mit seinem satirischen Ausspruch „Mens sana in
corpore sano“ dafür plädiert den Zustand körperlicher und
geistiger Erschöpfung durch Gebete und Fürbitten bei den Göttern
zu verbessern, wobei er den Zustand, dass nur in einem gesunden Köper
ein gesunder Geist stecke, als wünschenswert, nicht als zwingend
notwendig erachtete. „Das Glück deines Lebens hängt von der
Beschaffenheit deiner Gedanken ab“, schrieb der römische Kaiser
und Philosoph Marc Aurel, so dass die mentale Einsicht in die
Problematik der erste Schritt zur Besserung sein muss.
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