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| Erschienen in Ausgabe: No 45 (11/2009) | Letzte Änderung: 12. November '11 |
Die
Ganzkörperkräftigungsmethode Pilates scheint, obwohl schon vor 80
Jahren entwickelt, beliebter und aktueller denn je. Dies gilt
zumindest für den aufgeklärten Sportinteressierten, der sich offen
für neue Sporttrends zeigt, wenngleich in Deutschland bislang der
prozentuale Anteil der Pilatestreibenden gegenüber den
traditionellen Breitensportlern immer noch gering ist. Dabei trifft
sie den Zahn der Zeit, da der Wunsch nach „bewußter“
Körpererfahrung, gepaart mit einem effektiven Training, weit
verbreitet ist.
Im
Mittelpunkt der Methode steht der Rücken und die Tatsache, daß
dieser heute extremer als je zuvor belastet ist. Als Pilates
seinerzeit die Methode entwickelte und kommerziell zu vermarkten
begann, war sie höchstens bei Tänzern und Leistungssportlern
gefragt, die Sportmedizin steckte noch in den Kinderschuhen –
Rückenschmerzen standen noch nicht an Platz eins der
Volkskrankheiten. Die positiven Effekte auf die Körpermitte und die
Wirbelsäule, die in den letzten Jahren im Zuge von
Professionalisierung und Suche nach neuen Therapieformen
wissenschaftlich untersucht und determiniert wurden, standen nicht im
Vordergrund der ehemals Pilatestreibenden, sondern eher die Ästhetik
in der Bewegung und körperliche Fitneß. Ein wichtiges Zeugnis aus
der damaligen Zeit bildete dafür die Grundlage für das heutige
Pilatestraining: Joseph Hubert begann in den frühen 30er-Jahren die
Erfolge seiner Methode systematisch zu dokumentieren, wobei er seine
Kunden jeweils vor der ersten und nach der dreißigsten
Trainingsstunde fotografierte. Seine Erkenntnis aus dieser
Dokumentation ist der werbewirksame, von vielen Pilatesstudios oft
zitierte, Ausspruch:
"Nach 10 Stunden fühlen Sie den Unterschied,
nach 20
Stunden sehen Sie den Unterschied
und nach 30 Stunden haben Sie
einen neuen Körper."
Im
Alter von 54 Jahren begann Pilates seine Erkenntnisse auch
schriftlich festzuhalten. In "Your Health" formulierte er
die Eckpunkte zu seiner Trainingsmethode. Gerade in den letzten
Jahren wurde diese in vielen Punkten gemäß den Erkenntnissen
moderner Sportmedizin überarbeitet und aktualisiert, so daß sich
die Methode bezüglich dem Volksleiden „Rückenschmerz“ erneut
profilieren konnte. Die Effekte des Pilatestrainings auf die
sogenannte posturale Tiefenmuskulatur (Haltungsmuskulatur) bei
zunehmenden Bandscheibenproblemen und degenerativen
Wirbelsäulenleiden sind nachweisbar und medizinisch anerkannt und im
Rahmen der Sporttherapie und Prävention wegweisend. Nicht zuletzt
die Krankenkassen zeigen sich überzeugt und bezuschussen im Rahmen
des § 20 der Primärprävention anerkannte Pilateskurse, um die
immensen Kosten zu behandelnder Rückenbeschwerden einzudämmen.
Bleibt nur noch auf die fachliche Kompetenz der Anbieter hinzuweisen,
dies hätte auch schon dem gleichnamigen Erfinder am Herzen gelegen,
wobei die Gründung des Deutschen Pilatesverbandes im April 2006 für
den deutschen Pilatesuser wegweisend war. Mit dem Deutschen Pilates
Verband gibt es erstmalig eine Vereinbarung zwischen den führenden
sechs Pilates Schulen weltweit, die die Mindestdauer einer
Pilatesausbildung, Ausbilderqualifikationen, Fortbildungspflicht und
Inhalte regelt. Daß die von ihm entwickelte Methode auch in
Deutschland einen steigenden Zulauf verbuchen wird, hätte die durch
seine eigenen gesundheitlichen Leiden motivierte Fitneßikone Joseph
Hubert Pilates, der 1923 in die USA emigrierte, wahrscheinlich nicht
zu hoffen gewagt.
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