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| Erschienen in Ausgabe: No. 31 (1/2008) | Letzte Änderung: 29. Januar '09 |
von Kurt Wuchterl, merus verlag, Hamburg 2007. 160 Seiten. ISBN 978-3-939519-44-7
von Michael Thaldorf
Der im Merus-Verlag in
der Reihe „Denkperlen“ erschienene Band versucht das Problem der
Sonderstellung des Menschen aus drei Perspektiven anzugehen.
„Freiheit“, „Geist“ und „Gott“ heißen die drei
großen Kapitel, die zugleich schon die eher philosophische und
weniger neurobiologische Stoßrichtung der Untersuchung
andeuten. Unter dem Schlagwort Freiheit wird die klassische
Determinismus-Debatte neu ausgebreitet, übrigens auch mit
Diskursen zu praktischen Konsequenzen in der Rechtssprechung und der
Grundsatzfrage nach dem Zufall in der Natur. Beinahe nur im
Vorbeigehen wird die Frage erörtert, inwiefern der Mensch sich
in die Ordnung der Natur einfügt, anstatt wie einst Krone,
Vollendung und Beherrscher der Schöpfung zu sein. Die Beziehung
zwischen Geist und Materie, verschiedene Dualismus- und
Monismusmodelle werden im zweiten, im Geist-Kapitel durchgespielt. In
Bezug auf die Frage nach der Sonderstellung des Menschen wird hier
danach gefragt ob der Geist, falls er denn das Herausragende des
Menschen darstelle, sich nicht doch als irgendwie geartetes
Sekundärphänomen einer an sich materialistisch verfassten
Welt auffassen lasse. Das dritte Kapitel befasst sich schließlich
mit der Frage nach dem Sein Gottes und einer möglicherweise rein
neurologischen oder soziologischen Erklärung der Phänomene
Religiosität und Gottesglaube. Die Feststellung, dass Gott nur
im menschlichen Gehirn existiere, weil religiöse Gefühle
und Gedanken sich auch neurologisch nachweisen lassen, wird als
unreflektierter, atheistischer Schnellschuss enttarnt. Letztlich wird
durch den Autor hier wie insgesamt kein Lösungsversuch
unternommen und keine Synthese ‚nur scheinbar unversöhnlicher‘
Positionen versucht, sondern vielmehr die Pluralität als solche
hingenommen und Grenzen der Verständigung und des
Selbstverständnisses aufgezeigt. Fast wirkt es so, als
würde zur eigentlichen Fragestellung nach der
Sonderstellung des Menschen nicht vorgedrungen werden können,
weil sämtliche vorher zu klärenden Fragen nach dem Wesen
der Welt und des Menschen keine hinreichenden, an sich plausiblen und
befriedigenden Antworten gefunden haben. Daran hat auch die
Neurologie noch nichts Grundsätzliches geändert, eben
deshalb, weil sie die ‚ewigen‘ Fragen der Metaphysik gar nicht zu
erreichen vermag.
Wuchterl ist es mit
seinem Buch sicherlich gelungen, sein Thema vielschichtig
auszubreiten und den Leser vor radikalen, aber zu kurz gedachten
Lösungen zu schützen. Die dialogische Form des Textes hat
gewiss didaktische Vorteile und macht es dem fachlich weniger
versierten Leser leichter, sich mit der Kontroversität der
Argumente vertraut zu machen, hat aber auch den Nachteil, dass die
Stringenz der Überlegungen manchmal im oberflächlichen
Schlagabtausch untergeht. Außerdem lässt die graue
Hinterlegung dieser Textteile zusammen mit der häufigen
Hervorhebung einzelner Sätze, Fragen oder Zitate in
eingebetteten Rahmen das Buch wie ein Lehrbuch wirken. Um diesen
nicht zum Text passenden Eindruck zu vermeiden, hätte der Autor
auf einige dieser ‚Merksätze‘ besser verzichtet.
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