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| Erschienen in Ausgabe: No 72 (2/2012) | Letzte Änderung: 07. Februar '12 |
von Alexander Kissler
Es gibt sanftere Polster als jenes auf dem Stuhl des
heiligen Ulrich, den unlängst Walter Mixa innehatte und auf dem nun
Konrad Zdarsa sitzt. Das katholische Bistum Augsburg gilt als
schwieriges Pflaster. Der dort seit 2010 amtierende, aus Görlitz
gekommene Bischof lässt sich, so scheint es, weder von der Querelen um
den in Augsburg ansässigen nennkatholischen Handelskonzern „Weltbild“
noch von den üblichen „kritischen Stimmen“ verdrießen, die sich für
Allgäu und Oberschwaben eine durchsäkularisierte Laienkirche wünschen.
Wer Zdarsa sieht, sieht einen munteren Herrn, nicht eben groß, eher
asketisch denn barock, eher zupackend denn klügelnd.
Wie bereits sein unmittelbarer Vorgänger stattete
Zdarsa der Gemeinde der St.-Margreth-Kirche einen Besuch ab, am „zweiten
Sonntag nach Erscheinung“. Dort wird die klassische lateinische Messe gefeiert,
wie sie von Konzilspapst Johannes XXIII. approbiert wurde. Doch welcher
ikonische Unterscheid zu Mixa: Nicht auf einem Bischofssitz wohnte
Zdarsa der Messe bei, sondern hinter einer herbeigetragenen schmalen
Bank im Chorraum, die ihm nur den Wahl ließ zu knien oder zu stehen,
stets den Altar im Blick. Auch Mitra und Stab hatte er zuhause gelassen.
Derviolette Pileolus zierte das Haupt.
War es also eher der pilgernde Mitbruder denn der residierende Hirte, der den Freunden der Tradition die Ehre erwies? War der Aufseher oder der Nachbar gekommen?
Es fand kein Pontifikalamt statt. Zelebrant war der Pater der
Petrusbruderschaft. Dieser erinnerte eingangs daran, dass die
Diaspora-Erfahrung des Bischofs aus dem Osten in gewisser Weise
korreliere mit der inneren Diaspora, in dem sich jahrelang die Anhänger
der gregorianischen Messe befanden. Auch diese mussten und müssen
mitunter große Strecken zurücklegen, um treu zu bleiben – inmitten, darf
man wohl ergänzen, blühender Wüsteneien ringsum.
Der Bischof spendete den Asperges-Segen, zog durch
die Reihen, ließ das Weihwasser herabregnen auf Gerechte und Ungerechte,
wie es Brauch ist. Des Bades bedürfen die ganz Reinen nicht, „asperge
me, Domine, hyssopo et mundabor: lavabis me, et super nivem dealbabor“.
Ins Bad der evangelischen Worte lud der Gast in der übervollen
Kirche, als er anhob zu predigen: erzählend, plaudernd fast, 25 Minuten
lang, als wolle er den rechten Ton nicht verfehlen im Angesicht der
Frommen. Traf er ihn?
„Gerade hier und heute“ und also vis-a-vis der
ungeteilt römisch-katholischen Katholiken wand er dem ökumenischen
Gespräch einen Kranz. Manchmal zeigten protestantische Gelehrte
katholischen Professoren, was eine katholische Harke sei, und beschämten
diese geradezu, „ich könnte einen Namen nennen.“ Letztlich sei die
eine, die frohe Botschaft unstrittig.
Ganz im Sinne des letzten Konzils und des
gegenwärtigen Papstes bekräftigte Zdarsa die Einheit der Sendung in der
Verschiedenheit des Dienstes: „Immer wenn die Heilige Schrift
vorgetragen wird, spricht Christus selbst zu uns, der erhöhte Herr.
Darum ist es nur Aufgabe des geweihten Priesters, das Evangelium
zu verkünden. Nur er stellt seine Person, seine Stimme, auch die
Anstrengung seines Gedankens bei der Predigt Christus zur Verfügung,
damit Er zur Sprache kommen kann, damit Er sich den Menschen mitteilen
kann. Welch hohe Verantwortung haben wir bei der Verkündigung des
Evangeliums!“ Laienpredigt ist demnach ebenso ein hölzernes Eisen wie
Laienverkündigung.
Am Schluss kehrte der Gedanke wieder. Zdarsa warnte
vor einem falschen Gerechtigkeitsempfinden in der Kirche. Die Mahnung
aus der Lesung machte er sich zu Eigen – „Wer lehrt, soll lehren“ – und
fuhr fort: „Im Laufe der Zeit hat sich bei uns vieles auf die Priester
konzentriert. Wir sollten uns (…) auf unsere persönliche Berufung
besinnen und diese ausführen und nicht versuchen, dass jeder aus
Gerechtigkeitsgründen jedes machen kann. Nein, jeder muss seiner Berufung gemäß handeln.
Das gilt es zu respektieren. Niemand soll sich anmaßen, was eigentlich
die Berufung eines anderen Menschen ist – aus Gnade wohlgemerkt und
nicht aus eigenem Verdienst.“ Priesteramt in Laienhand, so die abermals
sehr konzilstreue Pointe, wäre der nächste schwarze Schimmel.
Dazwischen wandte sich Zdarsa implizit gegen die Neigung der Bruderschaft des Hl. Pius X., für dieses oder jenes Ziel einen „Gebetssturm“
zu entfachen. Nur Beten genügt nicht; „das nämlich hieße, dass wir nur
auf den Knien liegen müssen und beten, und dann kann Gott gar nicht mehr
anders. (…) Es geht nicht darum, dass wir quasi mit anderen Mitteln –
und wenn es das Mittel des Gebets ist – unseren eigenen Willen
verfolgen.“ Beten heiße immer, auf den Willen des Vaters zu hören. Nicht
anders formuliert es Benedikt XVI. derzeit in seinen
Mittwochskatechesen.
Danach reichte man nebenan Sekt und Saft und Salzgebäck.
Sonnig war der Himmel, heiter die Stimmung. Die Zeichen des Tages
besagen: Es ist normal, wenn ein Bischof auch im außerordentlichen Ritus
betet und segnet. Es ist normal, dass Zweites Vatikanum und Alte Messe
aufeinander hören. Es wird bald normal sein, dass Bischöfe sonntags den
Ysop erflehen und den Schnee und hoffen, „iudica me“.
www.alexander-kissler.de
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