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Erschienen in Ausgabe: No 73 (3/2012) Letzte Änderung: 06.02.13

China lächelt anders oder Das Stehaufmännchen ist ein Nicht-Umfall-Mann

von Heike Geilen

Das Reich der Mitte gibt der westlichen Welt viele Fragen auf. Selbst wer meint, er habe Land und Nation verstanden, stößt bei genauerem Hinsehen auf immer neue Rätsel. Faszinierend und gleichzeitig fremd: China ist einfach anders. Soll man dieses Anderssein konkret benennen, fallen meist nur Stereotype ein. Karin Hasselblatt, die zeitgenössische chinesische Literatur übersetzt und als freie Lektorin arbeitet sowie Sprachtrainerin Sonja Wagenbrenner vermitteln Kindern ab zehn Jahren auf unterhaltsame, witzige, aber auch ernste und kritische Art und Weise viel Wissenswertes aus dem aufstrebenden Land. Altersgerecht aufbereitet gelingt ihnen eine spannende Einführung zu Themen aus Geschichte, Politik und Kultur und dem chinesischen Alltag.

Dass man in China mit Bildzeichen anstatt mit Buchstaben schreibt, ist vielleicht noch allseits bekannt. Aber dass Suppe als letzter Gang serviert wird, die chinesische Kompassnadel nach Süden zeigt, nicht die 13 sondern die 4 als Unglückszahl gilt und beim Trauern Weiß getragen wird, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr jedem geläufig sein. Wann und warum feiern die Chinesen ihre Feste? Wie isst man Nudelsuppe mit Stäbchen? Dürfen chinesische Eltern tatsächlich nur ein Kind haben? Dies sind nur einige der Fragen, die die beiden Autorinnen, die selbst in China gelebt haben, beantworten und zugleich mit manchem Klischee aufräumen. In kurzen Kapiteln spannen sie einen großen Bogen und nehmen den jungen Leser auf eine originelle und fesselnde Reise mit, die mit jeder Menge staunenswerter, amüsanter, fesselnder, liebenswerter aber auch nachdenklicher Fakten aufwartet. So erfährt man zum Beispiel, dass sich die allergrößte Mehrheit der chinesischen Bevölkerung gerade mal 100 verschiedene Nachnamen teilt. Oder dass sich Chinesen ernsthaft fragen, wie sich "Langnasen" (so werden westliche Ausländer bezeichnet) überhaupt küssen können. Das schmale Büchlein berichtet über Konfuzius und gute Drachen, klärt über den chinesischen Mondkalender, das korrekte Zählen mit Fingern auf und lockt mit solch melodisch klingenden Gerichten wie "Seidenregen und einsame Wolke" (Suppe mit dünnen Nudeln und weißen Pilzen), "Buddha hüpft über die Mauer" (Pfanne mit vielerlei gebratenem Gemüse) und "Schnee auf dem Vulkan" (Gezuckerter Tomatensalat). Aber auch das politische Geschehen findet kritische Erwähnung.
Von Zeit zu Zeit begleiten das Sammelsurium lustige Illustrationen der preisgekrönten Bilderbuchkünstlerin Antje von Stemm. Außerdem werden immer wieder unterschiedlichste Begrifflichkeiten in chinesischen Schriftzeichen dargestellt.

Fazit: "Was du schon immer über China wissen wolltest" ist ein handliches und praktisches Büchlein, dessen Aufklappen sich wahrlich lohnt, da es Kindern und auch Erwachsenen das Fremde näher bringt und nebenbei noch herrlich unterhält.


Karin Hasselblatt & Sonja Wagenbrenner
Was du schon immer über China wissen wolltest
Bloomsbury Verlag, Berlin (Februar 2012)
128 Seiten, Broschiert
ISBN-10: 3833350946
ISBN-13: 978-3833350948
Preis: 7,95 EURO

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