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Erschienen in Ausgabe: No 80 (10/2012) Letzte Änderung: 13.02.13

Duisburg und die Vorboten des nächsten Pogroms?

Seit dem Zuzug von Sinti und Roma vornehmlich in die beiden Duisburger Stadtteile Hochfeld und Bergheim ist ein Klima des Hasses entstanden. Antiziganistische Stereotypen finden sich nicht nur in weiten Teilen der Bevölkerung sondern in der lokalen Presselandschaft.

von Michael Lausberg

In den letzten Jahren kam es zu einer Zuwanderung von angeblich 5.000 Sinti und Roma vornehmlich aus Rumänien und Bulgarien nach Duisburg. Aufgrund von antiziganistischen Stereotypen werden die Migranten Opfer von gesellschaftlicher und bürokratischer Ausgrenzung.
Die Feindschaft gegen Sinti und Roma ist innerhalb der bundesrepublikanischen Gesellschaft weit verbreitet. Aus dem Völkermord im „Dritten Reich“, dem nach Schätzungen europaweit 500.000 Sinti und Roma zum Opfer fielen, hat das postfaschistische Deutschland nur sehr wenig gelernt. Die rassistischen Vorurteile wurden weiter tradiert, nach neuesten Meinungsumfragen sind zwischen 64 und 68 Prozent der Bevölkerung antiziganistisch eingestellt. „Wissenschaftler“ wie Volkmar Weiss, der Sinti und Roma als eine „erbliche Unterschicht“ minderer „Bevölkerungsqualität“ bezeichnet, tragen zu dieser ethnischen Stereotypisierung bei.
Lokale Presseorgane wie die Neue Ruhr Zeitung (NRZ) beteiligen sich an der Hetze gegen die Einwanderer und dienen als Motoren und Multiplikatoren der Ethnisierung des Sozialen. Die NRZ sieht eine „Belastung durch Zuzug von Sinti und Roma“ für die Stadt Duisburg. Die Migranten stellen „Duisburg vor soziale Probleme“. Hier wird eine perfide Täter-Opfer-Umkehr betrieben. Es wird hier suggeriert, dass angeblich 5.000 Sinti und Roma eine Stadt von ca. 500.000 Einwohnern, von denen viele selbst eine Migrationsgeschichte besitzen, bedrohen. Sinti und Roma werden zu Tätern gemacht, obwohl sie –sozial marginalisiert- von extremer Armut betroffen sind. Die Sichtweise, dass Sinti und Roma Probleme haben und nicht machen, wird nicht thematisiert. Der „stetige Zuzug“ der „Armutsflüchtlinge“ erinnert sehr stark an die Berichterstattung von hegemonialen Medien Anfang der 1990er Jahre, wo von „Asylantenschwemme“ und „Wanderungswellen“, die Rede war, die BRD angeblich bedrohen. Die Tatsache, dass Sinti und Roma besonders in Ungarn, Rumänien und Bulgarien aus rassistischen Gründen diskriminiert, verfolgt oder gar umgebracht werden, findet keine Erwähnung. Dies ist der häufigste Grund für die Flucht aus ihren Heimatländern, die Verbesserung ihrer sozialen Situation kommt meist an zweiter Stelle.
In dem bürgerlichen Stadtteil Bergheim, wo „Wutbürger“ über „Müll, Pöbeleien und Krach im Umfeld des so genannten ‚Roma-Hochhauses‘“ klagten, kam es zu einer Sammlung von ca. 300 Unterschriften, wo die „Umsiedlung“ der dort ansässigen Roma gefordert wurde. Als Begründung wurde genannt, dass die zugewanderten Roma aufgrund ihrer Mentalität und Lebensart nicht integrierbar wären. Diese Aussage trägt Züge eines kulturellen Rassismus, da den Sinti und Roma unveränderliche kulturelle und biologistische Merkmale zugesprochen werden, die eine Trennung von der Mehrheitsbevölkerung notwendig machen.
Diese Situation weckt Erinnerungen an die Vorgeschichte des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen vor mehr als 20 Jahren. Schon Monate vor dem Pogrom häuften sich beim Rostocker Senat Beschwerden über Lärm, Schmutz und Diebstähle. Die Behörden ignorierten die zahlreichen Beschwerden der Anwohner und Bewohner der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAST) über die hygienischen Zustände und die menschenunwürdigen Bedingungen im Wohnhaus. Weder Rostocker Kommunalpolitiker noch Landespolitiker in Schwerin fühlten sich zuständig.
Im Unterschied zu Rostock-Lichtenhagen gibt es (noch) keine Gruppierung der extremen Rechten, die versucht, aus der Situation in Duisburg politisches Kapital zu schlagen oder gar zu Demonstrationen aufruft. Selbst in Foren der „Freien Kameradschaften“ (militante Neonazigruppen) gibt es keine Hinweise, die zu einer gewaltsamen „Lösung“ der Problematik aufrufen. Eine Eskalation der Lage ist aber aufgrund der „extrem aufgeheizten Stimmung“ und der gestiegenen Gewaltbereitschaft von Neonazis niemals auszuschließen.
Politiker der Stadt, des Landes Nordrhein-Westfalen und auch des Bundes sind dazu aufgefordert, Konzepte zur Lösung der Situation auszuarbeiten und so schnell wie möglich umzusetzen. Natürlich sind auch Vertreter der Sinti und Roma bei diesen Gesprächen zu beteiligen. Die bisherige Strategie, über die Betroffenen zu reden, muss dadurch ersetzt werden, dass man mit ihnen redet.
In der Vergangenheit ist die Integration von polnischen Arbeitskräften, den „Vertriebenen“ nach dem 2. Weltkrieg und den „Gastarbeitern“ im Ruhrgebiet weitesgehend gelungen. Wenn der politische Wille da ist, dürfte das auch in diesem Fall funktionieren.

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nun ja...

tchi 17.01.2014 00:33

wir haben das jahr 2014 - und damit haben die roma, sinti...und wie sie alle heißen - freien zuzug. klar, das einzelne gemeinden damit überfordert sind. wenn ich lese, dass eine rumänin (10 kinder, analphabetin) nach duisburg zieht - erübrigt sich wohl dei frage, ob sie 'ernsthaft' nach einem job sucht! da zählt wohl mehr das kindergeld...und alle die schreiben, wir brauchten 'zuwanderung'...DIE wohl kaum. armutsflüchtlinge...so bedauerlich ihr schicksal sein mag - aber auf diese weise ist jedes sozialsystem zum untergang bestimmt!

Antwort auf Kultureller Rassismus

FrateDieter 08.04.2013 20:57

Ja wir Europäer und besonders wir Reichsdeutschen haben mit Störungen aus anderen Kulturen Probleme. Ich bin Pfarrer und habe 7 Jahre unter Roma und Sinti gearbeitet. Ich habe selbst ein Umdenken erlebt welches drastisch war. Obwohl ich als Missionar, mich habe zu den Roma schicken lassen, habe ich festgestellt das ich mich viel höher wie sie gefühlt habe. Die Angst vor dem schwarzen Mann war in mir. Ja Roma und Sinti sind anders für uns gefährlich anders aber auch wir sind für sie gefährlich anders. Unsere Rechtsempfinden ist von einer Induvidualkultur geprägt der Roma empfinden ist von einer Familienüberlebenskultur geprägt. Es braucht wissen und Einfühlung wenn man mit Roma arbeitet. Es gibt soziologisch entwurzelte Roma (bis 1856 versklavt in Rumänie) es gibt Roma die sich an eine Kultur gelehnt haben und es gibt Roma die noch in Stammesverbänden leben. In Rumänien habe ich geholfen, dass es eine selbsständige Romakirche gibt. Kirche ist ein Spielfeld des Lebens wo nicht sofort bei einem Fehler Gefängnis droht. In diesem ihren eigenen Schutzraum können Roma sich langsam stärken. Und starke Roma sind Roma die ihren Platz in Europa finden. Aber auch wir brauchen Stärke um die Andersartigkeit und Fremde auszuhalten und in einen fruchtbaren Austausch zu kommen. Anders war es doch auch nicht als die nördlichen Babaren (unsere Vorfahren) das römische Reich überfluteten. Wir haben Angst vor dem Fremden und genau dass führte und führt zur Ablehnung von Menschen (Bildern Gottes) wegen ihrer uns störenden Andersartigkeit. Genau das ist Rassismus. Den haben auch die Roma, sie sagen zu sich "ma sem Rom" ich bin ein Mensch wir werden Gadschu genannt und das heißt Babar. Gut ist es wnn mann den eigen Rassismus erkennt und nach neuen Wegen sucht. Integration ist immer eine Zweibahnstraße. Übrigens die Formel Blut und Boden funktioniert nicht Gott selbst teilt den Boden den Völkern zu. Und wenn unser Volk keine Kinder mehr bekommt werden in Zukunft andere Völker zwischen Reihn und Elbe leben. Und es wird gut sein weil es Gottes Geschichte ist. Oder sind sie der Meinung wir haben wegen unserer deutschen Abstammung ein ewiges Recht ungestört unter uns zu sein? Genau diese Schwärmerei nennt mann Rassismus.

Kultureller Rassismus

fstockel 17.02.2013 21:35

Es ist nun wirklich eine Unverschämtheit,den Bürgern Rheinhausens unterstellen zu wollen, das diese Rassisten sind. Fakt ist, das die Bürger dort die Integrationsunwilligkeit von Sinti und Roma am eigenen Leib zu spüren bekommen. In zb. einem Haus leben über hundert Personen, für die die Polizei alleine im Jahr 2012 mehrmals täglich dort Einsätze fahren musste. Es ist ein Hort der Kriminalität! Die Bürger dort fühlen sich im Stich gelassen, was ich gut verstehen kann. Ein Großteil der gestiegenen Straßenkriminalität geht zu Lasten von diesen Migranten. Demnächst ab 2014 bekommen ja alle unsere Sozialhilfe ausgezahlt, dann ist es hoffentlich weniger kriminell hier in Deutschland. Lieber Autor dieses Artikels, wir Deutsche sind nach ihrer Einschätzung wohl alle geborene, unbelehrbare Rassisten, auch Nazis genannt, die einfach kein Recht auf Ruhe, Ordnung und Frieden haben dürfen! Habe ich Sie da richtig verstanden?

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