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Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe Letzte Änderung: 20.05.13

Kunst nach Konzept?

Die 5. Thambacher Kunsttage geben sich frech, sinnlich, theorielastig und rätselhaft

von Hans Gärtner

Selbst im Titel ihrer zweiteiligen Skulptur ist die Wasserburgerin Hanna Schöll („Graphik Design % Illustration“) noch wortverspielt: „Barbiepferd geteilt durch 2 mit Tontorsi“ betitelt sie ihre neue Kreation „Zentauren“. Ganz schön frech ist sie geblieben, sexy sowieso. Zwei beleuchtete lebensgroße Pferdeköpfe aus durchscheinendem Papier schauen von der Längswand des Ganges links, den ein schwarzer Münchner Friedensengel argwöhnisch bewacht. „Die ganze Abteilung gehört mir“, betont Hanna Schöll, die es nicht mag, mit ihren Objekten in der zwei Stockwerk hohen Thambacher Villa verstreut auszustellen. Ihr Friedensengel ist betont weiblich, nix Androgynes, schon gar nix Männliches ist an dem schwarzen Götterboten dran. Schwarz auch der dreimal zum Sprung ansetzende Tiger in einem der ihr zugesprochenen Räume. Wandschriftlich kriegt der Besucher zu lesen: „mondscheinweiche KATZEN-TATZEN – nackter Waltzer auf Asphalt“ – und darf raten, was damit gemeint ist. (Das „t“ vor dem Walzer-„z“ gibt ein zweites Rätsel auf.)

Zum Raten ist man nach Thambach gefahren? Warum nicht. Rätselhaft ist die Realität, erst recht das, was Kunst in sie hineinsetzt. „Der Künstler teilt seine Idee mit und stellt sie zur Verfügung“, erklärt Kunsttage-Sprecherin Susanne Donalies und fährt sinngemäß fort: „Ideen arbeiten im Kopf und im Herzen des Betrachters weiter.“ Schaut man sich in ihrem Zimmer mit vielsagenden, aber nicht weniger rätselhaften Fenster-Installationen um, wird viel von Konzeptkunst geschrieben, die aus der Minimalart entwickelt wurde und der nicht nur sie selbst folgt. Da ist – wie der mit großen, auf der Wiese vor der Villa dekorativ verteilten „Erzählkugeln“ erstmals in Thambach vertretene Maitenbether Glaskünstler Peter Schwenk – die Thambach-Debütantin Monika Reinhart schon weniger didaktisch, wenn sie zugibt, bei laufender Jazz-Musik große fast quadratische Flächen mit Farben zu bepinseln – frei von jeder Kopf-Idee, „einfach so“. Da werden Gefühle und Stimmungen ausgedrückt, ausgelebt.

Präzise wie immer und voller Phantasie: Stefan Kleinhanns, wieder mit frag-würdig betitelten Gemälden wie „Luna“ oder „Begleiter“, daneben die geheimnisvollen Porträts seiner Partnerin Michaela Schulte, ihre „Serie Frühling“ ein paar Schritte weiter zeigt – auch sie eine Thambach-Novität – Angela Smets, die als „Gastkünstlerin“ fungiert wie Christine Ott mit vertikal Gestreiftem und seltsam trockenen roten Verkettungen auf zig weißen Papieren: Spiel um des Spieles willen? Christian Hess, der als einziger beteiligter Kunstschaffender bei der mit Leckerem für Gaumen und Gurgel und Perkussionen für die Aufheiterung der erwartungsvollen Gemüter bei schönstem Maiwetter abgehaltenen Vernissage fernblieb, spricht den echten Minimalisten mit farblosen Stücken an, während Michael Pickl mit seinen fröhlichen Schönen und Schlanken aus dem Oberpfälzischen für Schmunzeln sorgt.

Bei Lena Zehringer vergeht einem dies – angesichts ihrer „Kleinkinderköpfe“, die, aufgereiht wie zur Puppentheatervorführung, mit Entenschnäbeln und Wuschelhaar umgestaltet, den Betrachter um Erlösung aus der ungewollten Verballhornung zu bitten scheinen, in einem engen Raum sind sie gar aus Bronze gegossen und stehen auf von innen her begrünten Glaspodesten. Nicht dass man unbedingt zu den Fans des im Gesamtprospekt hoffentlich nicht absichtlich übersehenen Scherz-Keks Nikolaus Keller zählen will – aber manchmal wäre ein Wort der erklärenden „Konzeption“ schon angebracht. Vita und Schaffensnachweise in Klarsichthüllen werden, wie beobachtet, von Besuchern wohl deswegen nicht genügend gewürdigt, weil sie zu viel Info enthalten. Ein Geheft mit wenigen, aber kompakten Statements zu den aktuell gezeigten Werken könnte da gute Dienste leisten. Ein Sponsor für sowas müsste doch zu finden sein.

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