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Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe Letzte Änderung: 02.03.09

Neuer Bauhaus-Chef plant "Bauhaus-Stadt"

Der neue Direktor der Dessauer Bauhaus-Stiftung, Philipp Oswalt, hat die Vision einer "Bauhaus-Stadt".

von Egidius Schwarz

Das mittelfristige Ziel seiner fünfjährigen Amtszeit sei, für die Bauhaus-Stätten in Dessau die Frage der Nutzung neu zu stellen und ein gemeinsames Konzept zu erarbeiten, sagte der 44-jährige Berliner Architekt in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Zunächst jedoch bereitet er das Bauhaus-Jubiläum vor - vor 90 Jahren gründete Walter Gropius die internationale Architekten- und Designschule. So wird es unter anderem eine Ausstellung und ein Buch mit zwölf Aufsätzen geben, das die Instrumentalisierung des Bauhauses bis in die Gegenwart thematisiert.
Die Nutzung der Dessauer Gebäude zusammenzuführen, sei ganz im Sinne der Idee der Bauhauskünstler, sagte Oswalt. Davon betroffen wären das Bauhaus selbst, das ebenfalls von Walter Gropius entworfene Arbeitsamt, die vier Meisterhäuser und die Ausflugsgaststätte Kornhaus am Ufer der Elbe. "Das wird allerdings schwierig, weil alle Häuser unterschiedliche Eigentümer haben", sagte Oswalt, der am Sonntag die Nachfolge von Omar Akbar antrat. Akbar hatte die Stiftung zehn Jahre lang geleitet.
So müsste die Stadt das Gropius-Arbeitsamt, in dem derzeit das Ordnungsamt von Dessau-Roßlau untergebracht ist, frei machen. "Die Rekonstruktion des vierten Meisterhauses, des Wohnhauses von Gropius, ist problematisch", sagte Oswalt. "Ich werde mich aber in die Rolle des später Dazugekommenen fügen." Hier soll nach den gegenwärtigen Planungen der gesamte Service auch für das Bauhaus untergebracht werden - "und im Keller ein bisschen Martin Gropius".
Er sehe es lieber, wenn das Haus im Sommer von internationalen Gästen wieder zum Wohnen und Arbeiten genutzt wird. "Den Rest des Jahres kann es besucht werden. Die anderen Meisterhäuser von Moholy-Nagy/Feininger, Muche/Schlemmer und Klee/Kandinsky sind ja immer zu besichtigen", sagte der neue Direktor.
Oswalt sieht in Oberbürgermeister Klemens Koschig einen guten Partner. "Er fühlt sich dem Label Bauhaus verpflichtet und sieht sich in der Tradition des früheren Oberbürgermeisters Fritz Hesse." Hesse hatte das Bauhaus nach seiner Vertreibung aus Weimar im Frühjahr 1925 nach Dessau geholt. Die Stiftung Bauhaus wird getragen von der Stadt, dem Land Sachsen-Anhalt und dem Bund. Die Meisterhäuser gehören zur Stadt.
Zu den Zielen von Oswalt, der auch in Kassel Architekturtheorie lehrt, zählt die Einführung einer Sommerakademie mit etwa 60 Studenten und 10 Dozenten aus internationalen Hochschulen. "Das Bauhaus war eine dynamische Migration von Menschen und Ideen und deshalb müssen wir fortgeschrittene Studenten und junge Wissenschaftler aus der ganzen Welt nach Dessau holen." Oswalt gehört zu jenen Architekten, denen Rekonstruktion zuwider ist und die nach neuen städtebaulichen Ideen streben. Er ist ein scharfer Kritiker des Wiederaufbaus des Berliner Stadtschlosses.

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