Drucken -

Die aktuelle Juli-Ausgabe 2016 ist da!

Anzeige
Erschienen in Ausgabe: No 93 (11/2013) Letzte Änderung: 21.10.13

BERLIN ART WEEK

von Jan Löw

Dies ist eine Erfolgsgeschichte aus Berlin. Zum Saisonstart vereint die BERLIN ART WEEK freie Kunstinitiativen und Projekträume mit großen Namen der Kultur- und Museumslandschaft, einer DOKU.ARTS Filmreihe und den Kunstmessen art berlin contemporary und PREVIEW BERLIN.
Zu diesem Markenfächer aus 21 Segmenten gesellen sich über 400 Ausstellungen in Galerien und als größeres Messeformat die BERLINER LISTE. Damit ist Berlin auf einem guten Weg. Bieten sich doch zeitgleich Beirut, Helsinki, Huston, Madrid, Malaysia und vor allem Chicago für den Kunst Jetset als alternative Kunstmesse Events. Doch nirgendwo wird so viel getanzt, wie in Berlin.
Los geht´s am 17. September in der Auguststraße open air gegenüber der Galerie Eigen + Art. Zwischen Klangteppichen von DJ´s wird Herr Wowereit 19.30 h die Eröffnung verkünden. Ein paar Meter entfernt sendet Thomas Schütte aus dem me COLLECTORS ROOM „Schöne Grüße“ in Form von Druckgrafiken und Plastiken. Gleich daneben steht das Tor der Kunstwerke weit offen. Hier heißt das Thema „Keilrahmen“. Unter der großen Überschrift „Painting Forever!“. Wer alle 4 Standorte zum Thema noch am Eröffnungsabend besuchen möchte, muss spurten. Besonders empfohlen sei die Eröffnung Franz Ackermannscher Raumerfahrung „Hügel und Zweifel“ in der Berlinischen Galerie. In der Kunsthalle der Deutschen Bank werden vier weibliche Positionen, in der Neuen Nationalgalerie vier männliche präsentiert. Danach, zurück in der Auguststrasse, im Spiegelsaal von Clärchens Ballhaus zu tanzen, ist ein besonderes Erlebnis. Hier wirkt alles wie aus der Zeit gefallen. Riesige Spiegel mit Sprüngen, die wohl aus dem letzten Weltkrieg stammen, werden von Schrauben zusammen gehalten.
Neu im Hauptprogramm ist eine überschaubar gehaltene Auswahl von Institutionen und Kunstprojekten. Ausgewählt von unanfechtbaren Experten. Was bei der finanziellen Lage abseits der künstlerischen Leuchttürme dringend geboten scheint.
www.berlinartweek.de/de/jury-2013.html
Monica Bonvicini, Claudia Wahjudi und Klaus König haben u. a. das Zentrum für Kunst und Urbanistik in Moabit ausgesucht.
Nach der Einladung zum Honigbrot Picknick am 20.9. um 17 h, Nachschub wird in den hauseigenen Bienenkörbe ständig produziert, stehen die Ateliers offen. Lesungen, Videoinstallation und Gespräche in einer Sauna machen diesen Abend besonders.
In Berlins Chausseestrasse zeigt Alejandro Cesarco auf Einladung des Neuen Berliner Kunstvereins bis 1. November sein Video „Musings“. Hierin öffnen Künstler ihre Gedankenwelten zum Umgang mit Vorbildern wie Ingmar Bergman.
DOKU.ARTS – Second Hand Cinema im Zeughauskino am Deutschen Historischen Museum hat einen anderen Ansatz. Regisseure versuchen, Hebammen gleich, Künstlerportraits mit der Kamera zu schaffen. Betse De Paula nimmt den Betrachter mit in die Pariser Wohnung des Reportagefotografen Sebastiao Salgado. Anekdoten erweitern den Raum hinter dem Sichtbaren. 18.9. + 25.9./20h
doku-arts.de/2013/de/programme/Revelando-Sebastiao-Salgado
Sophie Huber lässt Harry Dean Stanton, Travis aus „Paris Texas“, zur Gitarre amerikanische Volkslieder singen. Dazwischen schneidet sie Sequenzen mit David Lynch oder Wim Wenders. 24.9./20h, 27.9. /19h
doku-arts.de/2013 /de/programme/Harry-Dean-Stanton-Partly-Fiction
Leidenschaftlich Kunst zu sammeln, kann schon mal zum Erwerb eines großen Ausstellungsgeländes führen. Das Sammler Ehepaar Haubrock zeigt dies in der ehemaligen Fahrbereitschaft der DDR Staatsregierung an der Herzbergstrasse 40 – 43. Vom 20. Bis 22. September ist eine Auswahl ihrer Schätze an den Nachmittagen zu bestaunen. Nur am Samstag lässt Ivo Wessel dort in seine Videogarage schauen.

Zu den großen Messen.

Umgezogen ist die Preview Berlin. Bis zum Beginn des Umbaus für das neue Domizil der Schauspielschule „Ernst Busch“ sind die alten Opernwerkstätten an der Zinnowitzer Strasse ein aufregender Ort. Vom 19. bis 22. September zeigen hier 77 Aussteller aus 5 Kontinenten ihr Programm. FOCUS ACADEMY gibt Kunststudenten die Gelegenheit, sofort auf großer Bühne zwei Karrieretreppen auf einmal zu nehmen. Was für ein Bild Studierende aus Dresden, Halle, Ljubljana, Offenbach und Weimar dabei abgeben? Sammler schauen besonders genau hin. Besonderes Interesse ist Tilo Baumgärtel (Galerie Kleindienst), Carina Linge (Jarmuschek & Partner) und Gerard Mas (3 Punts Galeria) gewiss. Sollten Martin Möhwalds Keramikobjekte noch nicht ausverkauft sein, zögern sie keine Minute (Kunstraum Jena). Eröffnungsparty zu später Stunde am 19. September im Prince Charles am Moritzplatz.
Am gleichen Tag startet die art berlin contemporary. Mehr als ein Preisniveau über der PREVIEW. Im Focus stehen hier 120 Projekte und Werke der Künstler. Galeristen sind auf eine Einzelpräsentation beschränkt, oder arbeiten hierfür mit Kollegen zusammen. Vieles ist performativ. 14 Projekträume zeigen für jeweils nur zwei Stunden im Eingangsbereich der „Station Berlin“ ihr Angebot. Eigentlich müsste man die ganze Zeit vor Ort sein. Dafür gibt es Lectures, Gesprächsrunden, Buchpräsentationen und die Bar.
Entsprechend dem Preisniveau sind auch die Kontexte der Arbeiten sehr speziell. Santiago Serras Fotografie aus der Vogelperspektive zeigt die Wüstenumgebung des Samara Flüchtlingscamps in Algerien. Vor deren Toren er mit einer Straßenbaumaschine die Buchstaben SOS 1,7 x 5 Kilometer groß in den Sand schreiben ließ. Sierra zielt genau auf das katholisch-schlechte Gewissen. Es ging nicht um Lebensmittelspenden (KOW, Lisson Gallery).
Noch nicht Teil der BERLIN GALLERY WEEKEND Partnerschaft ist die BERLINER LISTE.
Eröffnung ist im ehemaligen Kraftwerk an der Köpenicker Straße schon am 18. September um 18 h. Besonderes Augenmerk verdient hier die neu etablierte Fotosektion. Lee Millers Portrait der jungen Meret Oppenheim wird bestimmt nicht lange an der Wand der Galerie Hiltawsky hängen bleiben. Schließlich ist im Gropiusbau gerade eine große Oppenheim Retrospektive zu sehen. Noch nicht solchen Ruhm, dafür gute Aussichten, hat Alexander Gehring mit seinen okkulten Aufnahmen aus der Dunkelkammer.

Lassen sie sich positiv überraschen!


BERLIN ART WEEK 17. Bis 22. September 2013.

Museumsausstellungen und Galerieausstellungen natürlich langfristiger geöffnet.

www.berlinartweek.de/de/programm/berlin-art-week.html
www.artberlincontemporary.com
www.previewberlin.com/Sites/ueberunsd.html
www.berliner-liste.org

>> Kommentar zu diesem Artikel schreiben. <<

Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte hier an.

Neueste Artikel ▲

Meist gelesene ▼

  •  
  • Anzeige
  •  
  • Anzeige
  •  
  •  
  •  
Zum Seitenanfang zurück