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| Erschienen in Ausgabe: No 70 (12/11) | Letzte Änderung: 15. Januar '12 |
Elke Heidenreich Eine Reise durch Verdis Italien. Flieg, Gedanke.. Gekürzte Lesung; Sprecherin: Elke Heidenreich Random House Audio (Oktober 2008) 2 CDs, ca. 146 Minuten ISBN-10: 3866049285 ISBN-13: 978-3866049284 Preis: 19,95 EURO
von Heike Geilen
Am 10. Oktober jährte sich der Geburtstag eines
aufbrausenden, temperamentvollen und dabei doch wortkargen und in sich
gekehrten Mannes zum 195. Mal. Nicht nur seine Musik ist legendär, sondern auch
seine Sensibilität und Menschlichkeit sind in die Geschichte eingegangen. An
sie erinnert die von ihm gegründete Casa Verdi in Mailand, ein Altersheim für
mittellos gewordene Musiker an der Piazza Buonarotti. Hier sind der große
Komponist und seine zweite Ehefrau, die Sängerin Giuseppina Strepponi,
begraben. Die Rede ist natürlich von dem großen italienischen Komponisten
Guiseppe Verdi.
Elke Heidenreich hat sich nach Italien begeben, um in die
noch immer vorhandene Aura des Künstlers einzutreten und ihre ganz persönliche
Geschichte mit Verdi zu erzählen.
Dabei hat sie nicht vor, neues hinzuzufügen, denn "alles, alles ist über Guiseppe Verdi schon
geschrieben worden, von Bewunderern, Kritikern, Anbetern,
Musikwissenschaftlern. Es gibt nichts, was ich dem noch hinzufügen könnte. Ich
kann und will auch nicht mit überwältigenden neuen Recherchen aufwarten. Ich
kann im Grunde nur meine eigene Geschichte von Verdi erzählen, dessen Photo
goldgerahmt auf meinem Schreibtisch steht: ein weißhaariger, klug blickender
alter Herr von über achtzig Jahren, mit Samtjacke und Fliege, ein leises
Lächeln unter einer scharfen Nase (...) der, wie seine zweite Frau Giuseppina
Strepponi sagte, im Alter immer schöner wurde."
Entstanden ist ein wunderbar empathisches Hörbuch, das
stimmungsvolle Bilder der Emilia Romagna - Verdis Heimat - zeichnet und
erstaunt feststellt, dass über hundert Jahre nach seinem Tod immer noch eine
ganze Menge von ihm spürbar ist. Das sind nicht nur die unzähligen Geschäfte,
Hotels, Cafes, die seinen Namen tragen, sondern es gibt zum Beispiel auch eine
"Salame [Salami] Verdi" oder aber Pizzen die mitunter
"Aida", "Otello", "Nabucco" oder "Don
Carlo" heißen.
Seine Musik ist natürlich immer noch allerorts zu hören.
"Kaum ein besseres italienisches
Restaurant kommt ohne seine Musik aus, und in jeder kleinen und erst recht
großen Oper werden seine Stücke aufgeführt, der Saal ist voll, man kennt die
Melodien und summt mit.", verrät Elke Heidenreich. 28 Opern, ein wenig
geistliche und Kammermusik sowie drei Kantaten stammen aus der Feder des
italienischen Komponisten. Verdi hatte ein unnachahmliches Gespür, den Gesang
der inneren Dramatik eines Librettos anzupassen und nahm selbst immer großen
Einfluss auf die Handlung seiner Werke.
Doch in der Hauptsache war es seine Musik, die ihn - auch
wenn er zum Symbol für den Freiheitskampf Italiens, das in jenen Jahren um
seine Einheit rang, wurde - bei allen populär gemacht hatte. Seine Arien nahmen
den Charakter von Massenschlagern an. Bei Opernaufführungen wurden sie
minutenlang gefeiert, man sang sie in den Osterien und auf der Straße, und
selbst die Kinder pfiffen die Melodien.
Was dem Hörbuch - im Gegensatz zur gebundenen Ausgabe - an Visualisierung
fehlt, wird durch die wundervolle Musik mehr als ausgeglichen. Neun - zum Teil
historische Mitschnitte - "entschädigen" um ein Vielfaches. Zu hören
sind zum Beispiel das berühmte "La donna è mobile" aus seinem
"Rigoletto", "Celeste Aida" aus "Aida" oder eine
Aufnahme aus dem Jahr 1946, in der der Westminster Chor und das NBC Symphony
Orchestra die berühmte Ouvertüre "Va pensiero" aus dem "Nabucco"
dem Hörer Schauer der Ergriffenheit über den Rücken jagen.
Elke Heidenreich nimmt in gewohnt entspannter und lockerer
Atmosphäre mit, auf eine Reise, die in Le Roncole, in Verdis Geburtshaus
beginnt, bis nach Sant'Agata, seinem kreativen Rückzugsort. Sie bereist
Florenz, Bologna und Parma, wo Verdi mit den Aufführungen seiner Werke große
Erfolge feierte oder aber betritt solch berühmte Opernhäuser wie "La
Scala" in Mailand und "La Fenice" in Venedig.
Letztendlich hat sie nicht nur ein liebevolles, ja beinahe
zärtliches Bild dieses Mannes gezeichnet, der sie bereits seit frühester
Kindheit begleitet, sondern sie skizziert ein ebenso stimmungsvolles Bild von Verdis
Italien.
Zum Abschluss macht die Autorin noch einmal Halt in Busetto
und erlebt in einem kleinen Lokal den "perfekten Augenblick": "Momente wunderbaren Glücks, in denen alles
stimmt, die Luft, das Licht, die Umgebung. Das Herz kommt zur Ruhe, die Seele
fliegt und die Zeit könnte stillstehen. Weil es aber bleibendes Glück nicht
gibt, steht sie nicht still. Doch das nimmt dem Augenblick nichts von seiner
Kostbarkeit. (...). Wie viel haben wir den Künstlern, wie viel haben wir der
Musik, wie viel haben wir Verdi zu verdanken. Zum Beispiel solche Augenblicke,
die unser Leben, aneinandergereiht, zu einem glücklichen machen."
Elke Heidenreich hat auf ihrem Hörbuch einiges für den Hörer
erlebbar gemacht.
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