Drucken -

Die aktuelle Juli-Ausgabe 2016 ist da!

Anzeige
Erschienen in Ausgabe: No 99 (05/2014) Letzte Änderung: 09.05.14

„Nie war es herrlicher zu leben …“
Die Stadt München verlieh dem Schriftsteller Hans Pleschinski ihren Literaturpreis 2014

von Hans Gärtner

Alle drei Jahre wird er vergeben, der Literaturpreis der Stadt München. Den ersten erhielt Carl Amery, den letzten Keto von Waberer, 2014 kommt Hans Pleschinski in den Genuss der Ehre und der Preissumme von 10 000 Euro. „Zwischen Zivildienst und Studium“ traf der zwanzigjährige Sohn eines Dorfschmiedes aus der Lüneburger Heide 1976 in München ein, wo er noch heute wohnt, im Glockenbachviertel, und sich „keine Sekunde langweilte“ – so sein Bekenntnis zu der Stadt, die in vielen seinen Büchern nicht gerade gut wegkommt. „Möge München so bleiben, dass es junge Menschen an- und nicht fortzieht nach Berlin“, wünschte der von Kulturreferent Hans-Georg Küppers Ausgezeichnete.

Küppers lobte Pleschinskis eleganten, der Schönheit und dem Barock verpflichteten Schreibstil, dem Lebensheiterkeit und Festlichkeit nicht abzusprechen seien. Geliebt sei der Autor vom Publikum, seine Buchauflagen seien mehr als erstaunenswert. Der Verdacht läge nahe, dass dieser Preis nur ein vorläufiger sei.

Für den aus Berlin bestellten Laudator Jens Bisky ist Pleschinskis Roman „Bildnis eines Unsichtbaren“ (2002) das „schönste München-Buch überhaupt“, in dem der Autor ein Tänzchen mit der Kulturgeschichte wage. Mit seinen schönen Jünglingen wie dem eigenen, wegen AIDS an den Tod verlorenen Geliebten Volker, spiele er „fürwahr kein Verstecken“. Sie seien edle, wilde, ferne Abkömmlinge von Winckelmanns Idealfiguren, der Freude, Schönheit und Liebe zugeneigt. Die Gesellschaft sei eins der großen Themen, denen des Preisträgers zärtlicher Blick für die Unwahrscheinlichkeiten gelingenden Zusammenlebens gelte.

Das zeige er deutlich im letzten, nun auch ins Russische übersetzten Thomas-Mann-Roman „Königsallee“. Gerne würde der Autor dem im Münchner Literaturhaus-Saal dicht gedrängt sitzenden Publikum die Passage vorgelesen haben, in der Thomas Mann sich zur Ruhe begibt. Das aber habe er bereits in Rostock, Berlin und Prien getan, und deshalb sinniere er lieber über Punkt, Komma, Semikolon und Fragezeichen. Er tat es heiterer und weniger anmaßend als sein Bisky seine Eloge vortrug. Dem Preisträger gelang es auf erfrischende Weise, die lautstark beklatschten Einlagen des aus Köln angereisten Countertenors Kai Wessel in seinen Dankes-Kosmos einzubeziehen. Mit Gabriel Batailles „Air à boire“ wurde man daran erinnert, dass – woran Küppers zu denken empfahl – Hans Pleschinski vor zwei Jahren zum Ritter geschlagen wurde und mit „Chevalier“ anzusprechen sei. „Nie war es herrlicher zu leben“ – diesen Titel gab Pleschinski denn auch dem von ihm übersetzten Tagebuch des Herzogs von Croy.

>> Kommentar zu diesem Artikel schreiben. <<

Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte hier an.

Neueste Artikel ▲

Meist gelesene ▼

  •  
  • Anzeige
  •  
  • Anzeige
  •  
  •  
  •  
Zum Seitenanfang zurück