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Erschienen in Ausgabe: Ohne Ausgabe Letzte Änderung: 31.07.14

Höhepunkt im Weltkriegs-Jahr 2014: Ausstellung »Krieg der Geister. Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914« bestimmt Weimars Rolle als ›Hort der deutschen Kultur‹ am Vorabend und während des Ersten Weltkrieges

von Pressestelle Klassik Stiftung Weimar

Anlässlich des Beginns des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren präsentiert die Klassik Stiftung Weimar vom 1. August bis 9. November 2014 die Ausstellung »Krieg der Geister. Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914« im Neuen Museum Weimar. Der Weg in den Ersten Weltkrieg, in diese »Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts« (George Kennan), war jenseits der militärischen Aufrüstung auf allen Seiten durch zunehmende gesellschaftlich-kulturelle und künstlerisch-ästhetische Konflikte geprägt. Die Ausstellung der Klassik Stiftung setzt sich mit der Rolle Weimars als ›Hort der deutschen Kultur‹ am Vorabend und während des Krieges auseinander.

Der Eröffnungsabend
Die Eröffnung für geladene Gäste findet am Freitag, 1. August 2014, um 18 Uhr vor dem Neuen Museum Weimar statt. Die Ministerpräsidentin des Freistaats Thüringen, Christine Lieberknecht, sowie Roland Merten, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, sprechen Grußworte. Im Anschluss an die Eröffnung gehen der Philosoph Peter Sloterdijk und der Autor Manfred Osten in der Weimarhalle den Gründen der Bildungskatastrophe nach, die 1914 manifest wurde. Von 20 bis 23 Uhr ist die Ausstellung bei freiem Eintritt für alle Interessierten geöffnet.

Die Ausstellung
Die geistigen Eliten Europas befürworteten vehement den Ersten Weltkrieg, allerdings mit kontroversen Argumenten. Ihr ›Krieg der Geister‹ entzündete sich vor allem an der proklamierten Überlegenheit der deutschen Kultur, für die Weimar als nationaler Identitätsort stand. Mit rund 450 Exponaten widmet sich die Schau der geistigen Mobilmachung im Deutschen Reich – in der Vorkriegszeit, aber auch während des Krieges. »Wir konzentrieren uns auf die Rolle Weimars, das sich nach dem Tode Goethes und Schillers im Laufe des 19. Jahrhunderts immer stärker zu einem ›Wallfahrtsort deutscher Kultur‹ entwickelte«, erläutert Kuratorin Gerda Wendermann. Um an diesem Mythos teilzuhaben, zogen auch nach der Jahrhundertwende viele Vertreter unterschiedlichster Geisteshaltungen nach Weimar, vor allem Literaten, z.B. Ernst von Wildenbruch, der erfolgreichste Dramatiker des Kaiserreiches. »In Weimar verdichteten sich am Vorabend des Krieges die kulturellen Gegensätze und weltanschaulichen Diskurse«, so Wolfgang Holler, Generaldirektor der Museen. »Unsere Ausstellung zeigt die öffentlichen Debatten am Beispiel von acht Protagonisten aus Weimar und Jena auf: Sie sind Modernisierer und Bewahrer, Nationalisten und Demokraten.« Im Fokus stehen Großherzog Wilhelm Ernst, Elisabeth Förster-Nietzsche, Schwester des Philosophen Friedrich Nietzsche, der Agitator Adolf Bartels, der Naturforscher Ernst Haeckel, der Philosoph Rudolf Eucken, der Verleger Eugen Diederichs, der Weltbürger Harry Graf Kessler und schließlich die Frauenrechtlerin Selma von Lengefeld.

Gleich einem Prolog startet die Ausstellung mit dem Moment der Mobilmachung während der Abschiedsfeier des Weimarer Bataillons am 7. August 1914, um dann im ersten Teil auf die strategische Ausrichtung der Residenzstadt als nationalem Erinnerungsort abzuzielen. Der Ruf nach einer nationalen Kultur bestimmte nach der Jahrhundertwende maßgeblich die regen Debatten um die künstlerische Moderne. Insbesondere das klassische Erbe Weimars wurde überhöht. Der zweite Ausstellungsteil widmet sich dem eigentlichen ›Krieg der Geister‹ und steht ganz im Zeichen der Kriegseuphorie: Die deutschen Eliten stilisierten den Weltkrieg zu einem ›Heiligen Krieg‹, der die deutsche Kultur verteidigen sollte. Das deutsche Sendungsbewusstsein zielte auf die europaweite Dominanz der deutschen Kultur, während die ›überalterte Dekadenz‹ der französischen Kultur oder der ›Händlergeist der Briten‹ verächtlich abgewertet wurde. Die Alliierten hingegen zeichneten ein Bild deutscher ›Barbarei‹. Dass sich die geistige Elite in den kriegführenden Ländern eine öffentliche Debatte über die Rechtmäßigkeit des Krieges lieferte – ein wahrer Kulturkrieg in europäischen Dimensionen – ist ein einzigartiges Phänomen, das es in keinem anderen Krieg gab. Die Ausstellung endet mit einem Blick auf die weitere Entwicklung der weltanschaulichen und gesellschaftspolitischen Debatten nach der Revolution und der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrags. Angesichts der neuen Fraktionen und Verhärtungen war die symbolträchtige Verlegung der konstituierenden Sitzung der Nationalversammlung von Berlin nach Weimar zu Beginn des Jahres 1919 von zentraler Bedeutung, um den »Einheitsgedanken, die Zusammengehörigkeit des Reiches« (Friedrich Ebert) zu stärken. Scheinbar unbeschädigt von der Instrumentalisierung während der Kriegsjahre konnte der ›Geist von Weimar‹ mit dem Aufbau des neuen Deutschen Reiches verbunden werden. Zur Ausstellung präsentiert die Klassik Stiftung einen umfangreichen Katalog, der im Sandstein Verlag, Dresden, erscheint. Das Büro VON M, Stuttgart, gestaltete die Ausstellung.

Das Rahmenprogramm zur Ausstellung
Die Ausstellung begleitet ein vielfältiges Rahmenprogramm. Unter dem Titel »Stimmen Weimars« lesen vom 14. August bis zum 16. Oktober bei freiem Eintritt und an verschiedenen Orten in Weimar Schauspieler des Deutschen Nationaltheaters (DNT) aus Briefen und Tagebüchern von Weimarer Persönlichkeiten. Am 4. Oktober lädt die Klassik Stiftung zu der szenischen Nachtlesung »Die Geister des Krieges« ins Neue Museum ein. In seinem satirischen Theaterstück »Wunder um Verdun« stellte Hans Chlumberg die Frage, was wäre, wenn die Gefallenen des Ersten Weltkrieges plötzlich auferstehen würden. Schauspieler, Sänger und Musiker des DNT lassen die Geister des Krieges ausgehend von Chlumbergs Text im Museum auferstehen. Ausgehend von der Rolle Weimars als »Hort der deutschen Kultur« setzen sich die renommierte Wissenschaftler und Publizisten Philipp Blom, Gangolf Hübinger und Ulrich Sieg in drei Vorträgen mit Fragestellungen zu den Wechselwirkungen von Krieg und Kultur auseinander. Étienne François und Herfried Münkler befassen sich in einer Podiumsdiskussion am 5. September mit der Rolle der europäischen Kultureliten seit 1914. Die Diskussion moderiert Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung. Sonderführungen und Angebote für Lehrer und Schüler runden das Programm ab.

Die Förderer der Ausstellung
Die Ausstellung »Krieg der Geister. Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914« wird großzügig gefördert von der Kulturstiftung der Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung. Der Dank der Klassik Stiftung Weimar gilt in gleicher Weise dem Stadtarchiv Weimar, dem Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar, der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, dem Stadtmuseum Weimar, dem Kino mon ami, der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar und dem Hochschularchiv/Thüringisches Landesmusikarchiv.

Eröffnungsabend
Freitag, 1. August 2014 | 18 Uhr
Feierliche Eröffnung
Vor dem Neuen Museum Weimar
Weimarplatz 1 | 99423 Weimar

Freitag, 1. August 2014 | 19.30 Uhr
Peter Sloterdijk im Gespräch mit Manfred Osten
Seminargebäude Weimarhalle
Unesco-Platz 1 | 99423 Weimar
Der Eintritt ist frei, eine Einlasskarte erforderlich.
Karten sind am Stand der Klassik Stiftung Weimar in der Tourist-Information erhältlich.

Freitag, 1. August 2014 | 20 bis 23 Uhr
Bei freiem Eintritt ist die Ausstellung für alle Interessierten geöffnet.

Ausstellungsdaten
»Krieg der Geister. Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914«
1. August bis 9. November 2014 | Mi–Mo 10–18 Uhr
Neues Museum Weimar
Weimarplatz 5 | 99423 Weimar
www.klassik-stiftung.de/2014
www.blog.klassik-stiftung.de

Eintrittspreise (inkl. Audioguide)
Erw. 5,50 Euro | erm. 3,50 Euro | Schüler (16–20 J.) 1,50 Euro

Kombiticket »Krieg der Geister«
Erw. 9 Euro | erm. 6 Euro
Gültig für die Ausstellung »Krieg der Geister« und das Nietzsche-Archiv sowie für die Ausstellungen »Demokratie aus Weimar. Die Nationalversammlung 1919« und »FUROR TEUTONICUS. Ein Postkartenalbum aus dem Jahre 1914« im Stadtmuseum Weimar und die Ausstellung »Aus dem alten Weimar. Monumentalgemälde vom Vorabend des Ersten Weltkrieges« in der Kunsthalle Harry Graf Kessler.

Führungen
Regelmäßige Führung
So | 11 Uhr

Kuratorenführungen
So | 10. August, 7. September, 28. September, 26. Oktober | 11 Uhr

Thematischer Stadtspaziergang
So | 24. August, 14. September, 19. Oktober | 14 Uhr
Erw. 3 Euro | erm. 1 Euro
Treffpunkt: Stadtschloss Weimar, Museumskasse
Dauer: ca. 120 Minuten

Katalog zur Ausstellung
»Krieg der Geister. Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914«
Hrsg.: Wolfgang Holler, Gerda Wendermann und Gudrun Püschel unter Mitarbeit von Manuel Schwarz
Gefördert von der Ernst von Siemens Kunststiftung
352 Seiten | 285 Abbildungen
Preis Museumsausgabe: 39 Euro
Sandstein Verlag | ISBN 978-3-95498-072-7

Besucherinformation
Stand der Klassik Stiftung Weimar in der Tourist-Information
Markt 10 | 99423 Weimar
TEL +49 (0) 3643 | 545-400
FAX +49 (0) 3643 | 41 98 16
info@klassik-stiftung.de
www.klassik-stiftung.de


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