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Erschienen in Ausgabe: No 104 (10/2014) Letzte Änderung: 16.10.14

VANITAS - Contemporary Art in der Galerie Bernheimer

von Anna Zanco-Prestel

Das 150. Jubiläum (s.Art. Nr. 98 4/2014) seines erfolgreichen Kunsthandelsunternehmens nutzt Konrad O. Bernheimer zur Ankündigung einer Neuorientierung und Neudefinierung seiner Aktivitäten angesichts eines sich in rasantem Wandel befindenden Kunstmarktes. Neben der 2005 mit Tochter Blanca gegründeten Fine Art Photography Collection ruft er nun mit Tochter Isabel die Künstleragentur Bernheimer Contemporary Art Solutions and Projects ins Leben, die sich mit dem aktuellen Kunstgeschehen intensiv beschäftigen und sich sowohl junger aufstrebender als auch etablierter Kunstschaffender annehmen wird.
In die Agentur wird die heute inmitten der pulsierenden Berliner Kunstszene „lebenden und atmende“ Isabel Bernheimer ihre fünfzehnjährige Erfahrung im internationalen Kunstbetrieb einbringen, die sie an hochkarätigen Projekten u.a. mit Olafur Eliasson, Foster Huntington oder Heinz Mack) beteiligt gesehen hat. In ihrem Bestreben, selbst kühnste Visionen Wirklichkeit werden zu lassen, versteht sie sich als „Moderatorin, Managerin und Produzentin der Konzepte und Ideen der Künstler“ und ebenso als Vermittlerin deren immer komplexer werdenden Inhalte für den globalen Markt.
Zur OPENart 2014 stellt sich als Gast der Galerie an der Brienner Strasse VANITAS, ein von ihr kuratiertes multimediales Cross-Over Projekt, das neue Akzente setzt und dennoch keinen Bruch mit der Familientradition darstellt. Inszeniert wird das zeitlose Thema der Unausweichlichkeit des Todes und des Nachdenkens über die eigene Zerbrechlichkeit, das seit dem 15. Jahrhundert und vor allem in der Barrock-Zeit als Gattung des „Vanitas-Stillebens“ große Popularität genoss. Dies allerdings in der Sprache der zeitgenössischer Kunst mittels Zeichnungen, Collagen, Installationen, Objekte und Skulpturen, die in Bezug zu historischen Wunderkammerobjekten wie dem Blumenstillleben des holländischen Malers Hendrick de Fromentiou oder dem männlichen Skelett aus dem Besitz vom Hans Lehr, dem Leibarzt Kaiser Willhelms II, gebracht werden.
Als Hommage an die „Schönheit der Vergänglichkeit“ zeigt der aus Hannover stammende, in Berlin lebende Jan Kuck u.a. eine zur Reflexion einladende Installation, in der farbiger Wachs aus sieben schwarzen von der Decke hängenden Glaskugellampen auf am Boden liegende zerbrochene Spiegelsplittern tröpfelt und sich in die daraus entstehenden Formen widerspiegelt. Leuchtdioden - montiert auf einer Skupltur namens „Noumenon“, bestehend aus einem mit einer Betonschicht ummanteltem Sockel aus Styropor – „malen“ wiederum illusorische Schattenblumen an Wände und Decken.
Krankheit und Heilung bestimmen thematisch die quadratischen Tuschezeichnungen auf pulverisiertem Gips auf Holzplatten wie auch die humoristischen Collagen mit lebensgroßen Scherenschnitten von Skeletten aus Papier des 1976 in Argentinien aus einem jüdischen Vater und einer katholischen Mutter geborenen Viktor Aluf. Sinnbildlich für sein Dasein in der Schwebe zwischen den Religionen und den Grenzen steht ein Stück des zwischen den Papierschichten seiner Bilder eingearbeiteten altem, echtem Stacheldrahts, das Israel von Palästina trennt. Das Spannungsfeld zwischen Fragilität und Stabilität findet Ausdruck bei dem vor fünf Jahren aus einer Leukämieerkrankung geheilten Künstler in seinen wie kleinen Skulpturenpaare aussehenden Wirbeln aus Bronze und Gips, die die Basis einer Installation aus Nerven ähnelnden weißen Fäden bilden. Eine tief bewegende Botschaft der Hoffnung ist schließlich die poesievolle Videoarbeit „Barefood in the Dark“ als „visualisierte Parabel“ des griechischen Mythos der Büchse der Pandora, die die Ausstellung krönt.
Ergänzt wird die Schau - in einem Separé - von einer erlesenen Auswahl zeitgenössischer Schalen aus England, die von Künstlern unterschiedlicher Herkunft und Erfahrung aus verschiedenen Materialien wie Keramik oder Bronze realisiert wurden.

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