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Erschienen in Ausgabe: No. 36 (2/2009) Letzte Änderung: 03.02.13

Randolf Rodenstock im Gespräch mit Dirk von Nayhauß

von Dirk von Nayhauß und Randolf Rodenstock

In welchen Momenten fühlen Sie sich lebendig?

Ich fühle mich generell lebendig. Wenn ich was Neues denke, fühle ich mich allerdings besonders lebendig, geistige Anregungen sind für mich ein Höhepunkt. Ich habe ein Institut gegründet, das Roman Herzog Institut, wo wir Fragen der Zeit diskutieren, das ist für mich ein Quell besonderer Lebendigkeit. Erst kürzlich hatten wir einen Workshop, da kamen acht Wissenschaftler der unterschiedlichsten Disziplinen, Psychologen, Philosophen, Wirtschaftler und Theologen. Wir haben uns über das Thema Gerechtigkeit ausgetauscht. In den politischen Debatten wird mit diesem Begriff ja furchtbar dilettiert und polemisiert, genauso wie mit dem Begriff sozial, das ist eine Schande. Für mich ist das sozial, was nicht nur dem Einzelnen nutzt, sondern der Gemeinschaft, und nur so kann Soziale Marktwirtschaft funktionieren. Sozial gerecht wäre es beispielsweise, Subventionen, die an Unternehmen in Deutschland gezahlt werden, dramatisch zurückzufahren und so eine allgemeine Steuersenkung zu finanzieren, und das wäre auch ökonomisch sinnvoll.

An welchen Gott glauben Sie?

An zwei Götter: Der eine ist der Gott des Physikers. Der Gott, der die Naturgesetze geschaffen hat, der in seiner Spiritualität den Kosmos durchdringt. Der andere ist der katholische Gott meiner Kindheit, der personalisierte Gott in der Gestalt Jesu. Gerade als Kind habe ich in der Religion viel Geborgenheit gefunden. Aber auch heute habe ich irgendwie noch eine gehörige Portion seligen Gottvertrauens. Gehe ich das rational an, weiß ich natürlich, dass mir jeden Tag etwas Schlimmes passieren kann. Aber daran denke ich nicht. Als Unternehmer bleibt einem ohnehin nichts anderes übrig, da muss man den Tag positiv und optimistisch beginnen, sonst hat man gar keine Chance, sonst geht man unter.

Hat das Leben einen Sinn?

Es ist schwer, das a priori zu sagen. Ex post geht es, nach dem Motto: Sinn ist, was sich hinterher als sinnvoll erwiesen hat. Ich selbst gebe meinem Leben den Sinn, dass ich versuche, Menschen in ihrer Entwicklung und Entfaltung zu unterstützen.

Muss man den Tod fürchten?

Ich würde mir wünschen, so alt zu werden, dass ich des Lebens müde bin ­ nicht überdrüssig, sondern müde. Jetzt reicht’s! Rauszugleiten aus dem Leben, das wäre schön, aber das eigene Ende kann man sich nicht aussuchen. Den Tod selbst fürchte ich nicht. Es wird eine völlig andere Form der Existenz sein, in der sich das Ich aufgelöst hat, das Ich ist dann nicht mehr.

Welche Liebe macht Sie glücklich?

Eine Liebe, die hingebungsvoll ist, die Geborgenheit bietet und kein Gefängnis darstellt, keine Besitzansprüche stellt. In der ich nicht gebraucht, sondern geliebt werde.

Welchen Traum möchten Sie sich noch unbedingt erfüllen?

Keinen, aber es gibt einen starken Wunsch: noch einmal etwas zu lernen, vielleicht sogar ein Studium. Ich finde Kosmologie hochinteressant, das Wesen und die Entstehung des Kosmos. Es gibt so viele Geheimnisse darum, die ich begreifen möchte. Ich habe allerdings Zweifel, ob ich gescheit genug bin, relativistische Quantenmechanik zu verstehen. Und gegenwärtig habe ich dafür gar keine Zeit, ich führe ein intensives Leben und bin gut ausgelastet mit meinen vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Ich könnte es natürlich ruhiger angehen lassen, aber diese Ämter halten mich fit. Und ich gebe zu ­ es soll ja eitle Männer geben ­ dass es nicht unangenehm ist, hie und da als wichtig betrachtet zu werden. Zugleich ist mein Motiv ein altruistisches. Das Schicksal, der liebe Gott, haben es gut mit mir gemeint: Ich bin gesund, ich wurde in ein wohlhabendes und einigermaßen brauchbares Elternhaus geboren. Da will ich den Menschenetwas zurückgeben.

Haben Sie Freunde?

Ja, nur eine Handvoll, aber das sind wirkliche Freunde. Meinen ältesten und engsten Freund kenne ich seit 54 Jahren, meinen jüngsten habe ich bei der Bundeswehr kennen gelernt. Ein wirklicher Freund ist seitdem nicht hinzugekommen. Wenn man jung ist, gibt man sich ja viel unbefangener, als Erwachsener öffnet man sich nicht mehr so. Heute will ich mich auch gar nicht jedem öffnen. Es gibt den berühmten Spruch: Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein. Sich ein bisschen öffnen und ein bisschen verschließen ­ das ist nötig für die seelische Hygiene.

Randolf Rodenstock, geboren am 31. März 1948 in München. Sein Urgroßvater gründete 1877 die Firma Rodenstock, heute einer der führenden Hersteller von Brillen und Brillengläsern. Randolf Rodenstock studierte Physik, seit 1977 leitete er die Firma gemeinsam mit seinem Vater, 1990 wurde er alleiniger Chef. 2003 wechselte er in den Aufsichtsrat, später verkaufte die Familie die Anteile des Brillengeschäfts an Finanzinvestoren. Rodenstock ist unter anderem Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und Vizepräsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Er ist seit 1971 verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und wohnt in München.

Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Dirk von Nayhauß und Chrismon, Das evangelische Magazin. (www.chrismon.de.)

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