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| Erschienen in Ausgabe: No 39 (5/2009) | Letzte Änderung: 05. September '11 |
von Nike Wagner
„Die Ideale“ lautet das Kunstfest-Motto 2009. Es ist der
Titel einer sinfonischen Dichtung von Franz Liszt nach dem gleichnamigen
Gedicht von Friedrich Schiller. Sie wurde anläßlich der Enthüllung des
berühmten Doppeldenkmals von Goethe und Schiller unter Liszts Leitung 1857 in
Weimar uraufgeführt.
Der deutsche Idealismus, in Weimar fruchtbar geworden, ist
vorbei. „Ideale“ aber gibt es weiterhin. Sie bedeuten Hoffnung, geben der
Gesellschaft, dem Leben, der Kultur eine Richtung. Doch Ideale haben auch die
fatale Neigung, zu kippen, Ideologie zu werden.
Unsere Ideale des Schönen stammen aus der Antike. Seit der
Renaissance geisterten sie durch die europäische Kunstwelt, um schließlich,
vergröbert und deformiert, zu den politischen Helden-Idealen der Moderne zu
werden: von Praxiteles zu Arno Breker. Heute kehrt die Antike in den Formen der
Körperkult- und Schönheits-Industrie wieder, auch mangelt es unserer
Gesellschaft nicht an Entwürfen von Schein- und Ideal-Welten, das
Urlaubsparadies ist nur eine davon.
Gegen die Ideale steht aber – grundsätzlich – nicht nur die „Wirklichkeit“.
Das wäre zu einfach. Ideale definieren sich auch durch ihre Dekonstruktionen
und Gegen-Ideale. Die Ästhetiken des Häßlichen hielten schon in der frühen
Moderne gegen das Idealschöne, das Dionysische gegen das Apollinische, die
Avantgarden gegen etablierte Ordnungen.
Wo aber stehen wir heute, wer bestimmt unsere ästhetischen
und gesellschaftlichen „Ideale“?
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