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| Erschienen in Ausgabe: No. 34 (4/2008) | Letzte Änderung: 12. November '11 |
Seit der Eröffnung
im Herbst 1997 ist die Fondation Beyeler im kleinen Basler Vorort Riehen eine
beständige Attraktion, die wie kaum ein Museum für Kunst einen stets steigenden
Besucherstrom zu verzeichnen hat. Allein im Milleniumsjahr kamen 250 000 Kunstinteressierte
in das von Renzo Piano in enger Auseinandersetzung mit der Sammlung, dem
Stifter und dem Ort geschaffenen Gebäude für die Präsentation moderner
Kunst.Der 127 Meter lange Bau lagert
wie ein Schiff an der verkehrsreichen Strasse und wird von einer mit Porphyr
verkleideten Mauer gegen den Alltagslärm geschützt. Eine Oase, die sich nicht
selbst zum Kunstwerk aufspielt, sondern optimale Ausstellungsbedingungen für
die Sammlung der Familie Beyeler bietet und zugleich in eindrucksvoller Weise die
Beziehung der Werke zur Außenwelt definiert. Respektvoll paßt sich der
schlichte und moderne Bau des Architekten den Parkanlagen außen und denBildernund Skulpturen im Museum
gleichermaßen an. Stets wird die Betrachterperspektive auf das Bild und in die
Natur gelenkt und für den Besucher bleiben Zeit und Raum für uneingeschränkten
Kunstgenuss. Resultat ist eine Stimmung des Besonderen und Unwiederholbaren,
quasi eine Sensationsfülle, die dem Besucher sofort bewußt wird, denn Beyeler stellt
die Wirkung des Optischen über das Kunstgeschichtliche und bringt somit
Raumgestaltung, Betrachterperspektive und Werk in einen sinnlichen, spürbaren Einklang.
Bei der Auswahl
der Bilder und Skulpturen spielte die spontane Gewissheit hoher Qualität die
übergeordnete Rolle, die seitdem die verwöhnte Kunstöffentlichkeit in Atem
hält. Dabei wird auch als Gewinn der Verweis auf „Fehlstellen“ in der Sammlung
gedeutet, daß heißt, daß bewußt eine Vielzahl künstlerischer und stilistischer
Ausprägungen ausgelassen werden. Die Sammlung umfaßt heute 200 Werke und
besitzt einen unverkennbaren französischen Akzent. Erst spät waren zum Beispiel
Bilder amerikanischer Künstler wie Mark Rothko, Roy Lichtenstein und Andy
Warhol dazugekommen als Zeichen des malerischen Aufbruchs der 80er Jahre. Die Ursprünge
der Fondation Beyeler liegen in der Übernahme eines kleinen Antiquariats 1945, das
von Beyeler nach und nach zu einem Ausstellungsraum für Bilder umfunktioniert
wurde. So entstand die „Galerie du Château d’ Art in Basel und nicht wie ursprünglich
von Beyeler erwogen in Zürich. 1951 richtet er nach einer gelungenen Etablierung
durch mehrere Ausstellungen in der Kunstszene seine erste Gemäldeausstellung
ein mit Bildern von Bonnard, Gaugin, Matisse und Picasso ein und es gelingen
erste geschäftliche Beziehungen mit dem Kunstmuseum in Basel. Als günstig für
den Kunsthandel erwies sich die Tatsache, daß die Bilder im Gegensatz zu heute,
noch für Ärzte, Direktoren und Rechtsanwälte, erschwinglich waren und ein Handel
somit für die zu diesem Zeitpunkt eher bodenständige Galerie überhaupt möglich
war. Stets behielt Beyeler Werke, die bei ihm ganz besondere Zuneigung gefunden
hatten und so blieb er neben dem Handel auch Sammler. Einen Großteil der Sammlung
erstand er in den 60er Jahren durch seine außerordentliche Bildbegabung von
einem Pittburger Industriellen. Hierunter waren Werke von Léger, Miró, Picasso
und Mondrian. Diese Beziehung erwies sich auch als Grundstein für die weltweite
Reputation Beyelers. Eine Vielzahl seiner Picassobilder erwarb er 1957 vom
Künstler selbst und einige der Werke, wie zum Beispiel die „Improvisation 102“
von Kandinsky repräsentieren ihre ingeniöse Stellung innerhalb favorisierter
Werke und haben somit in ihrer Singularität einzustehen für die gesamte
kunstgeschichtliche Leistung des Malers. So kommt es, daß Monet das
impressionistische Kapitel ganz für sich alleine bestreiten muß. Mit den Jahren
kam eine stattliche Anzahl von Bildern zusammen, die erstmals 1989 in Madrid in
ihrer gesamten Übersichtlichkeit präsentiert wurde und somit musealen Charakter
demonstrierte. Zuvor, 1982, war die Sammlung schon in eine Stiftung überführt worden
und heute demonstriert die Fondation Beyeler eine ganz persönliche Sicht
auf die klassische Moderne.
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