Jetzt sind es nur noch sechs Autoren, die sich Chancen auf den diesjährigen Deutschen
Buchpreis ausrechnen können. Als Finalisten des Wettbewerbs nominierte
die Jury: Jan Faktor, Thomas Lehr und Melinda Nadj Abonji. Doron
Rabinovici bleibt neben Peter Wawerzinek und Judith Zander ebenfalls auf
der Auswahlliste. Der Sieger soll am 4. Oktober bekannt gegeben werden.
Zu dem Wettbewerb hatten deutschsprachige Verlage fast 150
Neuerscheinungen eingereicht. Der Deutsche Buchpreis (dbp) zeichnet seit 2005 jährlich den
„besten Roman deutscher Sprache“ aus. Gestiftet wurde er vom Börsenverein des
Deutschen Buchhandels. Der Sieger erhält 25.000 Euro, die fünf anderen Finalisten
je 2.500 Euro.
Der Verdacht, doch für die Stasi gearbeitet zu haben, läßt Bestseller-Autor Günther Wallraff nicht los. Laut der
Zeitung "Berlingske Tidende" soll der Journalist über die Begegnung mit einem Stasi-Mitarbeiter 1971 nicht die
volle Wahrheit gesagt haben. Dies sei aus einem kürzlich entdeckten
Papier des dänischen Geheimdienstes hervorgegangen. Demnach hatte sich Wallraff damals
mit dem ostdeutschen Stasi-Mitarbeiter Heinz Gundlach
unter vier Augen in einem Kopenhagener Hotel getroffen. Der Autor von "Ganz unten" hatte
aber angegeben, Gundlach im Beisein weiterer Personen
getroffen zu haben. In einer Verhandlung vor dem
Hanseatischen Oberlandesgericht 2006 wurde dies als
entlastender Faktor gewertet. Damals hatte sich Wallraff erfolgreich gegen die Behauptung der "Bild"-Zeitung gewehrt, als
Stasi-Spitzel tätig gewesen zu sein.
Die Edition "Flammarion" in Paris teilte mit, daß sie die Plagiatsvorwürfe gegen Bestsellerautor Michel Houellebecq nicht gelten lassen will. Wie aus der Metropole an der Seine zu hören war, verwendet Houellebecq in seinem
neuen Roman "La carte et le territoire" zwar Auszüge aus Internetseiten als
literarisches Rohmaterial, doch könnte dabei von einem Plagiat nicht gesprochen werden, da der Autor die Vorlagen künstlerisch bearbeite. "Flammarion" reagierte damit auf einen
kritischen Artikel in der französischen Ausgabe des Online-Magazins "Slate". Darin
wurden Passagen aus dem Roman Houellebecqs und Auszüge aus bestimmten
Artikeln der Internet-Enzyklopädie "Wikipedia" über Künstler einander gegenübergestellt. Dabei waren auffällige wörtliche Parallelen zu erkennen.
"La carte et le territoire" erscheint am 8. September.
Lisz Hirn begibt sich auf Spurensuche, was dabei herauskommt, ist ein Gespräch mit einem der skurrilsten Künstler des. 20. Jahrhunderts. Antonin Artaud kommt 1896 in Marseille zur Welt. Er erwirbt
sich im Laufe seines Lebens einen Ruf als Regisseur, Schauspieler und
Theatertheoretiker. Ein Interview über die wuchernde Theaterunkultur, gesellschaftlichen
Ausstoß und die postmoderne Obszönität der Kunst. Antonin Artaud wird am 5. März 1948 tot in seiner Wohnung in
Ivry-sur-Seine aufgefunden.
Seit 20. Jahren Auf großer Fahrt: Faber & Faber feiert Geburtstag
Rechte: Faber & Faber
Unter dem Motto "20 Jahre auf großer Fahrt!"
feiert der Leipziger Verlag Faber & Faber am 5. September sein 20-jähriges
Bestehen. 1990 wurde er von Elmar Faber und seinem Sohn in Berlin gegründet. Anfang
2010 wurde der Verlag beim bundesweiten Wettbewerb "365 Orte
im Land der Ideen" für seine Reihe "Die DDR-Bibliothek" als
"Ausgewählter Ort 2010" ausgezeichnet. Ab 1975 war Faber Verleger von "Edition Leipzig" und von 1983 bis 1992 Verleger des
Aufbau-Verlages sowie von "Rütten & Loening". Zu den
Aufbau-Autoren zählten damals Christa Wolf, Volker Braun, Irmtraud Morgner und
Erwin Strittmatter. Vom ersten Buch an gehörte auch Christoph Hein dazu, dessen
Roman "Horns Ende" Elmar Faber 1985 ohne Druckgenehmigung auf den
Markt brachte.
Viele Schriftsteller - so auch Johann Wolfgang von Goethe -
fassten die Lust und den positiven Bildungseffekt einer Reise in Worte: "Die
Reise gleicht einem Spiel; / es ist immer Gewinn und Verlust dabei, / und meist
von der unerwarteten Seite; / man empfängt mehr oder weniger, als man hofft. /
Für Naturen wie die meine ist eine Reise unschätzbar: / sie belebt, berichtigt,
belehrt und bildet." In Olli Jalonens neuem Roman, der für den Finlandia
Prize nominiert war und dessen Werk nun erstmals kongenial von Stefan Moster
ins Deutschen übertragen wurde, geht es gleichfalls um eine Reise oder eher um
einen Wettbewerb, einen sehr ungewöhnlichen noch dazu.
Der Schriftsteller Günter Grass hat seine jüngeren Kollegen kritisiert. Der Schriftsteller vermißt das politische Engagement beim
Autoren-Nachwuchs. Früher sei der Beitrag der Intellektuellen zur Entwicklung der
Demokratie in Deutschland erheblich gewesen, nun zeichnet sich ab, daß es dergleichen Engagement nicht mehr geben werde. Die Finanzkrise, die Kinderarmut, die
Abschiebepraxis sowie die Schere zwischen Reich und Arm - das
seien Themen, zu denen jüngere Schriftsteller eine Haltung entwickeln
und verlautbaren sollten, so Grass.
Artikel in dieser Rubrik:
Was Kunst können sollte - Ein posthumes Interview mit Antonin Artaud
(Lisz Hirn)
Antonin Artaud kommt 1896 in Marseille zur
Welt. Er erwirbt sich im Laufe seines Lebens einen Ruf als Regisseur,
Schauspieler und Theatertheoretiker. Ein Interview
über die wuchernde Theaterunkultur, gesellschaftlichen Ausstoß und die
postmoderne Obszönität ...
Die Kunst des Reisens
(Lisz Hirn)
...
Leben wir in einer mythischen oder logischen Welt?
(Lisz Hirn)
Zur Erinnerung an Rainer Maria Rilke
(Stefan Groß)
Zaghaft und verspielt kommt das lyrische Frühwerk Rainer Maria Rilkes
dem Leser in den Blick, zaghaft die Versuche, jene große Emotionalität
zu binden, die in einer Seele schlummert, die noch ungeformt, sich ...
Heinrich Heine als Journalist
(Stefan Groß)
Gescholten und bewundert, gepriesen und verabscheut, die Facetten der
Heineinterpretation sind vielgestaltig. Spektakulär ist Heine auf jeden
Fall gewesen, auch wenn sein Abtritt von der Weltbühne vor 150 Jahren
alles andere war. Das ...
Urheberrecht und Hegemann-Wahn
(Bettina Röhl)
Anti-It-Girl Helene Hegemann verletzt offenbar notorisch Urheberrechte
Dritter. Ihr Buch, eine etwas verkorkste Ansammlung von Wörtern, ist,
unbeschadet dessen dass gerade so etwas von der Rezension zu Kunst erklärt
wird, offenbar ein Konglomerat ...
Prometheus´ Erben. Das Tragische als Schlüssel zur
Erneuerung der abendländischen Kultur.
(Lisz Hirn)
...
Rassist und Antisemit oder Patriot und Gelehrter?
(Constantin Graf von Hoensbroech)
Die Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald streitet über ihren Namenspatron
"Schillers Vermächtnis: Kulturelle Bildung" - Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler bei der Wiedereröffnung des Schiller-Nationalmuseums am 250. Geburtstag Friedrich Schillers
(Horst Köhler)
"Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei - und wär' er in Ketten geboren". Das
ist eine der bekanntesten Sentenzen von Friedrich Schiller - und es ist
sozusagen reinster Schiller: ...
Ciceroni: Cioran, Celibidache. Oder: über Musik.
(Daniel Krause)
Cioran
Es herrscht kein Mangel an
musikwissenschaftlichen Abhandlungen. Anders verhält es sich mit
Musik-Philosophie:
Zeitgenössische Ästhetik befasst sich viel eher mit
Bildender Kunst und Literatur. Sollte die viel beschworene
Sprachferne aller Musik – aller guten
Musik – ...
Nietzsches Zarathustra
(Marco Meng)
Nietzsches
Zarathustra ist ein gewaltiges Opus und beeinflusste vielleicht die Geistesgeschichte
der Menschheit mehr als jedes andere literarische Werk. Sagte ich, literarisches Werk? Ist es aber nicht
vielmehr ein philosophisches? Was offenbart sein ...
Der schöne Schein aus Wachs. Madame Tussaud feiert in Berlin
ihr einjähriges.
(Lutz Rathenow)
„Nein, der macht mir Angst!“ bekräftigt die junge Dame entschlossen und tritt
weg von Willy Brandt, mit dem sie sich nicht fotografieren lassen will: „Wer
ist denn das eigentlich?“ legt sie nach. ...
Das Ziel und das Heil des Menschen. Eine Groteske des lautstarken Lebens unweit der Krise
(Ulrich Büchler)
Die Sicherung: das Ziel des Menschen
Der einzelne Mensch hat immer ein
Ziel. Mindestens eines, sein Minimalziel. Was auch immer er tut, sein Tun ist,
sofern es bewusst geschieht, zuerst auf die Sicherung ...
Zum Gedenken an den Vater der Psychoanalyse: Sigmund Freud - 70. Todestag
(Sophie Bartholome)
„Das Unbewusste ist viel moralischer, als das Bewusste wahrhaben will.“
De felicitate.
(Lisz Hirn)
Was bedeutet es heutzutage, glücklich zu sein?
Die Notwendigkeit tragischen Denkens in Krisenzeiten
(Lisz Hirn)
“Car le tragique n´est pas une épreuve parmi beaucoup
d´autres, il est l´épreuve par excellence de l´exister comme homme.”[1]
(François Chirpaz)
Dieser Essay behandelt die These, dass
eine Renaissance des tragischen Denkens in unserer ...
Welchen Zweck hat Wahrheit?
(Teresa Tammer)
Essay zu Richard Rortys Solidarität oder Objektivität?
Antisemitismus und Literatur
(Marcel Reich-Ranicki)
Bettina Röhl im Interview mit Marcel Reich-Ranicki
Marcel Reich-Ranicki - der große Theaterdonner im deutschen Literaturbetrieb!
(Bettina Röhl)
Reich-Ranicki
ist ein großartiger Provokateur und ein verkannter Opportunist. Ein
Film zeigt jetzt sein frühes Leben und auch sein Überleben im
Warschauer Ghetto. Aus diesem Anlass erscheint hier ein Nachdruck des
Interviews der Autorin ...
Unwissen macht
nichts? Das Prinzip
Verantwortung wird 30
(Teresa Tammer)
Vor 30 Jahren erschien ein Buch mit dem
Titel: Das Prinzip Verantwortung. Versuch
einer Ethik für die technologische Zivilisation. Der Autor, Hans Jonas
(1903-1993), schrieb es als Antwort auf die drängenden Fragen der ...
Warum Vorlesen wichtig ist
(Lutz Rathenow)
Warum wollen kleine Kinder bestimmte Bilderbücher immer wieder vorgelesen bekommen? Bis sie diese auswendig können. Um diese selbst wieder und wieder durchzublättern und sich plötzlich eine eigene Lesefähigkeit vorzuspielen. Lesefähigkeit bedeutet Denkfähigkeit, sie führt zu Handlungsmöglichkeiten und ist keineswegs nur Ausdruck simpler Anpassung.
Das geteilte Bilderbuch
(Lutz Rathenow)
Wir reden viel über Pisa und Lesekompetenz, kümmern uns aber beschämend wenig um die ersten konkreten Leseanregungen in Form von Büchern. Wäre unser Interesse an dem, was Kinder zuerst zu lesen bekommen, größer, wäre der diskutierenden Feuilleton-Öffentlichkeit längst ein Problem aufgefallen: der gespaltene deutsch-deutsche Bilderbuchmarkt.
Einsamkeit. Über ein Problem in Leben und Werk des späten Goethe
(Ernst Osterkamp)
In einem mit den
Künstlern und dem Publikum seiner Zeit bitter hadernden Rückblick auf die im
Jahre 1805, dem Todesjahr Schillers, durchgeführte letzte Weimarische
Kunstausstellung hat Goethe die düstere Prognose formuliert: „die
Weimarischen Kunstfreunde, ...
Hilft das Lesen in der Not? Warum unsere Wirtschaftskrise eine Krise der Moderne ist
(Hartmut Böhme)
Vielleicht sind die Reservoirs der westlichen Kulturen erschöpft.
Der Motor des Fortschritts und der Ausdifferenzierung scheint ein
Auslaufmodell zu sein. Ideenverlassenheit, Welt- und Selbstfremdheit,
Traditionsverlust, „das Grauen“ (Joseph
Conrad) sind die Stichwörter der Moderne ...
Die Kunst des
Loslassens
(Heike Geilen)
Frido Mann
Achterbahn. Ein Lebensweg
Rowohlt Verlag, Reinbek (Mai 2008)
383 Seiten, Gebunden
ISBN-10: 3498045105
ISBN-13: 978-3498045104
Preis: 19,90 EURO
Schöngeist,
Freiheitskämpfer und Bauer
(Heike Geilen)
Elke Heidenreich
Eine Reise durch Verdis Italien. Flieg, Gedanke..
Gekürzte Lesung; Sprecherin: Elke Heidenreich
Random House Audio (Oktober 2008)
2 CDs, ca. 146 Minuten
ISBN-10: 3866049285
ISBN-13: 978-3866049284
Preis: 19,95 EURO
Was können wir von Friedrich Schiller lernen?
(Stefan Groß)
Die intellektuelle Welt ist sich einig: Friedrich Schiller bleibt der
große Wortführer des 19. Jahrhunderts – auch in Sachen Politik.
Er war aber, dies lässt sich nicht bestreiten, kein rein
politisierender Philosoph, wenngleich ...