Für den Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa steht
außer Frage, wie er gegenüber dem Magazin „Der Spiegel“ betonte, daß ein Schriftsteller
sich politisch positionieren muß. Wie der 75-Jährige betonte, dürfe sich ein
Schriftsteller nicht davor scheuen, sich auch die Hände schmutzig zu machen.
Eine seiner Hauptaufgaben bleibe es, sich kritisch in politische Debatten
einzumischen. Dabei sei es wichtig, daß Schlagwörter durch Ideen ersetzt werden
– statt flüchtiger Aktualität gilt es nach dem bleibenden Sinn zu suchen. Llosa
war 1990 in Peru als Präsidentschaftskandidat angetreten. Die Tabula Rasa stellt ihn als politischen
Schriftsteller vor.
"Das eigentliche Theatertalent der Deutschen war
Kotzebue; er und seine Deutschen, die der höheren sowohl als die der mittleren
Gesellschaft, gehörten notwendig zusammen; und die Zeitgenossen hätten von ihm im
Ernste sagen dürfen: „In ihm leben, weben und sind wir.“ Hier war nichts
Erzwungenes, Angebildetes, Halb- und Angeniessendes: was er wollte und konnte,
wurde verstanden.“ So Nietzsche, einer der wenigen wichtigen nachgeborenen
Befürworter des großen Theatertalents, das zu Lebzeiten immer wieder
polarisierte. Annette Seemann begibt sich in der Tabula Rasa auf Spurensuche
nach dem fast vergessenen Schriftsteller (1761-1819), dessen 250. Geburtstag
dieses Jahr gefeiert wird.
Frankreich und Deutschland Anne Germaine Luise de Stäel
Anne Germaine Louise de
Staël-Holstein, geborene Necker, geboren 1766, gestorben 1817, war eine der
ungewöhnlichsten Frauen an der Schwelle des 18. zum 19. Jahrhundert. Wer war
sie, eine patriotische Französin, eine in der Wolle gefärbte Schweizerin, eine
reiselustige Europäerin avant la lettre? Und: was war Heimat für die unstete,
über 20 Jahre aus Frankreich exilierte Intellektuelle, deren Besuch in Weimar
im Winter 1803/04 hier in Hofkreisen, aber insbesondere auch bei Goethe,
Schiller und Wieland für große Aufregung sorgte?
Für den in der Nähe von Überlingen am Bodensee lebenden
Schriftsteller Martin Walser gehören Religion und Literatur einfach zusammen.
In seinem neuesten Roman "Muttersohn" hat er daher versucht, die
Fehlentwicklungen der Vergangenheit wieder zusammen zu fügen, da er davon
überzeugt ist, daß in der europäischen Geistesgeschichte Religion und Literatur
oft auseinandergegangen sind. Für seinen Romanprotagonisten Percy im neuen
Buch, in dem auch Passagen aus „Mein Jenseits“ eingeflossen sind, sei deshalb
das Weihnachtsevangelium das Schönste; es sei reine Literatur. Martin Walsers neues
Buch trägt auch mystische Züge, insbesondere der schwedische Philosoph und
Mystiker Emanuel Swedenborg (Foto) (1688-1772) hat Walser tief beeinflußt.
Érik Orsenna, seit 1998 Mitglied der Académie Française und bereits mit diversen Preisen ausgezeichnet (unter anderem mit dem Prix Goncourt), ist ein unglaublich vielseitiger Schriftsteller. Sein Oeuvre offenbart sich so breitgefächert wie wohl kaum bei einem anderen Autor. Egal, ob er über Baumwolle („Weiße Plantagen“), die Faszination des Golfstroms („Lob des Golfstroms“), die Antarktis („Großer Süden“), unser Lebenselixier („Die Zukunft des Wasser“) oder seine Zeit als Ghostwriter von François Mitterrand und das Alltagsleben im Elysée-Palast schreibt, wenn man seine Bücher liest, gewinnt man schnell den Eindruck, einem Autor begegnet zu sein, der [...] seinen literarischen Stoff strickt.
"Muttersohn" ist der neueste Roman aus der Feder
Martin Walsers (84). Walser, der zu den wichtigsten Autoren der deutschen
Nachkriegsliteratur zählt, hatte erst vor kurzem den dritten Band seiner Tagebücher
(1974-1978), seinen kleinen Essay zu Nietzsche und seine Novelle "Mein
Jenseits" veröffentlicht. In „Muttersohn“, 500-Seiten,
erzählt er die Geschichte von Anton Percy Schlugen, der die Gegenden zwischen
Donau und Bodensee durchwanderte und dann Krankenpfleger in der Psychiatrie
wird. Wie seine Mutter Fini, eine Schneiderin, die sogar Goethes
"Iphigenie" auswendig kann, den Dichter Rilke liebt und später als
Terroristen-Sympathisantin entlassen wird, fühlt sich auch der Sohn vom Unbeweisbaren
angezogen.
Mit Jorge Semprun verliert Europa einen der größten Intellektuellen des
Zwanzigsten Jahrhunderts, einen Schriftsteller und Denker, wie ihn das
21. Jahrhundert so dringend bräuchte. Größe bezeichnet hier nicht in
erster Linie Erfolg, Zeitgeistkonformität, Berühmtheit, sondern bedeutet
Klugheit im Sinne der Vermählung von Intelligenz und Moral und Wahrheit
im Sinne von Wahrhaftigkeit. Intellektueller wird man nach Max Frisch
nicht durch Gehabe oder auch nur überragende Intelligenz und Bildung
(woran es Semprún nicht mangelte), sondern erst dadurch, daß man diese
in den Dienst des Allgemeinwohls stellt.
Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse hat in der "Die Welt" die Europäische Union gegen die Kritik, die Jürgen
Habermas und Hans Magnus Enzensberger formuliert haben, verteidigt. Wie der 1954 in Wien geborene Menasse betonte, seien die Defizite der
EU eine Folge des Widerstands der Nationalstaaten, ohne den das
Europäische Parlament jedenfalls freier und die Kommission stärker wäre. "Es ist ein Unterschied, ob man, wie Deutschland 1945, eine Demokratie
geschenkt bekommt, oder ob man unter völlig veränderten Bedingungen ein
demokratisches System entwickeln muss." Auch mit Blick auf die Bürgerrechte ist die Europäische Union oft
fortschrittlicher und rationaler als jeder einzelne Mitgliedsstaat. Der Schriftsteller arbeitet derzeit an einem neuen Roman und hat sich in das Milieu der Brüsseler EU-Behörden begeben.
Der Schriftsteller Arno Geiger, 1968 in Bregenz, Österrreich, geboren, hat unterstrichen, daß die Demezkrankheit für ihn einfach ein Schicksal ist. Wie der Preisträger des "Deutschen Buchpreises" (2005) betonte, sind Charakter und Haltung in bestimmten Situationen
wichtiger als Intelligenz. Geiger, der seit 1993 als freier Schriftsteller in Wien lebt, kam zu diesem Schluß durch ganz private Erfahrungen mit seinem an Demenz
erkrankten Vater. Das Problem mit der Intelligenz sei, daß man ihr Schwinden
immer erklären wolle, betont Geiger im Interview mit der "Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Demenzkrankheit muß man vielmehr als Schicksal ansehen; zwar sei sein Vater zwar noch blitzgescheit, kann aber die Welt nicht mehr zentrieren. Vor zwei Jahren setzte sich der Journalist Tilman Jens mit der Erkrankung seines Vaters, Walter Jens kritisch auseinander - das Buch sorgte für Schlagzeilen. Auch Ursula von der Leyen vermerkte kritisch, daß die Alzheimerkrankheit immer noch ein Tabuthema ist.
Vielleicht wäre die „kleine Wahrheit“ aus dem Kult-Buch
"Zarathustra" des Philosophen Friedrich Nietzsche, diese "böse
Handlungsanleitung für gekränkte frauenbesuchende Männer nie geschrieben
worden, hätte er nicht das Mädchen getroffen, dem er jetzt mit so starken
Absichten entgegengeht.", schreibt die auf erstklassige Künstlerbiografien
spezialisierte Kerstin Decker. Das Mädchen ist die 21-jährige Lolja Salomé, die
dem "Übermenschen", dem "Hochgebirgsdenker" begegnet ist
und ihn in einen nahezu magischen Bann zieht. Lou Andreas-Salomé avanciert zu
seiner "Glaubensgenossin", seinem "Geschwistergehirn",
einer "Inkarnation seines Übermenschenideals".
Scheitern als Lebensprinzip, so könnte man kurz Heinrich von Kleists
irdisches Schicksal umschreiben. Und diese Maxime unterstrich der
berühmte Dramatiker selbst, als er sich zuletzt als „nichtsnütziges
Glied der menschlichen Gesellschaft“ bezeichnete. Dabei hatte der
1777 im Frankfurt/Oder geborene Dichter die besten Voraussetzungen für
eine gesellschaftliche Karriere; er kam aus einer einflußreichen
pommerschen Familie, ausgestattet also mit dem besten Pedigree, hatte
von Jugend an beste Beziehungen zu einem erlesenen Kreis einflußreicher
Politiker des preußischen Staatsapparates. Anfang der 90er Jahre des 18.
Jahrhunderts trat er in das das 3. Bataillon des Garderegiments in
Potsdam ein, wurde Leutnant; 1797 befreundete er sich mit Ernst von
Pfuel, dem späteren preußischen Ministerpräsidenten.
Direkt, offen, mit einem Hang zu wunderbar bizarrem Humor und immer ein
bisschen kryptisch... Genau so liest sich ein echter Glavinic. Sein
Protagonist ist, wie schon in "Die Arbeit der Nacht", seinem großartigen
Roman aus dem Jahr 2006, wieder einmal allein. Fast allein. Nur seinen
achtjährigen Sohn hat er bei sich, in dieser abgeschiedenen Berghütte,
in die er sich zurückgezogen hat, in die er geflüchtet ist. Irgendetwas
lauert da draußen auf ihn, eine unbestimmte Gefahr, eine brutale
Serienmörderin, der man den Namen Lisa gibt und die ihr Unwesen auf der
ganzen Welt treibt. DNA-Spuren dieser Frau sind im Lauf vieler Jahre nahezu bei
allen Verbrechen gefunden worden. Nun scheint sie es auf ihn abgesehen zu
haben. Die Anzeichen mehren sich. Die Paranoia wächst.
Unter den Literaturpreisträgern der Konrad-Adenauer-Stiftung
stammt ganz sicher nicht zufällig ein großer Teil aus Ost- und Ostmitteleuropa
oder aus der ehemaligen DDR. Mit Cees Nooteboom ist nun erstmals ein Autor
eines westeuropäischen Nachbarlandes Literaturpreisträger der Stiftung. Ein
Jahr nach Uwe Tellkamp und seiner Innenansicht auf zwanzig Jahre deutsche
Einheit nun die Außenansicht eines westeuropäischen Nachbarn auf Deutschland.
Cees Nootebooms herausragendes literarisches Werk hat eine auffällige
europäische Dimension, die politisch wie kulturell von großer Bedeutung ist,
jenseits von Ideologien und verengenden Weltanschauungen. Er gehört zu den
Intellektuellen unserer Gegenwart, die den Wert unseres kulturellen Erbes
kennen und davon literarisch Zeugnis ablegen.
Als ich meinen Computer fragte, wie oft Nietzsche bei mir vorkomme, antwortete er: 732 Mal. Ich darauf: Das könnte mich interessieren. Und er bediente mich bzw. mein Interesse. Bald genug merkte ich, daß ich nie etwas über Nietzsche gesagt oder geschrieben habe. Ich hatte nie eine Meinung über Nietzsche. Es war immer ein begriffloser Umgang. Ich habe Nietzsche brauchen können. Geglaubt, daß ich ihn brauchen könne. Wie das vor sich ging, ist hier noch einmal festgehalten. Es waren Anrufungen. Bezeichnend ist schon, in wie verschiedenen Problem-Augenblicken ich ihn angerufen habe. Zitiert auch, aber noch öfter angerufen als zitiert.
Für
seine surreale Beschreibung einer dystopischen Welt ist Haruki Murakami schon
lange bekannt. Gefühlsmäßig verarmte und vereinsamte Menschen, mitunter Gewalt,
Paralleluniversen, deren Grenzen zur realen Welt fließend und daher von dieser
kaum zu unterscheiden sind, durchziehen das gesamte Oeuvre des japanischen
Autors. Sein neuestes Werk bildet hierbei keine Ausnahme. Mit „1Q84“ bezieht er
sich zudem auf George Orwells Zukunftsroman „1984“.
Daß der Ruhm ihm nicht unwichtig
gewesen war, daraus hat Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi (Foto), geboren am 9. September 1828, nie einen Hehl gemacht. Und ruhmreich war
sein Leben, von den Anfängen im Krimkrieg bis hin zu den erfüllten Tagen auf
seinem Gut Jasnaja Poljana. Bereits mit seinen literarischen Skizzen, den
„Sewastopoler Erzählungen“ öffnete sich für ihn die Tür zum Erfolg. Von Moskau
bis ins tiefe Sibirien hinein laß man seine Schriften fortan, vergötterte ihn,
den Adligen mit sozialistischen Anschauungen und zuhöchst menschlichen Gefühlen,
ihn, der dem Denken Rousseaus sich zutiefst gegenüber verpflichtet wußte, der
aus dem Geist der wahren Pädagogik heraus seine Bauern und ihre Kinder zu
würdigen Bürgern formen und frommen wollte.
L'Homme
Revolté – so viel Camus muß fünfzig Jahre nach seinem Tod sein! Doch wogegen
rebelliert der moderne Mensch? Gegen den Verlust seiner Privatsphäre, die er
durch den Einbruch der Öffentlichkeit in ihrer Würde und Ansehen gefährdet
sieht. Sei es die Vorratsdatenspeicherung Elena oder das krakenartige Netzwerk
von Google und seiner geradezu anmaßenden Überwachung der Weltöffentlichkeit. Street-View
heißt das Kampfwort der Stunde und die Bedrohung durch diese Gigantomanie
zwingt auch Alleskönner wie den „Focus“-Chef Helmut Markwort zur Kapitulation.
Das C der CDU - es ist ein Kreuz mit diesem Buchstaben
geworden, der für so viel Anspruch steht. Viele wenden sich enttäuscht ab von einer
Partei, die für christliche Grundwerte stehen will. Wofür steht dieses C heute
noch? Wofür darf es stehen? Ist es Hindernis auf dem Weg in die Moderne? Nur
schmückendes Beiwerk für Festtagsreden? Wird es zur Herausforderung für Politiker
und Bürger? Martin Lohmann, Moderator, politischer Journalist und Querdenker,
geht diesen Fragen mit Leidenschaft nach. Dabei kommt der
überzeugte Christ und Buchautor zu verblüffenden Antworten.
Uns Laien hat es immer mächtig gereizt zu wissen, woher
diese merkwürdige Persönlichkeit, der Dichter, seine Stoffe nimmt – etwa im
Sinne der Frage, die jener Kardinal an den Ariosto richtetet – und wie er es
zustande bringt, uns mit ihnen so zu ergreifen, Erregungen in uns hervorzurufen,
deren wir uns vielleicht nicht einmal für fähig gehalten hätten. Unser
Interesse hiefür wird nur gesteigert durch den Umstand, daß der Dichter selbst,
wenn wir ihn befragen, uns keine oder keine befriedigende Auskunft gibt, und
wird gar nicht gestört durch unser Wissen, daß die beste Einsicht in die
Bedingungen der dichterischen Stoffwahl und in das Wesen der poetischen
Gestaltungskunst nichts dazu beitragen würde, uns selbst zu Dichtern zu machen.
Ob in Philosophie, Literatur, Bildenden Künsten, Publizistik oder
Politik – katholische deutsche Intellektuelle haben die geistige
Landschaft des 20. Jahrhunderts wesentlich mitgeprägt. Sie stellten
Fragen an die Zeit und ihre Mitmenschen, die anderen nicht einfielen
oder die sie nicht zu stellen wagten. Hans-Rüdiger Schwab hat 39
Porträts ganz unterschiedlicher Männer und Frauen – Laien allesamt –
zusammengestellt, die den großen Spannungsbogen katholischen
Geisteslebens im 20. Jahrhundert widerspiegeln.
Der Sommer ist die abendländische Reisezeit schlechthin.
Studenten strömen mit Rucksäcken in alle Welt und wer es sich als Berufstätiger
oder Arbeitsloser leisten kann, nimmt sich Urlaub, um etwas von der Welt zu
sehen oder zumindest vom eigenen Garten. Reisen ist aber nicht gleich reisen.
Um von der Kunst des Reisens sprechen können, muss man zuallererst die Dinge
erwähnen, die der Kunst des Reisens abträglich sind bzw. die Kunst des Reisens
erschweren. Der Begriff „Tourismus“
ist zum Überbegriff des Reisens geworden, obgleich im Deutschen noch im 20. Jahrhundert
der Terminus „Fremdenverkehr“ gebräuchlicher war.
Was mich immer tief alteriert hat, das ist die
Selbstverständlichkeit, mit der die meisten Menschen ihr Gesicht tragen. Gefiel
mir eines oder das andere nicht, so kam, wie um das Maß voll zu machen, die
Beschönigung eines unbeteiligten Dritten dazu: der Mann könne doch für sein
Gesicht nicht. Kein Standpunkt ist haltloser. Denn die Verantwortung, die einer
für seine Nase übernimmt, ist mindestens so begründet wie die, die er für seine
politische Oberzeugung trägt. Für die politische Überzeugung kann der Mensch in
den meisten Fällen überhaupt nicht verantwortlich gemacht werden, da sie ihm
von Geburt oder durch fehlerhafte Erziehung, durch mitgebrachte Schwäche der
geistigen Veranlagung oder durch das verderbliche Beispiel der Umgebung
anhaftet.
Viele Schriftsteller - so auch Johann Wolfgang von Goethe -
fassten die Lust und den positiven Bildungseffekt einer Reise in Worte: "Die
Reise gleicht einem Spiel; / es ist immer Gewinn und Verlust dabei, / und meist
von der unerwarteten Seite; / man empfängt mehr oder weniger, als man hofft. /
Für Naturen wie die meine ist eine Reise unschätzbar: / sie belebt, berichtigt,
belehrt und bildet." In Olli Jalonens neuem Roman, der für den Finlandia
Prize nominiert war und dessen Werk nun erstmals kongenial von Stefan Moster
ins Deutschen übertragen wurde, geht es gleichfalls um eine Reise oder eher um
einen Wettbewerb, einen sehr ungewöhnlichen noch dazu.
Der 1964 in München geborene Promi-Rechtsanwalt Ferdinand von Schirach, der unter anderem auch Günter Schabowski im sogenannten Politbüroprozeß verteidigte, schreibt, wie er nun bekannte, seine Geschichten aus reiner Freude. Bekannt wurde er mit seinem Erzählband "Verbrechen" 2009 und mit seinem neuen Buch "Schuld". Auch wenn Schirach
Mörder und Vergewaltiger in seinem Arbeitsalltag verteidigt, sieht er sich nicht schuldig, hat kein schlechtes Gewissen, das er sich von der Seele schreiben müßte. In einen Prozeß nicht eingreifen zu können, wie es etwa bei Gerichtsreportern der Fall ist, würde der Enkel von NSDAP-Reichsjugendführer Baldur Benedikt von Schirach nicht ertragen.
Dieser
Essay behandelt die These, dass eine Renaissance des tragischen Denkens in
unserer abendländischen Kultur notwendig ist und dieses Denken allein die
nötige Schlagkraft hat, um den Vigor des Abendlandes neu zu entfachen, welcher
in Zeiten der gegenwärtigen Wirtschaftskrise besonders leidet.
Christa Wolf erhält den Uwe-Johnson-Preis. Das neue Buch der 81-Jährigen, "Stadt der Engel" sei "ein faszinierendes
Netzwerk, in dem die Ich-Erzählerin einmal mehr alltägliche
Begebenheiten, Gefühle und Erinnerungen verwebt," hieß es zur Begründung von der Jury. Der "Nordkurier"
aus Neubrandenburg vergibt den mit 12.500 Euro dotierten
Preis gemeinsam mit der Mecklenburgischen
Literaturgesellschaft alle zwei Jahre.
Wie sehr der Fall der Pius-Brüderschaft nicht nur zu innerkirchlichen
Anfeindungen führte, sondern mit der Kritik der Bundeskanzlerin an Papst
Benedikt XVI. auch zu politischen, ist allerorten gegenwärtig. Eine ganze
Bibliothek läßt sich mit zu diesem Thema kontrovers und hitzig geführten Debatten
und Publikationen mittlerweile füllen. Gleich mit zwei Neuerscheinungen, genauer: mit einer neuen
und einer zweiten und neu eingeleiteten Auflage, wartet der Verlag Butzon und
Bercker zum Thema Pius-Brüderschaft und Liturgiereform auf.
Der ewige Sucher – Heinrich von Kleist (1777-1811)
(Stefan Groß)
Scheitern als Prinzip, so könnte man das Leben des 1777 in
Frankfurt an der Oder geborenen Heinrich von Kleist prägnant umschreiben. Dabei
hatte der Dichter die besten Voraussetzungen für eine gesellschaftliche
Karriere; der ...
Eine Art literarische Realitätenvermittlung
(Heike Geilen)
"Auslöschung
- Ein Zerfall"... ein vernichtender, ein destruktiver Titel, den sich
Thomas Bernhard für seinen letzten Roman einfallen lassen hat. Doch wie er
selbst gegen Ende des großartigen Buches schreibt, denkt er nicht ...
Madame de Staël - Deutschland und Frankreich. Der Heimatbegriff einer Intellektuellen am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert
(Annette Seemann)
Anne Germaine Louise de Staël-Holstein, geborene Necker, geboren 1766, gestorben 1817, war eine der ungewöhnlichsten Frauen an der Schwelle des 18. zum 19. Jahrhundert. Wer war sie, eine patriotische Französin, ...
Zum Tode von Jorge Semprun (10. Dezember 1923 - 7. Juni 2011) - Ein Denker, wie ihn das 21. Jahrhundert so dringend bräuchte
(Lutz Rathenow und Siegfried Reiprich)
August von Kotzebue
(Annette Seemann)
„Das eigentliche Theatertalent der Deutschen war Kotzebue; er und seine Deutschen, die der höheren sowohl als die der mittleren Gesellschaft, gehörten notwendig zusammen; und die Zeitgenossen hätten von ihm im ...
Der post-moderne Heinrich von Kleist
(Stefan Groß)
Scheitern als Lebensprinzip, so könnte man kurz Heinrich von Kleists irdisches Schicksal umschreiben. Und diese Maxime unterstrich der berühmte Dramatiker selbst, als er sich zuletzt als „nichtsnütziges Glied der menschlichen ...
Autorin ihres Daseins
(Heike Geilen)
"Du
gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!"
Vielleicht
wäre die „kleine Wahrheit“ aus dem Kult-Buch "Zarathustra" des
Philosophen Friedrich Nietzsche, diese "böse Handlungsanleitung für
gekränkte frauenbesuchende Männer nie geschrieben worden, hätte er nicht ...
"Die Sonne ist vom Himmel gefallen"
(Heike Geilen)
Mit
dieser Schlagzeile wartet die Wiener Presse im Jahr 1910 in einer ihren
Gazetten auf und deutet damit eine sich anbahnende Sensation in der hiesigen
Schachwelt an. Aufsehenerregender konnte das stattfindende Ereignis nicht ...
Das Paradies ist nebenan. Europa und die folgenden Geschichten.
(Norbert Lammert)
Laudatio auf Cees Nooteboom am 12.12.2010
Nietzsche lebenslänglich
(Martin Walser)
Als ich meinen Computer fragte, wie oft Nietzsche bei mir
vorkomme, antwortete er: 732 Mal. Ich darauf: Das könnte mich interessieren.
Und er bediente mich bzw. mein Interesse.
Bald genug merkte ich, ...
Vor 100 Jahren starb Lew Tolstoi
(Stefan Groß)
Daß der Ruhm ihm nicht unwichtig
gewesen war, daraus hat Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi, geboren am 9. September 1828, nie einen Hehl gemacht. Und ruhmreich war
sein Leben, von den Anfängen im ...
Anna Seghers, Briefe 1953/83
(Jörg Bernhard Bilke)
Der zweite Band der Briefe von Anna Seghers, vom Jahr des Arbeiteraufstands am 17. Juni 1953 bis ins Jahr ihres Todes 1983, sechs Jahre vorm Untergang des SED-Staates, ist zweifellos ...
Mario Vargas Llosa - ein politischer Schriftsteller
(Michael Lausberg)
Am
7.10.2010 wurde der Schriftsteller Mario Vargas Llosa mit dem Nobelpreis
für Literatur ausgezeichnet, der am 10.12. 2010 offiziell verliehen wird. Die
Juroren in Stockholm würdigten Vargas Llosa mit der Preisverleihung „für seine
Kartographie ...
Der Dichter und das Phantasieren
(Sigmund Freud)
Uns Laien hat es immer mächtig gereizt zu wissen, woher
diese merkwürdige Persönlichkeit, der Dichter, seine Stoffe nimmt – etwa im
Sinne der Frage, die jener Kardinal an den Ariosto richtetet – ...
Von den Gesichtern
(Karl Kraus)
Was mich immer tief alteriert
hat, das ist die Selbstverständlichkeit, mit der die meisten Menschen ihr Gesicht
tragen. Gefiel mir eines oder das andere nicht, so kam, wie um das Maß voll ...
Was Kunst können sollte - Ein posthumes Interview mit Antonin Artaud
(Lisz Hirn)
Antonin Artaud kommt 1896 in Marseille zur
Welt. Er erwirbt sich im Laufe seines Lebens einen Ruf als Regisseur,
Schauspieler und Theatertheoretiker. Ein Interview
über die wuchernde Theaterunkultur, gesellschaftlichen Ausstoß und die
postmoderne Obszönität ...
Die Kunst des Reisens
(Lisz Hirn)
...
Leben wir in einer mythischen oder logischen Welt?
(Lisz Hirn)
Zur Erinnerung an Rainer Maria Rilke
(Stefan Groß)
Zaghaft und verspielt kommt das lyrische Frühwerk Rainer Maria Rilkes
dem Leser in den Blick, zaghaft die Versuche, jene große Emotionalität
zu binden, die in einer Seele schlummert, die noch ungeformt, sich ...
Heinrich Heine als Journalist
(Stefan Groß)
Gescholten und bewundert, gepriesen und verabscheut, die Facetten der
Heineinterpretation sind vielgestaltig. Spektakulär ist Heine auf jeden
Fall gewesen, auch wenn sein Abtritt von der Weltbühne vor 150 Jahren
alles andere war. Das ...
Urheberrecht und Hegemann-Wahn
(Bettina Röhl)
Anti-It-Girl Helene Hegemann verletzt offenbar notorisch Urheberrechte
Dritter. Ihr Buch, eine etwas verkorkste Ansammlung von Wörtern, ist,
unbeschadet dessen dass gerade so etwas von der Rezension zu Kunst erklärt
wird, offenbar ein Konglomerat ...
Prometheus´ Erben. Das Tragische als Schlüssel zur
Erneuerung der abendländischen Kultur.
(Lisz Hirn)
...
Rassist und Antisemit oder Patriot und Gelehrter?
(Constantin Graf von Hoensbroech)
Die Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald streitet über ihren Namenspatron
"Schillers Vermächtnis: Kulturelle Bildung" - Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler bei der Wiedereröffnung des Schiller-Nationalmuseums am 250. Geburtstag Friedrich Schillers
(Horst Köhler)
"Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei - und wär' er in Ketten geboren". Das
ist eine der bekanntesten Sentenzen von Friedrich Schiller - und es ist
sozusagen reinster Schiller: ...
Ciceroni: Cioran, Celibidache. Oder: über Musik.
(Daniel Krause)
Cioran
Es herrscht kein Mangel an
musikwissenschaftlichen Abhandlungen. Anders verhält es sich mit
Musik-Philosophie:
Zeitgenössische Ästhetik befasst sich viel eher mit
Bildender Kunst und Literatur. Sollte die viel beschworene
Sprachferne aller Musik – aller ...
Nietzsches Zarathustra
(Marco Meng)
Nietzsches
Zarathustra ist ein gewaltiges Opus und beeinflusste vielleicht die Geistesgeschichte
der Menschheit mehr als jedes andere literarische Werk. Sagte ich, literarisches Werk? Ist es aber nicht
vielmehr ein philosophisches? Was offenbart sein ...
Der schöne Schein aus Wachs. Madame Tussaud feiert in Berlin
ihr einjähriges.
(Lutz Rathenow)
„Nein, der macht mir Angst!“ bekräftigt die junge Dame entschlossen und tritt
weg von Willy Brandt, mit dem sie sich nicht fotografieren lassen will: „Wer
ist denn das eigentlich?“ legt sie nach. ...
Das Ziel und das Heil des Menschen. Eine Groteske des lautstarken Lebens unweit der Krise
(Ulrich Büchler)
Die Sicherung: das Ziel des Menschen
Der einzelne Mensch hat immer ein
Ziel. Mindestens eines, sein Minimalziel. Was auch immer er tut, sein Tun ist,
sofern es bewusst geschieht, zuerst auf ...
Zum Gedenken an den Vater der Psychoanalyse: Sigmund Freud - 70. Todestag
(Sophie Bartholome)
„Das Unbewusste ist viel moralischer, als das Bewusste wahrhaben will.“
De felicitate.
(Lisz Hirn)
Was bedeutet es heutzutage, glücklich zu sein?
Die Notwendigkeit tragischen Denkens in Krisenzeiten
(Lisz Hirn)
“Car le tragique n´est pas une épreuve parmi beaucoup
d´autres, il est l´épreuve par excellence de l´exister comme homme.”[1]
(François Chirpaz)
Dieser Essay behandelt die These, dass
eine Renaissance des tragischen Denkens ...
Welchen Zweck hat Wahrheit?
(Teresa Tammer)
Essay zu Richard Rortys Solidarität oder Objektivität?
Antisemitismus und Literatur
(Marcel Reich-Ranicki)
Bettina Röhl im Interview mit Marcel Reich-Ranicki
Marcel Reich-Ranicki - der große Theaterdonner im deutschen Literaturbetrieb!
(Bettina Röhl)
Reich-Ranicki
ist ein großartiger Provokateur und ein verkannter Opportunist. Ein
Film zeigt jetzt sein frühes Leben und auch sein Überleben im
Warschauer Ghetto. Aus diesem Anlass erscheint hier ein Nachdruck des
Interviews der Autorin ...
Unwissen macht
nichts? Das Prinzip
Verantwortung wird 30
(Teresa Tammer)
Vor 30 Jahren erschien ein Buch mit dem
Titel: Das Prinzip Verantwortung. Versuch
einer Ethik für die technologische Zivilisation. Der Autor, Hans Jonas
(1903-1993), schrieb es als Antwort auf die drängenden Fragen der ...
Warum Vorlesen wichtig ist
(Lutz Rathenow)
Warum wollen kleine Kinder bestimmte Bilderbücher immer wieder vorgelesen bekommen? Bis sie diese auswendig können. Um diese selbst wieder und wieder durchzublättern und sich plötzlich eine eigene Lesefähigkeit vorzuspielen. Lesefähigkeit bedeutet Denkfähigkeit, sie führt zu Handlungsmöglichkeiten und ist keineswegs nur Ausdruck simpler Anpassung.
Das geteilte Bilderbuch
(Lutz Rathenow)
Wir reden viel über Pisa und Lesekompetenz, kümmern uns aber beschämend wenig um die ersten konkreten Leseanregungen in Form von Büchern. Wäre unser Interesse an dem, was Kinder zuerst zu lesen bekommen, größer, wäre der diskutierenden Feuilleton-Öffentlichkeit längst ein Problem aufgefallen: der gespaltene deutsch-deutsche Bilderbuchmarkt.
Ernst Osterkamp: Einsamkeit. Über ein Problem in Leben und Werk des späten Goethe
(Ernst Osterkamp)
In einem mit den
Künstlern und dem Publikum seiner Zeit bitter hadernden Rückblick auf die im
Jahre 1805, dem Todesjahr Schillers, durchgeführte letzte Weimarische
Kunstausstellung hat Goethe die düstere Prognose formuliert: „die
Weimarischen Kunstfreunde, ...
Hilft das Lesen in der Not? Warum unsere Wirtschaftskrise eine Krise der Moderne ist
(Hartmut Böhme)
Vielleicht sind die Reservoirs der westlichen Kulturen erschöpft.
Der Motor des Fortschritts und der Ausdifferenzierung scheint ein
Auslaufmodell zu sein. Ideenverlassenheit, Welt- und Selbstfremdheit,
Traditionsverlust, „das Grauen“ (Joseph
Conrad) sind die Stichwörter der Moderne ...
Die Kunst des
Loslassens
(Heike Geilen)
Frido Mann
Achterbahn. Ein Lebensweg
Rowohlt Verlag, Reinbek (Mai 2008)
383 Seiten, Gebunden
ISBN-10: 3498045105
ISBN-13: 978-3498045104
Preis: 19,90 EURO
Schöngeist,
Freiheitskämpfer und Bauer
(Heike Geilen)
Elke Heidenreich
Eine Reise durch Verdis Italien. Flieg, Gedanke..
Gekürzte Lesung; Sprecherin: Elke Heidenreich
Random House Audio (Oktober 2008)
2 CDs, ca. 146 Minuten
ISBN-10: 3866049285
ISBN-13: 978-3866049284
Preis: 19,95 EURO
Was können wir von Friedrich Schiller lernen?
(Stefan Groß)
Die intellektuelle Welt ist sich einig: Friedrich Schiller bleibt der
große Wortführer des 19. Jahrhunderts – auch in Sachen Politik.
Er war aber, dies lässt sich nicht bestreiten, kein rein
politisierender Philosoph, wenngleich ...